Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 638 ff.

Vulkan (s. Tafel 75, 141, 150). Unter einem V. kann man jedes selbständige Formengebilde verstehen, welches durch das zur Erdoberfläche aufgestiegene Magma oder durch explosiv vom Magma freigewordene, bis zur Atmosphäre gelangte Gasmassen geschaffen worden ist. Die Formengebilde können sehr verschiedenartig sein: Flächen, Vertiefungen, Erhebungen; das Wesentliche ist das Vorhandensein eines Verbindungskanals vom Magmaherd bis zur Oberfläche. Als Vater aller vulkanischen Vorgänge ist das Magma zu betrachten, eine gasdurchtränkte, silikatische Schmelzmasse, die in unbekannten Tiefen der Erdkruste ihren Sitz hat und durch sehr hohe Temperaturen ausgezeichnet ist. Ob dies Magma in zusammenhängender Schicht den ganzen inneren Erdkern umgibt, oder ob nur mehr oder minder große Ansammlungen dieses Schmelzflusses in begrenzten Räumen vorhanden sind, wissen wir nicht. Dagegen wissen wir durch Untersuchung der geförderten vulkanischen Gesteine, daß dieselben unter sich manchmal auf weite Strecken hin doch, trotz vielerlei Unterschieden im einzelnen, stoffliche Verwandtschaft zeigen; soweit als diese Verwandtschaft in den Eruptivgesteinen der Oberfläche erkennbar ist (petrographische Provinz), muß mindestens auch im Erdinnern die Ausdehnung der zugehörigen Magmakammer oder -schliere reichen. Was das Magma zum Aufsteigen bringt, ist uns noch unbekannt; die Beobachtung aber, daß V. und vulkanische Gesteinsmassen hauptsächlich an Faltengebirge (und zwar besonders an die Innenseiten der Bögen, z. B. wahrscheinlich im Gebiet von Neuguinea und Neupommern) oder an Bruchgebiete (so in Kamerun und besonders auffällig in Deutsch - Ostafrika) geknüpft sind, hat zu der Anschauung geführt, daß tektonische Bewegungen der Erdkruste, die durch Schrumpfung der Erdrinde infolge Wärmeverlustes erfolgen sollen, das Magma befreien oder sogar geradezu herausquetschen. Später haben sieh aber die Beobachtungen gehäuft, wonach man annehmen muß, daß das Magma nicht passiv an die Oberfläche gebracht zu werden braucht, sondern auch aktiv sich selbst einen Weg dahin bahnen kann, sei es durch fortgesetzte Explosionen oder durch Aufschmelzen des darüber liegenden Gesteins oder aber durch Abbröckelung desselben infolge der Hitze und nachträgliche Auflösung der herabgestürzten Gesteinsmassen. -Wenn das Magma in die Nähe der Oberfläche kommt, so kann es unter Umständen bereits erkennbare Wirkungen auf diese ausüben; entweder mag es sich zwischen vorhandene Schichten eindrängen und die oben lagernden emportreiben, aufwölben (also Lakkolithberge erzeugen, deren freilich keiner in den Kolonien nachgewiesen ist), oder es können Explosionen in der liefe erfolgen, die das Gestein an der Oberfläche entweder zerrütten oder aber unter Hinterlassung einer schacht-, kesseloder trichterförmigen Vertiefung durchbrechen, wobei die losgerissenen Gesteinsfragmente für sich allein oder mit zerspratztem Magma vermengt in den Schlot zurückfallen, zum Teil auch oft rings um die. Öffnung als Wall sich anhäufen. Diese H ohlformen, deren Grund in vielen Fällen durch Seen ausgefüllt ist, benennt man Maare oder Explosionskrater. Dergleichen Maare sind sowohl in Kamerun als in Deutsch - Ostafrika mehrfach