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Neue Presse Frankfurt vom
19.09.1997
FAZ Sonntagszeitung No.12
vom 27.03.1994
Namibia Magazin 1992, Heft 4
Ein Bericht von Uwe U. Jäschke,
Namibia Magazin 4/92
Die
Bildsammlung der Deutschen Kolonial- gesellschaft (DKG)
50.000 Fotos warten auf ihre Entdeckung
Ein Konzept zur
Erhaltung und Erschließung der Bildsammlung der DKG wurde in der Arbeitsgemeinschaft
Namibia am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie der Johann Wolfgang Goethe-
Universität Frankfurt am Main von Imre J. Demhardt und Uwe U. Jäschke unter der Leitung
von Prof. Dr. H. Lamping erarbeitet.
Die Zeit der deutschen Kolonialpolitik und
ihrer Kolonialagitatoren endete in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Geblieben sind die
unzähligen Bücher, Dokumente und Karten, die mehr oder weniger kritisch an die
vermeintlich große Zeit deutscher Weltmachtpolitik erinnern. Gesammelt und archiviert
sollten diese Hinterlassen- schaften in den Archiven, Bibliotheken und Museen der
wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein. Für die Akten und
Dokumente der amtlichen Stellen gilt dies, soweit sie durch die Kriege erhalten geblieben
sind, uneingeschränkt durch das
Bundesarchiv mit seinen Archiven in Freiburg, Koblenz und Potsdam. Anders ist das mit
ehemals privaten oder halbstaatlichen Sammlungen. Hier fehlten oftmals die Mittel, das
überkommene Material sachgerecht zu lagern, zu sichern und wissenschaftlich zu
erschließen. Eine dieser Sammlungen ist die Bildsammlung der Deutschen
Kolonialgesellschaft (DKG) in der Stadt- und Universitäts- bibliothek der Stadt Frankfurt
am Main.
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Geschichte
Die Geschichte der kolonialen Bildsammlung beginnt schon vor der Gründung der Deutschen
Kolonialgesellschaft (DKG). Forscher und Missionare begannen, die Natur und die Menschen
in ihrem Wirkungsgebiet mit großformatigen Plattenkameras abzulichten. Mit diesen
Aufnahmen, zu Glasdias umkopiert, ergänzten sie schon in den 80er Jahren des letzten
Jahrhunderts ihre Vorträge bei den Kolonialgesellschaften. 1891 legte die DKG mit ca. 100
großformatigen Diapositiven den Grundstock für eine eigene Bildsammlung, die seit 1893
planmäßig aktualisiert und erweitert wurde. Zudem vergrößerten Nachlässe von
Mitgliedern und Freunden der Kolonialbewegung sowie Sammlungen aus dem amtlichen,
kommerziellen und privaten Bereich den Bildbestand. Bald erfolgte auch eine zielgerichtete
Bildbeschaffung in Deutschland und in den Kolonien.
Diese Praxis wurde auch nach dem Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg
fortgesetzt. Mit der Gleichschaltung der DKG im Reichskolonialbund wurde auch das
vorhandene Filmmaterial übernommen. Eine eigens eingerichtete Bildstelle - sie hat sich
in der Sammlung selbst verewigt - lagerte und dokumentierte das Bildmaterial. Dabei
entstanden auch 6x6 Glasdiareihen für den Einsatz in Kinos. Sie waren über einen Verleih
jedermann zugänglich.
1939 finanzierte der Reichskolonialbund eine Farbfilm Expedition des baltischen Ehepaars
Erna und Helmut Blenck, die die ersten Farbaufnahmen auf Kodak-Material der ehemaligen
Kolonien Ost- und Südwestafrika nach Europa brachten. Die Aufnahmen fanden im Band
"Afrika in Farben" (München 1941) ihren Niederschlag und sind, wahrscheinlich
nur teilweise, in der Bildsammlung als Dias vorhanden.
