Home


DFG-Projekt
Blau-Taste-Presse-dunkel.gif (595 Byte)
Blau-Taste-Aufsaetze-dunkel.gif (618 Byte)
Blau-Taste-Unterpkt-Linie.gif (167 Byte)

Die Deutsche Kolonialgesellschaft

Die Bildsammlung

Recherche im Bildarchiv

Lexikon

Impressum

 


Home

 

 

 

 


Die Bildsammlung

Neue Presse Frankfurt vom 19.09.1997

FAZ Sonntagszeitung No.12 vom 27.03.1994

Namibia Magazin 1992, Heft 4


Ein Bericht von Uwe U. Jäschke, Namibia Magazin 4/92

Die Bildsammlung der Deutschen Kolonial- gesellschaft (DKG)

50.000 Fotos warten auf ihre Entdeckung

Ein Konzept zur Erhaltung und Erschließung der Bildsammlung der DKG wurde in der Arbeitsgemeinschaft Namibia am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie der Johann Wolfgang Goethe- Universität Frankfurt am Main von Imre J. Demhardt und Uwe U. Jäschke unter der Leitung von Prof. Dr. H. Lamping erarbeitet.

Die Zeit der deutschen Kolonialpolitik und ihrer Kolonialagitatoren endete in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Geblieben sind die unzähligen Bücher, Dokumente und Karten, die mehr oder weniger kritisch an die vermeintlich große Zeit deutscher Weltmachtpolitik erinnern. Gesammelt und archiviert sollten diese Hinterlassen- schaften in den Archiven, Bibliotheken und Museen der wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein. Für die Akten und Dokumente der amtlichen Stellen gilt dies, soweit sie durch die Kriege erhalten geblieben sind, uneingeschränkt durch das
Bundesarchiv mit seinen Archiven in Freiburg, Koblenz und Potsdam. Anders ist das mit ehemals privaten oder halbstaatlichen Sammlungen. Hier fehlten oftmals die Mittel, das überkommene Material sachgerecht zu lagern, zu sichern und wissenschaftlich zu erschließen. Eine dieser Sammlungen ist die Bildsammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) in der Stadt- und Universitäts- bibliothek der Stadt Frankfurt am Main.

 

















 

 




 


Geschichte

Die Geschichte der kolonialen Bildsammlung beginnt schon vor der Gründung der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG). Forscher und Missionare begannen, die Natur und die Menschen in ihrem Wirkungsgebiet mit großformatigen Plattenkameras abzulichten. Mit diesen Aufnahmen, zu Glasdias umkopiert, ergänzten sie schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Vorträge bei den Kolonialgesellschaften. 1891 legte die DKG mit ca. 100 großformatigen Diapositiven den Grundstock für eine eigene Bildsammlung, die seit 1893 planmäßig aktualisiert und erweitert wurde. Zudem vergrößerten Nachlässe von Mitgliedern und Freunden der Kolonialbewegung sowie Sammlungen aus dem amtlichen, kommerziellen und privaten Bereich den Bildbestand. Bald erfolgte auch eine zielgerichtete Bildbeschaffung in Deutschland und in den Kolonien.
Diese Praxis wurde auch nach dem Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg fortgesetzt. Mit der Gleichschaltung der DKG im Reichskolonialbund wurde auch das vorhandene Filmmaterial übernommen. Eine eigens eingerichtete Bildstelle - sie hat sich in der Sammlung selbst verewigt - lagerte und dokumentierte das Bildmaterial. Dabei entstanden auch 6x6 Glasdiareihen für den Einsatz in Kinos. Sie waren über einen Verleih jedermann zugänglich.
1939 finanzierte der Reichskolonialbund eine Farbfilm Expedition des baltischen Ehepaars Erna und Helmut Blenck, die die ersten Farbaufnahmen auf Kodak-Material der ehemaligen Kolonien Ost- und Südwestafrika nach Europa brachten. Die Aufnahmen fanden im Band "Afrika in Farben" (München 1941) ihren Niederschlag und sind, wahrscheinlich nur teilweise, in der Bildsammlung als Dias vorhanden.
1943 wurde der Reichskolonialbund innerhalb kürzester Zeit aufgelöst, die Bibliothek und die Bildsammlung wurden in Kartons verpackt und in einem Salzbergwerk in Thüringen eingelagert. Schon hier kann die Sammlung nicht mehr vollständig gewesen sein, denn die ausgeliehenen Teile waren nicht zurückgefordert worden. Weitere Verluste sind durch diese Lagerung und die spätere Bergung durch amerikanische Truppen entstanden. Zusammen mit der ca. 15.000 Bände umfassenden " Deutschen Kolonialbibliothek" wurde die Bildsammlung Anfang der 60er Jahre an die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main übergeben, die die Bilder als Dauerleihgabe an das bekannte Frobenius-Instiut weitergab. Hier lagert nun die Sammlung, bisher nur Insidern bekannt, in ihrer alten Verpackung, unsortiert und nicht mehr zugänglich.
Als zwei Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Namibia Imre J. Demhardt und Uwe Jäschke, Mitte 1990 auf der Suche nach Bildmaterial für ihre historisch - geographischen Dissertationen über das "alte" Südwestafrika im Bestand der Kolonialbibliothek suchten erfuhren sie durch Zufall von der Existenz einiger Photodokumente - der Bildsammlung der DKG - im Frobenius-Instiut. Sie erhielten die Erlaubnis die Sammlung zu sichten. Das Ergebnis war für sie überwältigend und deprimierend zugleich.

