| Lindi, der südöstlichste Bezirk Deutsch-Ostafrikas, genannt
nach dem Hauptort, ferner apostolisches Vikariat.
- 1. Der Ort L. liegt an der Nordseite der Mündung des Lukuledi (s.d.),
eines kleinen Flusses, der sich schon 20 km oberhalb zu einem Creek
(s.d.) erweitert hat. Dieser Creek (s. Tafel 86) wird auch Lindifluß genannt. Er hat bei L. fast 1 km
Breite;
hier birgt er eine 400 m breite Rinne, die nirgends unter 10 m tief ist.
Diese Rinne aber wird durch eine Barre, die bei Niederwasser nur 5 m
Tiefe
hat, gegen die L.-Bucht abgeschlossen, so daß größere Schiffe nur bei
Hochwasser einlaufen können. - L. ist rings von Kokospalmen umgeben, die
mit Kasuarinen gemischt auch den Strand zieren. 1 km hinter L. erhebt
sich tertiäres Hügelland schnell zu fast 200 m. Etwas geringere Höhen
treten auf dem gegenüberliegenden östlichen Ufer dicht an Creek und
Bucht
heran. Der letzte steile Abfall zum Wasser wird an manchen Stellen durch
pleistozäne Riffkalke gebildet. Das Landschaftsbild ist sehr anmutig.
L. ist Sitz des Bezirksamts, hat ein Hauptzollamt. Die Zahl der
Einwohner
dürfte 4000 betragen. Die 3. Kompagnie der Schutztruppe steht hier. Post
und Telegraph. Apotheke. Die Regenmenge beträgt 865 mm im 14 jähr.
Mittel
(Verteilung über das Jahr s. Tabelle unter Deutsch-Ostafrika
4). Die gegenüberliegende Pflanzung Kitunda, 82 m ü. d. M., hat als wärmste Monate den
Nov. und Dez. mit je 26.8°, als kühlsten den Juli mit 23.6°, als
Jahresmittel
der Temperatur 25.3°. Der Wert der Einfuhr war 1908 1,147 Mill. M, der der Ausfuhr
0,623;
die entsprechenden Zahlen für 1912 sind 1,833 und 2,116. Die Steigerung
(s.a. Mikindani) rührt von der Entwicklung der Pflanzungen her (s.u.). Mehr als die Hälfte der
Einfuhr bestand 1912 aus Textilwaren, demnächst waren Nahrungsmittel
wichtig,
in der Ausfuhr steht Sisal an erster Stelle, demnächst
Plantagenkautschuk;
auch Sesam und Erdnüsse, Wachs und Elfenbein
sind erhebliche Posten, neuerdings kommt Baumwolle hinzu. Der Hafenverkehr wies 1908 an
ankommenden Schiffen 34 Dampfer der Deutsch-Ostafrikalinie und 52 des
Gouvernements mit zusammen 104870 Registertonnen (seither keine
Einzelangaben
mehr für L. veröffentlicht) auf, ferner 304 Dhaus mit 6073 cbm
Rauminhalt.
Die Zahlen für den Dhauverkehr waren 1911 nur noch 131 und 3780. 2. Der
Bezirk L. liegt zwischen Rowuma und Mbemkuru, ist ungefähr 48100 qkm groß. Er umfaßt
außer Nakonde- (s.d.) und Muera
(s.d.)Hochland
noch mehrere kleinere, küstennahe Plateaus, binnenwärts die kleine
Landschaft
der Madjedjeberge (s. Madjedje) und die weiten Flächen des menschenarmen
Mahi (s.d.), auch Makuasteppe
genannt.
An der Küste selbst liegen noch an bedeutenden Orten Mtschinga, Mikindani, Kionga,
Ssudi, im Innern ist Massassi zu nennen (s. diese). Nebenstellen des
Bezirksamts L. liegen außer in den beiden ersteren noch in Newala (s.d.) und Tunduru (s. Mlahi).
- Die Eingeborene Bevölkerung wurde
für Anfang 1913 zu 395500 geschätzt, die nichteingeborene Farbige war 729, die europäische 151 Köpfe stark;
die Bevölkerungsdichte war 8,2. L. ist sehr arm an Vieh. Anfang 1913
waren
70 Stück Rinder, 600 Schafe, 17700 Ziegen im Besitz der Eingeborenen; die
Europäer hatten in 16 Betrieben nur 71, Rinder, 526 Stück Kleinvieh, 56 Schweine. Fast überall in der Nähe der Küste
blühen
im Bezirk jetzt Pflanzungen auf. 1913 waren 6 Pflanzungsgesellschaften
mit 11 Pflanzungen, sowie 14 selbständige Pflanzer im Bezirk tätig. Das
Gesamtareal der Pflanzungen betrug 1908 150 qkm, davon waren 42 bebaut.
In den vier Jahren 1909/12 wurden 21 Verkäufe und 19 Verpachtungen vom
Gouvernement ausgeführt, die sich auf Flächen
von 16,6 und 124,2 qkm bezogen. Es werden hauptsächlich angepflanzt
Sisal,
Manihot-Kautschuk, Kokospalmen (besonders
im Süden), Baumwolle. Die leidlich sicheren Regenverhältnisse des
kontinentalen
Passatklimas sind diesen Unternehmungen günstig (s. Deutsch-Ostafrika
4). Karten: Lindi-Bucht bis Kap Delgado, 1: 150 000, D. Admiral.-K. Nr. 131, 1897.
- Lindi-Bucht, 1:25000 mit Plan: Lindi, 1:5000, ebenda Nr. 125,1911. -S.
auch Mikindani, Mtschinga. Uhlig.
3. Das apostolische Vikariat L. der Benediktus-Missionsgenossenschaft
im südlichsten Teile Deutsch-Ostafrikas vom Meere bis zum Tanganjikasee,
1913 errichtet, zählt die Hauptstationen Lindi, Namupa, Ndanda, Lukuledi im östlichen und Peramiho und Kigonsera im westlichen Teile.
Schmidlin. |