1943 wurde der Reichskolonialbund innerhalb kürzester Zeit aufgelöst, die Bibliothek und
die Bildsammlung wurden in Kartons verpackt und in einem Salzbergwerk in Thüringen
eingelagert. Schon hier kann die Sammlung nicht mehr vollständig gewesen sein, denn die
ausgeliehenen Teile waren nicht zurückgefordert worden. Weitere Verluste sind durch diese
Lagerung und die spätere Bergung durch amerikanische Truppen entstanden. Zusammen mit der
ca. 15.000 Bände umfassenden " Deutschen Kolonialbibliothek" wurde die
Bildsammlung Anfang der 60er Jahre an die Stadt- und Universitätsbibliothek
Frankfurt/Main übergeben, die die Bilder als Dauerleihgabe an das bekannte
Frobenius-Instiut weitergab. Hier lagert nun die Sammlung, bisher nur Insidern bekannt, in
ihrer alten Verpackung, unsortiert und nicht mehr zugänglich.
Als zwei Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Namibia Imre J. Demhardt und Uwe Jäschke,
Mitte 1990 auf der Suche nach Bildmaterial für ihre historisch - geographischen
Dissertationen über das "alte" Südwestafrika im Bestand der Kolonialbibliothek
suchten erfuhren sie durch Zufall von der Existenz einiger Photodokumente - der
Bildsammlung der DKG - im Frobenius-Instiut. Sie erhielten die Erlaubnis die Sammlung zu
sichten. Das Ergebnis war für sie überwältigend und deprimierend zugleich. |
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Die
Bildsammlung
Auf einem altem Tisch, einem Regal und in zwei Rollschränken lagerten hunderte von grauen
und braunen Pappkartons beschriftet mit einem Nummernsystem und den Namen der ehemaligen
deutschen Kolonien. Eine kurze Überprüfung der in vergilbten Pergaminhüllen oder
Zeitungspapier verpackten Glasplatten zeigte daß Kastenaufschrift und Kasteninhalt nicht
übereinstimmten. Hektographierte Bildbeschreibungen als Platzhalter zwischen den
Glasplatten zeigten, daß nicht alle Teile der Sammlung vorhanden waren. Einige Kästen
enthielten Kleinbildfilme mit Aufnahmen der Schutztruppen mit Postkarten aus den Kolonien
oder mit Privataufnahmen von Reisen in die Kolonien andere Stapel von Papierabzügen
reproduzierten Karten und Diagrammen.
Hier war guter Rat teuer. Mehrere Wochen intensiver Arbeit mit einem Laptop waren nötig
um Anzahl und Inhalt der Bilder in den Kästen aufzunehmen und thematisch grob zu
sortieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in Tab.1 festgehalten. Mit ca. 30.000 Aufnahmen,
davon allein über 4.000 aus Südwestafrika ist diese Sammlung eine einzigartige
Dokumentation kolonialer und postkolonialer Zeit.
Tab.1: Vorläufige
Übersicht der regionalen Zusammensetzung des
Bildbestandes der Deutschen
Kolonialgesellschaft
| Region |
Bilder |
1. Deutschland
(Geschichte der Kolonialbewegung) |
3.576 |
| 2. Deutsche Kolonien |
10.028 |
| - Deutsch-Südwestafrika |
5.988 |
| - Deutsch-Ostafrika |
5.940 |
| - Kamerun |
1.689 |
| - Togo |
224 |
| - Pachtgebiet Kiautschou |
185 |
| - Kaiser-Wilhelm-Land und
Südsee |
1.114 |
| 3. Sonstige |
2.207 |
| - Fremde Kolonien in Afrika |
1.530 |
| - Fremde Kolonien in Asien |
236 |
| - Südamerika |
257 |
| - Europa |
184 |
| 4. Noch nicht räumlich zugeordnet |
13.804 |
| SUMME |
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Nachfragen in den
ehemaligen deutschen Kolonien zeigten, daß in diesen Ländern kaum Bildmaterial aus der
deutschen Periode vorliegt. Das Staatsarchiv in Windhoek/Namibia teilte sogar mit, daß
man schon seit längerem versuche, vom Bundesarchiv Kopien solcher Aufnahmen für den
eigenen Bestand zu erhalten, daß die finanziellen Mittel dazu aber fehlten. Nach
Rücksprache mit Mitarbeitern des Bundesarchivs wurde beschlossen daß die
Arbeitsgemeinschaft Namibia am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie der Johann
Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Stadt- und
Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und dem Bundesarchiv (BA) ein "Koloniales
Bildprojekt" mit der Aufgabe der Sicherung der Archivierung und wissenschaftlichen
Erschließung dieser Sammlung ausarbeiten sollte. Dazu wurde der Frankfurter Bestand
sinnvoll durch nicht erschlossene Sammlungen des Bundesarchiv ergänzt. Die Zahl der zu
bearbeitenden Bilder wuchs auf ca. 50.000 Exponate an.