 

 

 

 

 


Die Bildsammlung

Auf einem altem Tisch, einem Regal und in zwei Rollschränken lagerten hunderte von grauen und braunen Pappkartons beschriftet mit einem Nummernsystem und den Namen der ehemaligen deutschen Kolonien. Eine kurze Überprüfung der in vergilbten Pergaminhüllen oder Zeitungspapier verpackten Glasplatten zeigte daß Kastenaufschrift und Kasteninhalt nicht übereinstimmten. Hektographierte Bildbeschreibungen als Platzhalter zwischen den Glasplatten zeigten, daß nicht alle Teile der Sammlung vorhanden waren. Einige Kästen enthielten Kleinbildfilme mit Aufnahmen der Schutztruppen mit Postkarten aus den Kolonien oder mit Privataufnahmen von Reisen in die Kolonien andere Stapel von Papierabzügen reproduzierten Karten und Diagrammen.
Hier war guter Rat teuer. Mehrere Wochen intensiver Arbeit mit einem Laptop waren nötig um Anzahl und Inhalt der Bilder in den Kästen aufzunehmen und thematisch grob zu sortieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in Tab.1 festgehalten. Mit ca. 30.000 Aufnahmen, davon allein über 4.000 aus Südwestafrika ist diese Sammlung eine einzigartige Dokumentation kolonialer und postkolonialer Zeit.

Tab.1: Vorläufige Übersicht der regionalen Zusammensetzung des
          Bildbestandes der Deutschen Kolonialgesellschaft

Region

Bilder

1. Deutschland
    (Geschichte der Kolonialbewegung)
  

3.576

2. Deutsche Kolonien

10.028

    - Deutsch-Südwestafrika

5.988

    - Deutsch-Ostafrika

5.940

    - Kamerun

1.689

    - Togo

224

    - Pachtgebiet Kiautschou

185

    - Kaiser-Wilhelm-Land und Südsee

1.114

3. Sonstige

2.207

    - Fremde Kolonien in Afrika

1.530

    - Fremde Kolonien in Asien

236

    - Südamerika

257

    - Europa

184

4. Noch nicht räumlich zugeordnet

13.804

SUMME  

Nachfragen in den ehemaligen deutschen Kolonien zeigten, daß in diesen Ländern kaum Bildmaterial aus der deutschen Periode vorliegt. Das Staatsarchiv in Windhoek/Namibia teilte sogar mit, daß man schon seit längerem versuche, vom Bundesarchiv Kopien solcher Aufnahmen für den eigenen Bestand zu erhalten, daß die finanziellen Mittel dazu aber fehlten. Nach Rücksprache mit Mitarbeitern des Bundesarchivs wurde beschlossen daß die Arbeitsgemeinschaft Namibia am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und dem Bundesarchiv (BA) ein "Koloniales Bildprojekt" mit der Aufgabe der Sicherung der Archivierung und wissenschaftlichen Erschließung dieser Sammlung ausarbeiten sollte. Dazu wurde der Frankfurter Bestand sinnvoll durch nicht erschlossene Sammlungen des Bundesarchiv ergänzt. Die Zahl der zu bearbeitenden Bilder wuchs auf ca. 50.000 Exponate an.

