Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 313 f.

Deutsche Südseephosphat-Aktiengesellschaft in Bremen. Auf Grund einer Verständigung mit der deutschen Reichsregierung wurde im Jahre 1907 durch den Norddeutschen Lloyd und die Deutsche Nationalbank in Bremen, sowie die Tellus-A.-G. für Bergbau und Hüttenindustrie in Frankfurt a. M. und Wilhelm Müller & Co. in Rotterdam ein Syndikat gebildet, das sich die Erforschung der Südseeinseln auf das Vorkommen von Mineralien, insbesondere Phosphaten (s.d.), zur Aufgabe stellte. Die zu diesem Zwecke unter der Führung des Regierungsbaumeisters a.D. Schönian entsandte Expedition stellte auf verschiedenen Inseln Phosphatvorkommen fest, doch wurden abbauwürdige Lager nur auf den Inseln Angaur und Feis vorgefunden. Angaur (s.d.) ist die südlichste Insel der Palauinseln und liegt ca. 265 Seemeilen südwestlich von Jap, der nächsten Kabelstation und dem Hauptorte der Westkarolinen. Die Mächtigkeit der Lager daselbst wird auf rund 3000000 t geschätzt. Auf Feis (Fais [s.d.]), einer zu den Westkarolinen und östlich von Jap gelegenen Insel sollen rund 250000 t Phosphat lagern. Das Syndikat ließ sich von der Reichskolonialverwaltung die Abbaurechte für diese beiden Inseln erteilen und übertrug sodann die Sonderberechtigung für Angaur auf die von ihr unter dem 18. Mai 1908 gegründete deutsche S.-A.-G. in Bremen. - Diese Gesellschaft ist mit einem Kapital von 4 1/2 Mill. M ausgestattet worden, eingeteilt in 9 Serien von je 500000 M und diese wiederum eingeteilt in je 500 Aktien zu je 1000 M. Von dem 4 1/2 Mill. M betragenden Aktienkapital wurden 4 Mill. M gegen bar ausgegeben und 1/2 Mill. M vollgezahlte Aktien dem Syndikat als Ersatz seiner Auslagen und für das Einbringen der Konzession übergeben. Die Sonderberechtigung ist von der Regierung auf 35 Jahre erteilt und enthält u.a. die Bedingung, daß 1. vom 4. Jahre ab, gerechnet vom Tage der Gründung der Gesellschaft, eine Abgabe von 1,25 M per 1000 kg Phosphat, jedoch mindestens 30000 M pro Jahr zu entrichten sind; 2. an dem nach der Verteilung einer Vordividende von 8 %, verbleibenden Überschuß der Fiskus mit 40 % während der ersten 25 Jahre, 50 %, vom 26. bis 30. Jahre und 60 % vom 31. bis 35. Jahre beteiligt bleibt. Die Qualität des Phosphates ist eine hervorragende und derjenigen des Phosphates der Inseln Ocean-Island und Nauru, die von einer englischen Gesellschaft ausgebeutet werden, ebenbürtig. Die Hauptabmessungen der Insel Angaur sind von Osten nach Westen 3,5 km und von Norden nach Süden 4 km. Die für den Abbau des Phosphates notwendigen Ländereien hat die Regierung erworben und der Gesellschaft während der Vertragsdauer überlassen. Die Gesellschaft hat auf Angaur Anlagen für Europäer, Chinesen und Eingeborene geschaffen und ferner Lagerschuppen sowie Trocken- und Verladeanlagen erbaut. Eine Station für Drahtlose Telegraphie stellt die Verbindung mit der Kabelstation Jap her. Für die Gewinnung und Verarbeitung des Phosphates beschäftigt die Gesellschaft ca. 800 bis 900 Eingeborene, welche mit einem eigenen Dampfer in den Ost- und Westkarolinen angeworben werden. Als Handwerker sind jeweilig ca. 70-90 Chinesen auf Angaur tätig. Da das Phosphat an der Oberfläche liegt, sind Abbau und Gewinnung einfach. Das Phosphat wird wie etwa in der Sandgrube mittels Hacke und Schippe ausgegraben. Alsdann wird das Phosphat, um ihm einen Teil seines natürlichen Wassers zu entziehen, gelagert und schließlich in Trockenöfen an Ort und Stelle noch völlig getrocknet. Als Heizmaterial werden Kohlen verwendet. Nachdem das Phosphat getrocknet ist, ist es fertig zur Verschiffung. Die Verladung erfolgt durch mechanische Verladeanlagen, die eine Leistungsfähigkeit von ca. 400-500 t pro Stunde haben. Die ersten Jahre sind Baujahre gewesen. Jetzt ist die Anlage ausgebaut, und man kann nun mit einer Verschiffung von ca. 100000 t pro Jahr rechnen. Die Produktion betrug im Jahre 1912 ca. 60000, 1913 ca. 90000, 1914 ca. 100000 t. Die Gesellschaft zahlte erstmalig für das Geschäftsjahr 1912 eine Dividende von 6 %. Für 1913 hat die Gesellschaft eine Dividende von 11 % ausgeschüttet. Das Geschäftsjahr fällt mit dem Kalenderjahr zusammen.

Krauß.