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Ziel des Projektes
Für die Veröffentlichung einer
Sammlung dieses Umfanges sollten folgende Kriterien erfüllt werden:
| - |
dauerhafte Vorhaltung der
Bilder auf geringstmöglichem Raum |
| - |
detaillierte und schnelle
Bildrecherche |
| - |
direkter Zugriff auf Bild- und
Erschließungsdaten |
| - |
hochwertige
Reproduktionsmöglichkeit bei gleichzeitigem |
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Urheberschutz. |
Aus diesen Kriterien wurden die
nachstehenden Aufgaben und Ziele entwickelt:
| - |
Technische Sicherung der
Original - Photographien durch |
| - |
Restauration und
Sicherheitsverfilmung. |
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Wissenschaftliche
Erschließung der Bildsammlungen. |
| - |
Kostengünstige Archivierung,
Bereitstellung und Präsentation |
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der Bilder und ihrer
Erschließungsdaten |
| - |
Veröffentlichung des
Bildmaterials und auszugsweise Übergabe |
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an die vierzehn
Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen |
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Kolonien in Afrika, Asien und
Ozeanien im Rahmen der |
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wissenschaftlich-kulturellen
Entwicklungzusammenarbeit. |
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Nach Prüfung aller
Möglichkeiten der Bildarchivierung, der Berechnung der Sach- und Personalkosten ergab
sich ein Finanzbedarf von ca. 2,5 Mio. DM für einen Zeitraum von 6 Jahren. Auf den ersten
Blick eine gewaltige Summe, auf den zweiten Blick nur DM 50.- pro Bild. Von diesen Kosten
entfallen 20% auf die Sicherung der Bilder, 20% auf Sachkosten zur Archivierung und 60%
auf die Personalkosten für die wissenschaftliche Erschließung.
Alte Bilder - große
Probleme
Bei alten Bildern
spielen zwei Faktoren eine große Rolle: der menschliche Faktor und die Zeit. Wenn jeder
Photograph seine Aufnahmen nach dem Entwickeln richtig beschriften und aufbewahren würde,
wäre auch nach seinem Tod eine Erschließung und Zuordnung seiner Aufnahmen möglich. Bei
den Bildersammlungen der DKG und des BA sollte dies auch die Regel sein, doch die vielen
Nachlässe, die diesen Institutionen vermacht wurden, erfüllen diese Bedingung nicht. Bei
den Bildern der DKG kommt noch der Verlust des Archiv - Begleitmaterials durch die
kriegsmäßige Auslagerung hinzu. So ist der Faktor "menschliche
Unzulänglichkeit" von jeher ein Feind des Archivars und Wissenschaftlers.
Noch schwerwiegender ist der Faktor Zeit. Aufnahmen, die mehr als 50 Jahre alt sind,
leiden nicht nur unter Fett und Staub, sondern auch unter mechanischen und chemischen
Beeinträchtigungen, die zur endgültigen Zerstörung führen können. Die Träger der
Bildinformation können aus den verschiedensten Materialien bestehen, die je nach Stand
der Technik in ihrer Entstehungszeit für bestimmte Arten der Zerstörung anfällig sind.