 

 

 

 


Ziel des Projektes

Für die Veröffentlichung einer Sammlung dieses Umfanges sollten folgende Kriterien erfüllt werden:

- dauerhafte Vorhaltung der Bilder auf geringstmöglichem Raum
- detaillierte und schnelle Bildrecherche
- direkter Zugriff auf Bild- und Erschließungsdaten
- hochwertige Reproduktionsmöglichkeit bei gleichzeitigem
Urheberschutz.

Aus diesen Kriterien wurden die nachstehenden Aufgaben und Ziele entwickelt:

- Technische Sicherung der Original - Photographien durch
- Restauration und Sicherheitsverfilmung.
Wissenschaftliche Erschließung der Bildsammlungen.
- Kostengünstige Archivierung, Bereitstellung und Präsentation
der Bilder und ihrer Erschließungsdaten
- Veröffentlichung des Bildmaterials und auszugsweise Übergabe
an die vierzehn Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen
Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien im Rahmen der
wissenschaftlich-kulturellen Entwicklungzusammenarbeit.

Nach Prüfung aller Möglichkeiten der Bildarchivierung, der Berechnung der Sach- und Personalkosten ergab sich ein Finanzbedarf von ca. 2,5 Mio. DM für einen Zeitraum von 6 Jahren. Auf den ersten Blick eine gewaltige Summe, auf den zweiten Blick nur DM 50.- pro Bild. Von diesen Kosten entfallen 20% auf die Sicherung der Bilder, 20% auf Sachkosten zur Archivierung und 60% auf die Personalkosten für die wissenschaftliche Erschließung.


Alte Bilder - große Probleme
 

Bei alten Bildern spielen zwei Faktoren eine große Rolle: der menschliche Faktor und die Zeit. Wenn jeder Photograph seine Aufnahmen nach dem Entwickeln richtig beschriften und aufbewahren würde, wäre auch nach seinem Tod eine Erschließung und Zuordnung seiner Aufnahmen möglich. Bei den Bildersammlungen der DKG und des BA sollte dies auch die Regel sein, doch die vielen Nachlässe, die diesen Institutionen vermacht wurden, erfüllen diese Bedingung nicht. Bei den Bildern der DKG kommt noch der Verlust des Archiv - Begleitmaterials durch die kriegsmäßige Auslagerung hinzu. So ist der Faktor "menschliche Unzulänglichkeit" von jeher ein Feind des Archivars und Wissenschaftlers.
Noch schwerwiegender ist der Faktor Zeit. Aufnahmen, die mehr als 50 Jahre alt sind, leiden nicht nur unter Fett und Staub, sondern auch unter mechanischen und chemischen Beeinträchtigungen, die zur endgültigen Zerstörung führen können. Die Träger der Bildinformation können aus den verschiedensten Materialien bestehen, die je nach Stand der Technik in ihrer Entstehungszeit für bestimmte Arten der Zerstörung anfällig sind.
Ein Teil der Sammlung besteht aus Glasplatten (ca. 14.400) von Format 6x6 cm bis zum Format 18x24 cm. Glasplatten zeichnen sich durch eine feinkörnige Emulsion und eine gute Zeichnung aus. Sie sind anfällig gegen Kratzer und Bruch, die Filmemulsion kann auf dem Glasträger schrumpfen, reißen und sich ablösen. All diese mechanischen Beschädigungen treten zum Beispiel bei den Platten mit Aufnahmen vom Namakrieg des Obersten der Schutztruppe Deimling auf. Eine chemische Zerstörung entsteht durch Ausscheidung von metallischem Silber. Bei den vorhandenen Aufnahmen auf Film (ca. 9.000), vom Kleinbildfilm bis zum Format 13x18, sind neben Kratzern auf dem Träger Emulsionsschrumpfungen, die das Trägermaterial verziehen, die häufigsten Beeinträchtigungen. Auch Zersplittern von sprödem Trägermaterial kann ebenfalls vorkommen. Neben Silberaus- scheidungen wie bei den Glasplatten ist auch Pilzbefall festzustellen. Ein gutes Beispiel für Schichtschrumpfung auf Film sind die Privat- aufnahmen des Regierungsgeologen Kuntz während seiner Kaokoveld - Expedition. Sie liefern dennoch gute Kopien. Als Papierabzug liegen etwa 7.000 Aufnahmen vor. Neben Schmutz und Vergilben sind hier Knicke und gerissene Emulsionen. Die häufigsten Dias sind als 9x9 cm Glasplatten, teilweise handcoloriert, Kleinbild - Farbdias vorhanden. Für die 9x9-Dias gilt das Gleiche wie für die Glasplatten. Die Kleinbilddias sind in den Farben ausgebleicht, aber noch gut zu erkennen, und an den Metallteilen der Rahmen angerostet. Der Zustand der Sammlung ist bedenklich, ca. 2% der Aufnahmen sind verloren. Eine Rettung der Sammlung ist nur durch die filmtechnische Regeneration, teilweise Restauration und Sicherheitsverfilmung möglich. Neben der möglichen physischen Zerstörung findet auch mit fortschreitendem Alter ein inhaltlicher Verlust statt. Zeitzeugen, die aufgrund eigenen Erlebens Aussagen über den Bildinhalt machen können, sind für den Zeitraum von vor 1920 kaum noch zu finden. Damit kann dieser Inhalt nicht mit den besten technischen Möglichkeiten gerettet werden.