nachgewiesen worden, so in Kamerun der Große und der Kleine Ndüsee, neben manchen, andern, bei denen der Ursprung minder sicher ist, in DeutschOstafrika der Balbal am Meru, der Schwalbenkrater (150 m tief, ca. 500 m Durchmesser), und der Embagai, nahe dem Kerimassi und einige weitere im Tungobeschplateau. Nicht selten sind auch ähnliche Explosionsgebilde, die von seichteren Herden aus gebildet worden sind, an V. und in Kratern; so sind 2 große runde Eruptionsschächte (von 555 und 460 m Durchmesser) in dem großen Graf Götzen - Krater des durch die neue Grenzbestimmung allerdings aufs belgische Gebiet gefallenen Niragongo - V. nördlich vom Kiwusee vorhanden. - Während in vielen Fällen der einmal geschaffene Schlot nicht weiter benutzt wird und von Bruchstücken des Anstehenden und von vulkanischen Lockermassen ausgefüllt bleibt (Tuffmaare), ist in anderen Fällen Lava in ihnen aufgestiegen und darin erstarrt (Lavamaare). In sehr vielen Fällen erfolgen aber häufigere Ausbrüche aus dem einmal geschaffenen Verbindungskanal, und wenn die Lava durch Explosionen zerspratzt wird, so bilden die ausgeworfenen Lockermassen (Sande, Aschen, Lapilli, Schlacken, Bomben, Blöcke) zunächst ringförmige Wälle um die Öffnung herum und bauen sich bei fortdauernden neuen Ausbrüchen allmählich zu steilen Aufschüttungskegeln auf, deren Spitze durch einen Krater abgestumpft ist. Ein Beispiel eines solchen Locker- oder Tuff - V. ist der steile Lengai in Deutsch - Ostafrika, der noch immer Zeichen der Tätigkeit aufweist. In sehr vielen Fällen kommt neben explovisen Ausbrüchen aber auch ruhigeres Ausfließen von Lava vor, sei es daß diese im Krater aufsteigt, denselben schließlich ausfüllt und an der tiefsten Stelle seiner Umwallung ausfließt, wie das häufig auf Savai'i (Samoa) beim Matavanu - Ausbruch, 1905 und 1906, erfolgt ist, oder daß an irgendeiner Stelle der Hänge die Lava heraustritt und bergabwärts als Lavastrom abfließt, wie z. B. am 27./28. Juni 1887 am Manam (Deutsch- Neuguinea). Die Lavaströme und die bei Flankenausbrüchen zu ihnen hinführenden Gänge verfestigen das Gefüge eines V. Man nennt derartige, teils aus Lockermassen, teils aus Lavaströmen und Gängen aufgebaute V. Strato- V. oder gemischte V. Sie sind in den afrikanischen Kolonien weit verbreitet, herrschen aber noch mehr in Deutsch-Melanesien und den Marianen vor. Wenn an V. Flankenausbrüche erfolgen, so findet aber häufig kein ruhiges Ausfließen der Lava statt, sondern oft treten auch kleine explosive Ausbrüche auf, bei denen Schlackenwälle oder Schlacken- und Aschenkegel aufgeschüttet werden. Derartige parasitische Kegelchen findet man zahlreich an den Hängen oder am Fuß von V.en, so vielfach in Kamerun und in Deutsch-Ostatrika, zum Teil aber auch in der deutschen Südsee. In den letzten Jahren ist am Namlagira mehrfach die Bildung parasitischer Kegelchen neben starkem Lavaerguß erfolgt, so im Mai 1904 (Adolf - Friedrich - Kegel) am Südwestfuß, im Juli 1905 (Kanamaharage) am Ostfuß, und 4. Dez. 1912 bis 2. Jan. 1913 wieder am Südwestfuß. - V., bei denen der explosive Ausbruchstypus vorherrscht, wachsen zwar vielfach durch neue Aufschüttungen in die Höhe; aber gelegentlich auftretende starke Explosionen sprengen auch wohl größere oder kleinere Teile des