Ein Teil der Sammlung besteht aus Glasplatten (ca. 14.400) von Format 6x6 cm bis zum
Format 18x24 cm. Glasplatten zeichnen sich durch eine feinkörnige Emulsion und eine gute
Zeichnung aus. Sie sind anfällig gegen Kratzer und Bruch, die Filmemulsion kann auf dem
Glasträger schrumpfen, reißen und sich ablösen. All diese mechanischen Beschädigungen
treten zum Beispiel bei den Platten mit Aufnahmen vom Namakrieg des Obersten der
Schutztruppe Deimling auf. Eine chemische Zerstörung entsteht durch Ausscheidung von
metallischem Silber. Bei den vorhandenen Aufnahmen auf Film (ca. 9.000), vom Kleinbildfilm
bis zum Format 13x18, sind neben Kratzern auf dem Träger Emulsionsschrumpfungen, die das
Trägermaterial verziehen, die häufigsten Beeinträchtigungen. Auch Zersplittern von
sprödem Trägermaterial kann ebenfalls vorkommen. Neben Silberaus- scheidungen wie bei
den Glasplatten ist auch Pilzbefall festzustellen. Ein gutes Beispiel für
Schichtschrumpfung auf Film sind die Privat- aufnahmen des Regierungsgeologen Kuntz
während seiner Kaokoveld - Expedition. Sie liefern dennoch gute Kopien. Als Papierabzug
liegen etwa 7.000 Aufnahmen vor. Neben Schmutz und Vergilben sind hier Knicke und
gerissene Emulsionen. Die häufigsten Dias sind als 9x9 cm Glasplatten, teilweise
handcoloriert, Kleinbild - Farbdias vorhanden. Für die 9x9-Dias gilt das Gleiche wie für
die Glasplatten. Die Kleinbilddias sind in den Farben ausgebleicht, aber noch gut zu
erkennen, und an den Metallteilen der Rahmen angerostet. Der Zustand der Sammlung ist
bedenklich, ca. 2% der Aufnahmen sind verloren. Eine Rettung der Sammlung ist nur durch
die filmtechnische Regeneration, teilweise Restauration und Sicherheitsverfilmung
möglich. Neben der möglichen physischen Zerstörung findet auch mit fortschreitendem
Alter ein inhaltlicher Verlust statt. Zeitzeugen, die aufgrund eigenen Erlebens Aussagen
über den Bildinhalt machen können, sind für den Zeitraum von vor 1920 kaum noch zu
finden. Damit kann dieser Inhalt nicht mit den besten technischen Möglichkeiten gerettet
werden.
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Vom Bild zum Film
Nach der Restauration müssen die
alten Glasplatten, Filme und Papierabzüge verfilmt werden. Auch hier gibt es verschiedene
Möglichkeiten. Es bieten sich die Einzelverfilmung auf großformatigem Planfilm, bei dem
jedes Negativ eine eigene Verpackung benötigt, oder die Serienverfilmung auf
Kleinbildfilm, bei der bis zu 500 Aufnahmen auf eine Rolle kommen, an. Vorteil der
Einzelverfilmung ist die bessere Bildauflösung durch das größere Filmformat, ihr
Nachteil ist der erhöhte Platzbedarf zur Lagerung.
Bei Verfilmung auf Kleinbildfilm nach DIN oder ISO-Normen werden die Eigenschaften der
Planverfilmung bei geringerem Raumbedarf auch erreicht. Die Möglichkeit der schnellen
Kopie des Masterfilmes ist der Vorteil einer Rollenverfilmung. Bei beiden Verfahren ist es
jedoch zwingend erforderlich, daß jedes Bild mit einer Code- oder Schlüsselnummer
versehen wird, damit es jederzeit wieder auffindbar ist.
50 Meter Bild
Bei einer
konventionellen Photosammlung, wie zum Beispiel der Photothek in Dresden oder den Bildern
im Staatsarchiv in Windhoek, werden nun Papierabzüge vom Original angefertigt. Diese
Abzüge, im Format von DIN A6 bis DIN A5, werden auf eine Karteikarte geklebt und mit der
Schlüsselnummer versehen. Auf der Rückseite der Karten stehen die zur Bilddokumentation,
so weit vorhanden, relevanten Daten (Photograph, Zeit, Filmmaterial u.a.) und manchmal
Angaben zur wissenschaftlichen Erschließung. Gleichzeitig wird eine Katalogkarte mit
Schlüsselnummer und Bildkurzbescheibung angefertigt. Der Benutzer sucht nun im Katalog
seine gewünschten Motive heraus und notiert die Schlüsselnummern. Anhand dieser Nummer
sucht das Archiv - Personal die entsprechenden Photo - Karteikarten heraus und legt sie
dem Benutzer vor. Dieser entscheidet sich für einige der Motive und schreibt einen
Bestellzettel. Die Karteikarten werden wieder einsortiert. Der Reprograph der Bildsammlung
sucht nun anhand der Bestellung die gewünschten Originale (manchmal existiert auch eine
Sicherheits- verfilmung) aus dem Lager heraus und fertigt die gewünschten Abzüge an. Ein
personalintensiver Vorgang, der außerdem einen
immensen Lagerraum beansprucht.