Vom Bild zum Film

Nach der Restauration müssen die alten Glasplatten, Filme und Papierabzüge verfilmt werden. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es bieten sich die Einzelverfilmung auf großformatigem Planfilm, bei dem jedes Negativ eine eigene Verpackung benötigt, oder die Serienverfilmung auf Kleinbildfilm, bei der bis zu 500 Aufnahmen auf eine Rolle kommen, an. Vorteil der Einzelverfilmung ist die bessere Bildauflösung durch das größere Filmformat, ihr Nachteil ist der erhöhte Platzbedarf zur Lagerung.

Bei Verfilmung auf Kleinbildfilm nach DIN oder ISO-Normen werden die Eigenschaften der Planverfilmung bei geringerem Raumbedarf auch erreicht. Die Möglichkeit der schnellen Kopie des Masterfilmes ist der Vorteil einer Rollenverfilmung. Bei beiden Verfahren ist es jedoch zwingend erforderlich, daß jedes Bild mit einer Code- oder Schlüsselnummer versehen wird, damit es jederzeit wieder auffindbar ist.


50 Meter Bild

Bei einer konventionellen Photosammlung, wie zum Beispiel der Photothek in Dresden oder den Bildern im Staatsarchiv in Windhoek, werden nun Papierabzüge vom Original angefertigt. Diese Abzüge, im Format von DIN A6 bis DIN A5, werden auf eine Karteikarte geklebt und mit der Schlüsselnummer versehen. Auf der Rückseite der Karten stehen die zur Bilddokumentation, so weit vorhanden, relevanten Daten (Photograph, Zeit, Filmmaterial u.a.) und manchmal Angaben zur wissenschaftlichen Erschließung. Gleichzeitig wird eine Katalogkarte mit Schlüsselnummer und Bildkurzbescheibung angefertigt. Der Benutzer sucht nun im Katalog seine gewünschten Motive heraus und notiert die Schlüsselnummern. Anhand dieser Nummer sucht das Archiv - Personal die entsprechenden Photo - Karteikarten heraus und legt sie dem Benutzer vor. Dieser entscheidet sich für einige der Motive und schreibt einen Bestellzettel. Die Karteikarten werden wieder einsortiert. Der Reprograph der Bildsammlung sucht nun anhand der Bestellung die gewünschten Originale (manchmal existiert auch eine Sicherheits- verfilmung) aus dem Lager heraus und fertigt die gewünschten Abzüge an. Ein personalintensiver Vorgang, der außerdem einen
immensen Lagerraum beansprucht.

