Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 144

Kaiserin-Augustafluß oder Sepik (dazu Karte u. Tafel 30, 180), der größte Strom des Kaiser-Wilhelmslandes (Deutsch-Neuguinea), 1885 von O. Finsch (s.d.) entdeckt und benannt, zuerst 1886 von Eduard Dallmann eine kurze Strecke weit befahren, dann vom Frhrn. v. Schleinitz (s.d.) mit C. Schrader (s.d.) bis 4° 16' s. Br. und 141° 50' ö. L., worauf 1887 C. Schrader, M. Hollrung (s.d.) und C. Schneider eine längere Expedition nach dem K.-A. unternahmen und erst bei Tzenap (4°17' s. Br. und 142° 16' ö. L.), dann bei Malo (4°12,4' s. Br. und 142° 54' ö. L.) ihr Lager bezogen. 1890 befuhr H. C. Bluntschli, 1906 E. Krauss, 1908 G. A. Dorsay, später Full und Friederici (s.d.), 1909 die Hamburger Südsee- Expedition (s.d.), später das deutsche Kriegsschiff "Cormoran", 1910 das niederländische Kriegsschiff "Edi" mit dem kleinen Dampfer "Pionier" den Fluß, worauf die deutschniederländische Grenzexpedition am 10. Sept. 1910 in den Strom einlief. In 141° 12' ö. L. und 4° 4' s. Br. wurde das Hauptlager derselben errichtet und am 12. Okt. ein Vorstoß nach dem Oberlauf unternommen, wobei die Borneodajaks auf ihren Einbaumruderbooten ausgezeichnete Dienste leisteten. Unter 4° 49' s. Br. und 141° 15' ö. L. zwangen am 30. Okt. die Stromschnellen zum Halt; während die niederländische Expedition einen Ausflug auf dem westlichen Zufluß unternahm, erstieg die deutsche Expedition unter Professor L. Schultze (s.d.) einen Berggipfel von 1570 m, wo sie vom 3. bis 13. November weilte, bis klares Wetter eintrat und einen Blick auf das im Süden und Südwesten sich ausbreitende Schneegebirge gestattete, dessen höchsten Gipfel (Julianaspitze) wahrscheinlich Hellwig 1909 von Süden her erblickt hatte. Die Quelle des Sepik, der nunmehr auf 960 km Länge aufgenommen ist, dürfte südöstlich im Viktor-Emanuelgebirge liegen. - Da der K.-A. auf etwa 700 km für größere Fahrzeuge schiffbar ist, und in der Zukunft als Verkehrsweg eine große Rolle zu spielen berufen sein dürfte, so fuhr 1912 eine vielgliedrige Expedition unter Leitung von Bergassessor Stolle (s.d.) mit Dr.W. Behrmann als Geographen den Fluß hinauf, um die Umgebungen desselben systematisch zu erforschen. Es gelang Dr. Behrmann, einige große, südliche Nebenflüsse weit hinauf aufzunehmen (Aprilfluß, Leonhardt-Schultze- Fluß, Frida-Fluß, Maifluß, Südfluß, Dörferfluß und Töpferfluß), die geologischen, morphologischen und hydrographischen Verhältnisse der Umgebungen vielfach aufzuklären und die Hauptwasserscheide in 1720 m unter 4° 51' s. Br. und 142° 40' ö. L. zu erreichen. Bemerkenswert ist, daß die Quellen des Töpferflusses dem Ramu sehr nahe kommen. - Der K.-A., der nur auf eine kurze Strecke in seinem Oberlaufe den 141° ö. L. überschreitet und damit auf niederländisches Gebiet übergeht, fließt in seinem Mittel- und Unterlaufe durch eine breite Talebene, die offenbar nach Norden hin sich sehr weit ausdehnt. Sie wird bei Hochwasser weithin überschwemmt, und nicht selten täuscht ein Altwasser oder eine zeitweilig überschwemmte Fläche eine Flußmündung vor. Tatsächlich sind im Mittellauf bisher nur die oben genannten bedeutenden Nebenflüsse auf der Südseite nachgewiesen worden, während von Norden her kein einziger großer Nebenfluß einzumünden scheint. Der Fluß strömt, wie seine großen Nebenflüsse, in zahlreichen Mäanderwindungen dahin und besitzt bis in große Entfernung vom Meere noch beträchtliche Tiefe, die freilich mit den Jahreszeiten stark wechselt. Die Umgebungen des Flusses sind vielfach sumpfig. Deutsche Seekarte Nr. 518 im Maßstab 1: 100 000. Vorläufige Karte von Behrmann in Ztschr. Ges. 1. Erdk. Berlin 1913. S. 717.

Sapper.