Bei einer Sammlung von 50.000 Motiven ergäbe diese Art der Bildverwaltung, bei einer
Karteikartenstärke von einem Millimeter, 50 laufende Meter koloniales Bildmaterial. Es
zeigt sich, daß eine derartige Sammlung bei dem heutigen Raummangel in Bibliotheken und
Archiven und den hohen Personalkosten nicht mehr aufgebaut werden kann. Es mußte eine
kostengünstigere und platzsparendere Methode der Archivierung gefunden werden.
Was ist ein Bild?
Für den Physiker ist
ein Bild "die durch ein optisches System auf einer ebenen Fläche erzeugte, sichtbare
Darstellung von Gegenständen". Für den Informatiker ist ein Bild lediglich eine
Tabelle mit Zeilen und Spalten, in denen die Werte für die Farben (Rot - Gelb - Blau) und
deren Helligkeit eingetragen sind. Je größer die Anzahl der Bildpunkte (Pixel) pro
Zentimeter ist, desto genauer wird die Vorlage in der Tabelle abgebildet. So ist ein Bild
nichts weiter als eine Menge von geordneten Zahlen. Und was ist besser
zur Verwaltung von Zahlen geeignet als ein Computer?
Das Übertragen von analogen Bildern in digitale Abbildungen nennt man Scannen. Dabei wird
die Vorlage mittels eines Scanners zeilenweise abgetastet und gespeichert. Diese digitalen
Informationen können dann von einem Computer weiterverarbeitet werden. So können zum
Beispiel der Kontrast verbessert, Unscharfen beseitigt und Kratzer, Fehlstellen und Knicke
elektronisch getilgt werden. Diese Art der Photoverbesserung stellt hohe ethische
Anforderungen an den Bearbeiter, da auf diese Weise auch der Bildinhalt verfälscht werden
kann. Nach einigen Versuchen auf dem institutseigenen Flachbett - Scanner stellten sich
die ersten Probleme ein. Der Speicherplatz für ein gescanntes Papierbild mit 300 DPI
(Dots per Inch) war sehr hoch, die Qualität des Ausdrucks miserabel. Der Zeiteinsatz pro
Bild dieser Qualität betrug ca. 6 Minuten, das sind bei 50.000 Aufnahmen über 3 Jahre
Arbeitszeit für ein unzureichendes Ergebnis. Recherchen auf dem Markt zeigten, daß es
zwar kommerzielle Bildarchivierungsprogramme gab, daß aber der Hardwarepreis zu hoch lag
und die Daten nur sehr schwer auf andere Systeme zu übertragen waren. Bei einem Einsatz
in den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien war aber ein preiswertes,
einfaches und markteingeführtes System, wie z.B. MSDOS- oder Apple- Computer, notwendig.
Die Lösung war ein System, das für den Amateur Photographen gerade von der Firma Kodak
eingeführt wurde.
Das Kodak -
System
Mit Hilfe der
Computertechnologie waren Still -Video und elektronische Kameras entwickelt worden, die
viele Bilder auf kleinstem Raum speichern können. Die neue Technologie eröffnete auch
neue Möglichkeiten, die Bilder auf dem Computer-Monitor oder dem Fernsehbildschirm
darzustellen. Leider war die Qualität dieser Bilder nicht annähernd so gut wie die der
traditionellen Silberhalogenid-Photographie. Die Firma Kodak fragte sich, warum sollen
Millionen von Amateur- Photographen ihre alte Kamera wegwerfen und sich eine teuere
elektronische Kamera kaufen, wenn der Photo-Finisher ihnen für einen geringen Preis ein
besseres Ergebnis vom herkömmlichen Kleinbildfilm liefern kann?
Das Ergebnis dieser Überlegungen war das Kodak Photo CD System. Es basiert auf einem
Computersystem mit hochauflösendem Scanner zur Digitalisierung von Kleinbildfilmen, einem
Photo CD Writer, der CD's ähnlich der Audio CD beschreibt, und einem Qualitätsdrucker.
Der Arbeitsvorgang ist einfach. Nach der Entwicklung des Kleinbildfilmes wird dieser im
Scanner im Format 3000x2000 Bildpunkte in den Farben rot, grün und blau abgetastet. Das
sind 13 Mio. Werte. Beim Scannen werden Farbbalance und Dichte automatisch reguliert. Im
Computer werden die gescannten Daten
ohne Informationsverlust auf ein Drittel ihrer Größe komprimiert. Mit dem Photo CD
Writer werden die Daten dann mittels Laserstrahl auf eine CD geschrieben und können dann
auf der CD nicht mehr verändert werden. Auf einer CD können 100 Farbaufnahmen
gespeichert werden. Die Wiedergabe der Bildes ist mittels eines Audio -Photo CD Players
auf jedem Femsehgerät oder Computer möglich. Einen Papierabzug kann man mit einem
Qualitäts- Photodrucker erhalten.