Bei einer Sammlung von 50.000 Motiven ergäbe diese Art der Bildverwaltung, bei einer Karteikartenstärke von einem Millimeter, 50 laufende Meter koloniales Bildmaterial. Es zeigt sich, daß eine derartige Sammlung bei dem heutigen Raummangel in Bibliotheken und Archiven und den hohen Personalkosten nicht mehr aufgebaut werden kann. Es mußte eine kostengünstigere und platzsparendere Methode der Archivierung gefunden werden.


Was ist ein Bild?

Für den Physiker ist ein Bild "die durch ein optisches System auf einer ebenen Fläche erzeugte, sichtbare Darstellung von Gegenständen". Für den Informatiker ist ein Bild lediglich eine Tabelle mit Zeilen und Spalten, in denen die Werte für die Farben (Rot - Gelb - Blau) und deren Helligkeit eingetragen sind. Je größer die Anzahl der Bildpunkte (Pixel) pro Zentimeter ist, desto genauer wird die Vorlage in der Tabelle abgebildet. So ist ein Bild nichts weiter als eine Menge von geordneten Zahlen. Und was ist besser
zur Verwaltung von Zahlen geeignet als ein Computer?

Das Übertragen von analogen Bildern in digitale Abbildungen nennt man Scannen. Dabei wird die Vorlage mittels eines Scanners zeilenweise abgetastet und gespeichert. Diese digitalen Informationen können dann von einem Computer weiterverarbeitet werden. So können zum Beispiel der Kontrast verbessert, Unscharfen beseitigt und Kratzer, Fehlstellen und Knicke elektronisch getilgt werden. Diese Art der Photoverbesserung stellt hohe ethische Anforderungen an den Bearbeiter, da auf diese Weise auch der Bildinhalt verfälscht werden kann. Nach einigen Versuchen auf dem institutseigenen Flachbett - Scanner stellten sich die ersten Probleme ein. Der Speicherplatz für ein gescanntes Papierbild mit 300 DPI (Dots per Inch) war sehr hoch, die Qualität des Ausdrucks miserabel. Der Zeiteinsatz pro Bild dieser Qualität betrug ca. 6 Minuten, das sind bei 50.000 Aufnahmen über 3 Jahre Arbeitszeit für ein unzureichendes Ergebnis. Recherchen auf dem Markt zeigten, daß es zwar kommerzielle Bildarchivierungsprogramme gab, daß aber der Hardwarepreis zu hoch lag und die Daten nur sehr schwer auf andere Systeme zu übertragen waren. Bei einem Einsatz in den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien war aber ein preiswertes, einfaches und markteingeführtes System, wie z.B. MSDOS- oder Apple- Computer, notwendig. Die Lösung war ein System, das für den Amateur Photographen gerade von der Firma Kodak eingeführt wurde.


Das Kodak - System

Mit Hilfe der Computertechnologie waren Still -Video und elektronische Kameras entwickelt worden, die viele Bilder auf kleinstem Raum speichern können. Die neue Technologie eröffnete auch neue Möglichkeiten, die Bilder auf dem Computer-Monitor oder dem Fernsehbildschirm darzustellen. Leider war die Qualität dieser Bilder nicht annähernd so gut wie die der traditionellen Silberhalogenid-Photographie. Die Firma Kodak fragte sich, warum sollen Millionen von Amateur- Photographen ihre alte Kamera wegwerfen und sich eine teuere elektronische Kamera kaufen, wenn der Photo-Finisher ihnen für einen geringen Preis ein besseres Ergebnis vom herkömmlichen Kleinbildfilm liefern kann?

Das Ergebnis dieser Überlegungen war das Kodak Photo CD System. Es basiert auf einem Computersystem mit hochauflösendem Scanner zur Digitalisierung von Kleinbildfilmen, einem Photo CD Writer, der CD's ähnlich der Audio CD beschreibt, und einem Qualitätsdrucker.

Der Arbeitsvorgang ist einfach. Nach der Entwicklung des Kleinbildfilmes wird dieser im Scanner im Format 3000x2000 Bildpunkte in den Farben rot, grün und blau abgetastet. Das sind 13 Mio. Werte. Beim Scannen werden Farbbalance und Dichte automatisch reguliert. Im Computer werden die gescannten Daten
ohne Informationsverlust auf ein Drittel ihrer Größe komprimiert. Mit dem Photo CD Writer werden die Daten dann mittels Laserstrahl auf eine CD geschrieben und können dann auf der CD nicht mehr verändert werden. Auf einer CD können 100 Farbaufnahmen gespeichert werden. Die Wiedergabe der Bildes ist mittels eines Audio -Photo CD Players auf jedem Femsehgerät oder Computer möglich. Einen Papierabzug kann man mit einem Qualitäts- Photodrucker erhalten.