Kegels weg und können dadurch den Berg plötzlich ganz bedeutend erniedrigen. Das bedeutsamste derartige Ereignis in den deutschen Kolonien war der Ausbruch der Ritterinsel (Deutsch - Neuguinea). Dieser Insel - V., der Ende März 1700 von Dampier, am 29. Juni 1793 von d'E ntrecasteaux tätig gesehen wurde (beide Male sowohl explosive Ausbrüche als Lavastromerguß), wurde 1827 von Dumont D'Urville als 780 m hoher Kegel gefunden. Auch v. Schleinitz bildete ihn noch als steilen Kegel ab. Nachdem er aber schon 1887 lebhaft tätig gewesen war, erfolgte am 13. März 1888 etwa 5 1/2 Uhr morgens eine gewaltige Explosion, die eine bedeutende Flutwelle hervorrief und die Gestalt des Vulkans völlig veränderte, indem nur noch ein 80 - 100 in hoher, halbkreisförmiger Krater übrig blieb. - Während in diesem Falle die Trümmer des Berges im Meere verschwunden sind, sieht man auf der Ostabdachung des Meru in Deutsch-Ostafrika mehrere Kubikkilometer betragende Steinmassen in unregelmäßigen Hügelketten, zwischen denen zahlreiche Seen liegen, ausgebreitet: offenbar die Überreste der östlichen Calderawand des Meru, die durch gewaltige Explosionen gesprengt und hinabgestürzt wurden. Während bei vielen Vulkanen der explosive Ausbruchstypus vorherrscht und demgemäß hauptsächlich lockere Auswürflinge den Berg aufbauen, wiegt in anderen Fällen der effusive Typus vor, d.h. das ziemlich ruhige Ausfließen von Lava. Erfolgt der Ausfluß dünnflüssiger Lava aus langen Spalten, so bilden sich mehr oder minder ebenflächige oder leicht geneigte Lavadecken aus, wie solche in Kamerun und Deutsch - Ostafrika vielfach vorkommen. Erfolgt der Ausfluß dünnflüssiger Lava aus einer nicht durch große Längserstreckung ausgezeichneten, durch Explosionen oder durch Aufschmelzung von unten her gebildeten Ausflußstelle, so entsteht bei häufig wiederholtem Überfließen ein flachschildförmiger, aus einzelnen Lavabänken oder Lavaströmen aufgebauter V., ein Schild - V., wie solche in Deutsch - Ostafrika im Hochland der Riesenkrater zahlreich vorkommen, meist durchaus aus Laven aufgebaut, zuweilen aber auch Tuffzwischenlagen zeigend (Elanairobi und Lemagrut). Auch der gemeinsame Unterbau des Kibo und Mawensi (Kilimandscharo) ist nach Hans Meyer als Schild -V. aufzufassen. Wenn die ausfließenden Laven minder dünnflüssig sind, so können kuppelförmige V.berge entstehen (Kibo). Wenn die Lava in den V.schlot nach dem Aufhören der Erregung zurücksinkt, so entsteht in der betreffenden Gegend eine schachtförmige Vertiefung, ein Rücksinkungskrater, von vielen V.forschern als "Caldera" bezeichnet. Diese Kraterschächte, die oft sehr steile oder selbst senkrechte Innenwände haben, erreichen zuweilen sehr bedeutende Dimensionen, ganz besonders in dem von F. Jäger genauer erforschten Hochland der Riesenkrater in Deutsch - Ostafrika, wo der Ngorongoro einen Krater von 22 x 17 km Durchmesser aufweist. Zuweilen bleibt die dünnflüssige Lava auch lange Zeit im Kraterschacht stehen und zeigt ein herrliches Spiel von prachtvollen Lavafontänen, einer machtvollen Lavabrandung und einer eigenartigen Fließbewegung, die einen oder mehrere Lavaflüsse inmitten des feuerflüssigen Sees nach einer oder mehreren grottenartigen Vertiefungen der Seitenwände hintreibt. Ein solcher feurigflüssiger