Nun ergeben 100 Aufnahmen pro CD bei 50.000 Bildern 500 Photo - CD's. Um diese Anzahl von
CD's in eine PC-Datenbank einzubinden, ist wieder ein hoher technischer Aufwand notwendig.
Dieses Problem
wurde 1992 mit der Katalog CD gelöst. Auf dieser CD können mehrere 1000 Bilder mit
geringer Auflösung gespeichert werden. Diese Katalogbilder haben ausreichende Qualität
für den
Computer-Monitor, können aber nicht für Veröffentlichungen genutzt werden. Dadurch wird
der Urheberschutz gewährleistet. Die Bilder können mit Texten - z.B. einer
wissenschaftlichen Erschließung und
Grafiken in eine Datenbank eingebunden werden. Die Katalog-CD kann in beliebigen Mengen
vervielfältigt und zur Auswahl von Motiven weltweit verteilt werden. Auch sie kann mit
jedem Photo-CD-Player
abgespielt werden. Das Kodak-Photo CD-System ist ein offenes System, d.h. es können
jederzeit und ohne Schwierigkeiten weitere Bildsammlungen unter Wahrung der Urheberrechte
in das Katalog-System integriert werden.
10.000 Bilder in Sekundenschnelle
Nachdem die Möglichkeit
der digitalen Bildspeicherung erkannt worden war, wurde folgendes Konzept für
das Bildprojekt entwickelt.
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Nach der
Restauration der Bilder soll eine Verfilmung auf |
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Kleinbildfilm mit
Codenummern erfolgen.Danach werden die |
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Originale
lichtdicht und stoßsicher verpackt und eingelagert. |
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Der Kleinbildfilm
wird bildweise digitalisiert und auf Photo-CD |
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gespeichert. |
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Von den Bildern in
hoher Auflösung werden stark komprimierte |
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Kopien erstellt,
die auf dem Bildschirm noch gut erkennbar |
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sind, aber nicht
reproduktionsfähig sind. Diese werden auf |
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eine oder mehrere
Katolog-CD's übertragen. Damit bleibt das |
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Urheberrecht und
die Vermarktung desBildmaterials bei den |
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Besitzern. |
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Die Kalalog-CD's
werden mit der wissenschaftlichen |
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Erschließung in
einer Bilddatenbank verknüpft. |
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Die Archive der
Staaten der ehemaligen Kolonien erhalten |
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einen Auszug der
Kopie der Bilddatenbank zur eigenen |
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Verwendung. |
Dieses
kostengünstige und platzsparende System bietet alle Vorteile für einen modernen Archiv-
oder Bibliotheksdienst. Der Benutzer sucht anhand des elektronischen Katalogs seine
gewünschten Motive, die sofort nach der Suche aus der Katalog CD am Bildschirm gezeigt
werden. Nach der Bestätigung der
Auswahl wird die Liste ausgedruckt und dem Photo-Finisher übergeben. Dieser druckt die
gewünschten Aufnahmen direkt von der Photo-CD aus, die Originale und der Sicherheitsfilm
werden nicht mehr benötigt.
Das System bietet aber auch die Möglichkeit, Daten und Bilder für Staaten mit niedrigem
technischen Standard auszudrucken und ein Bildarchiv herkömmlicher Art zu erzeugen. Neben
der kulturellen
Zusammenarbeit mit den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien, die ein starkes
Interesse an diesen Bilddokumenten ihrer kolonialen Vergangenheit gezeigt haben, kann
dieses Projekt auch dem Wissens- und Techniktransfer im Rahmen der technischen
Zusammenarbeit dienen.
Dennoch hat das Gesamtprojekt mit einem Kostenansatz von ca. 2,5 Mill. DM ein Volumen, das
aufgrund der derzeitigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte kaum
finanzierbar ist. Es sind daher Förderungen durch Stiftungen, gemeinnützige
Vereinigungen und Wirtschaftsuntemehmungen dringend notwendig, da durch den
fortschreitenden Verfallsprozeß nicht mehr viel Zeit bleibt.
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