Nun ergeben 100 Aufnahmen pro CD bei 50.000 Bildern 500 Photo - CD's. Um diese Anzahl von CD's in eine PC-Datenbank einzubinden, ist wieder ein hoher technischer Aufwand notwendig. Dieses Problem
wurde 1992 mit der Katalog CD gelöst. Auf dieser CD können mehrere 1000 Bilder mit geringer Auflösung gespeichert werden. Diese Katalogbilder haben ausreichende Qualität für den
Computer-Monitor, können aber nicht für Veröffentlichungen genutzt werden. Dadurch wird der Urheberschutz gewährleistet. Die Bilder können mit Texten - z.B. einer wissenschaftlichen Erschließung und
Grafiken in eine Datenbank eingebunden werden. Die Katalog-CD kann in beliebigen Mengen vervielfältigt und zur Auswahl von Motiven weltweit verteilt werden. Auch sie kann mit jedem Photo-CD-Player
abgespielt werden. Das Kodak-Photo CD-System ist ein offenes System, d.h. es können jederzeit und ohne Schwierigkeiten weitere Bildsammlungen unter Wahrung der Urheberrechte in das Katalog-System integriert werden.


10.000 Bilder in Sekundenschnelle

Nachdem die Möglichkeit der digitalen Bildspeicherung erkannt worden war, wurde folgendes Konzept für
das Bildprojekt entwickelt.

- Nach der Restauration der Bilder soll eine Verfilmung auf
Kleinbildfilm mit Codenummern erfolgen.Danach werden die
Originale lichtdicht und stoßsicher verpackt und eingelagert.
- Der Kleinbildfilm wird bildweise digitalisiert und auf Photo-CD
gespeichert.
- Von den Bildern in hoher Auflösung werden stark komprimierte
Kopien erstellt, die auf dem Bildschirm noch gut erkennbar
sind, aber nicht reproduktionsfähig sind. Diese werden auf
eine oder mehrere Katolog-CD's übertragen. Damit bleibt das
Urheberrecht und die Vermarktung desBildmaterials bei den
Besitzern.
- Die Kalalog-CD's werden mit der wissenschaftlichen
Erschließung in einer Bilddatenbank verknüpft.
- Die Archive der Staaten der ehemaligen Kolonien erhalten
einen Auszug der Kopie der Bilddatenbank zur eigenen
Verwendung.

Dieses kostengünstige und platzsparende System bietet alle Vorteile für einen modernen Archiv- oder Bibliotheksdienst. Der Benutzer sucht anhand des elektronischen Katalogs seine gewünschten Motive, die sofort nach der Suche aus der Katalog CD am Bildschirm gezeigt werden. Nach der Bestätigung der
Auswahl wird die Liste ausgedruckt und dem Photo-Finisher übergeben. Dieser druckt die gewünschten Aufnahmen direkt von der Photo-CD aus, die Originale und der Sicherheitsfilm werden nicht mehr benötigt.

Das System bietet aber auch die Möglichkeit, Daten und Bilder für Staaten mit niedrigem technischen Standard auszudrucken und ein Bildarchiv herkömmlicher Art zu erzeugen. Neben der kulturellen
Zusammenarbeit mit den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien, die ein starkes Interesse an diesen Bilddokumenten ihrer kolonialen Vergangenheit gezeigt haben, kann dieses Projekt auch dem Wissens- und Techniktransfer im Rahmen der technischen Zusammenarbeit dienen.

Dennoch hat das Gesamtprojekt mit einem Kostenansatz von ca. 2,5 Mill. DM ein Volumen, das aufgrund der derzeitigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte kaum finanzierbar ist. Es sind daher Förderungen durch Stiftungen, gemeinnützige Vereinigungen und Wirtschaftsuntemehmungen dringend notwendig, da durch den fortschreitenden Verfallsprozeß nicht mehr viel Zeit bleibt.