Lavasee befand sich 1905/1911 in dem im August 1905 entstandenen Krater des Matavanu auf Savai'i (Samoa); ein lange Zeit deutlich hervortretender Lavafluß ergoß sich in eine (oder zeitweise 2) Lavahöhlen (im NW und N) und setzte offenbar seinen Lauf jenseits des Bergkegels, meist unterirdisch in einem langen Lavatunnel, bis zum Meere fort. Von überwältigender Großartigkeit war das Schauspiel, das der Lavasee des Matavanu bot, namentlich des Nachts, und der Lichtschein, der von ihm ausging, war so groß, daß weithin alles taghell erleuchtet war (besonders bei bedecktem Himmel). Wenn zähflüssige Lava aus einer Öffnung hervortritt, so bildet sie einheitliche rücken-, dom- oder kuppelförmige Berge, die kraterlos bleiben oder höchstens vereinzelte Explosionskrater aufweisen. Das Vorkommen solcher V.dome wird aus Kamerun und Ostafrika berichtet. Die Entstehung der einzelnen V. läßt sich häufig nicht sicher aus der äußeren Form erschließen, und zuweilen kann man nur dann Sicherheit darüber gewinnen, wenn durch Erosion oder Explosionsschächte usw. ein deutlicher Einblick in den inneren Bau gewährt wird. Da nun z.B. die Insel Savai'i sehr jugendlich und durch Erosionsrinnen noch nicht tief hinein zerschnitten ist, so ist es noch nicht klar, ob sie, wie manche annehmen, ein Schild - V. ist, der (ähnlich wie der Mauna Kea auf Hawaii) von zahllosen V.parasiten überdeckt wäre, oder ein vulkanisches Gebirge, d.h. ein vulkanisches Gebiet, in dem zahlreiche Ausbrüche an immer neuen aber benachbarten Punkten erfolgt sind, so daß an Stelle eines einheitlichen V.baus ein Agglomerat von zahlreichen kleineren neben- und übereinander erbauten V.bildungen entsteht, manchmal in einer Weise angeordnet, daß ein mehr oder weniger dom-, rücken- oder schildförmiges Gesamtgebilde entsteht. Da die letzten Ausbrüche, auf Savai'i (um 1690 bei Aopo im Westen, 1902 an 2 Stellen etwa in der Mitte, 1905/11 im Osten der Insel) jeweils an anderem Ort erfolgt sind, scheint letztere Auffassung wohl diskutabel zu sein. - Ein vulkanisches Gebirge stellt auch der große Kamerunberg dar. dessen letzter Ausbruch im Mai 1909 wieder an einer andern Stelle (Okoli, im Nordosten des Gebirges) stattgehabt hat, als der nach Traditionen nicht sehr lange vorher (wohl um 1838) stattgehabte ähnliche Ausbruch des Robert - Meyer - Kraters. Der aufsehenerregende Ausbruch am Kamerunborg 1909 wurde durch zahlreiche, in Buea heftig wirkende Stöße angekündigt, die vom 26. bis 28. April andauerten, feine Risse an Steingebäuden und starke Erdrutsche an Berghängen und Kratern hervorriefen. Am Abend des 28. April bemerkte man zum erstenmal im Norden Feuerschein, und bei bald darauf vorgenommener Untersuchung durch Dr. O. Mann und Bezirksamtmann Kirchhoff stellte sich heraus, daß am Nordosthang des Fako in ca. 2400 m Höhe, etwa 3 km nördlich von dem noch immer Kohlensäure und schweflige Säure aushauchenden Robert - Meyer - Krater, zwischen zwei älteren Kratern sieh ein neuer Krater von 50 -60 m Durchmesser und ca. 70 m Höhe: gebildet hatte, der im Mai alle 2 - 3 Sekunden explosive Ausbrüche hatte und jedesmal unter Donnergetöse Lavafetzen 100, zuweilen 400 - 500 m hoch auswarf. Die Ostseite des Kraters war aufgespalten; ein Spratzlavastrom ging hier in wechselnder Breite (im Maximum mehrere hundert Meter) ca. 4 km weit nach Osten. Im Juni erfolgten die Eruptionen nur noch alle 8 - 10 Minuten; die Schlacken flogen teils senkrecht, teils schräg. Die Lava bildete nun ein 800 - 1000 m breites, 4 km langes Feld mit mehreren abzweigenden Strömen, Der Ausbruch hörte auf, ohne nennenswerten Schaden verursacht zu haben, da er sich auf unbewohnte Gegenden beschränkte. Die zahlreichen Kraterchen des Kamerunberges sind sehr häufig hufeisenförmig gestaltet un d weichen dadurch nicht unwesentlich von der typischen Gestalt der gewöhnlichen Aufschüttungskrater ab. Diese Abweichung der Gestalt erklärt sich in vielen Fällen dadurch, daß Lava an einer Seite ausgebrochen ist und den Kraterwall zerstört hat. In sehr vielen Fällen ist diese Erscheinung aber dadurch zustande gekommen, daß während des Ausbruchs starker Wind geherrscht und. die Auswurfsmassen nach einer Seite geweht hat. Kann es ja doch sogar vorkommen, daß trotz gewaltiger Lockerförderung bei einem großen Ausbruch kein Berg entsteht, sondern nur ein Hohlraum, ein Explosionskrater zurückbleibt, während die Aschen- und Lapillimassen sich deckenförmig über ein ungeheures Gebiet verteilt haben. Der Wind spielt überhaupt eine große Rolle bei Ausbrüchen und kann auf eine Seite eines erumpierenden V.s den ganzen Schaden und die gesamten Absätze konzentrieren. So hat z.B. während des Ausbruchs des Ghaie (Neupommern) im Februar 1878 der damals herrschende NW - Monsun die großen Massen des geförderten Bimssteins in der Hauptsache in den St. - Georgs - Kanal hinausgeblasen, wo sie zwar eine Zeitlang ein Schiffahrtshindernis bildeten, aber sonst keinen großen Schaden verursachten. Sollte sieh in Zukunft ein, Ausbruch wieder zur Zeit des Nordwestmonsuns, also im Nordwinter, einstellen, so wäre die Stadt Rabaul also kaum gefährdet. Wenn aber zur Zeit des Südostpassats, also im Nordsommer, ein explosiver Ausbruch des Ghaie eintreten würde, so muß man erwarten, daß große Massen von Lockermaterial auf Rabaul niederfallen müßten. Diese würden dann wohl großen Schaden verursachen, wenn sie auf flachen Dächern sich ansammeln könnten, bis die Konstruktionen unter dem wachsenden Gewicht zusammenbrechen würden; doch ist diese Gefahr nicht vorhanden, wenn die Dächer steil sind, weil dann die Aschen und Bimssteine von selbst abrollen würden. - In etwas anderer Weise hat sich der Wind auch beim Matavanu - Ausbruch auf Savai'i betätigt. Wohl hat er auch hier die lockeren Auswürflinge nach Westen hin verfrachtet, aber mit ihnen auch die Salzsäuredämpfe, die dem V. entquollen, und die salzhaltigen Wasserdämpfe, die an den Eintrittsstellen der Lava ins Meer sich erhoben; diese Dämpfe haben der Vegetation und den Kulturen erheblichen Schaden zugefügt, wo sie noch in genügender Konzentration hinkamen. Der Wind ist aber nur einer der vielen Faktoren, die auf den Verlauf von Ausbrüchen und die Gestaltung der Gebilde Einfluß ausüben. Noch zahlreiche andere Modifikationen der Bedingungen kommen in Betracht. Wenn z. B., wie häufig in regenreichen Gegenden, die Regenwässer in Kratern sich angesammelt und Kraterseen (s.d.) gebildet haben, so können. explosionsartige Gasaushauchungen nicht unmittelbar in die Atmosphäre erfolgen; es werden dann bei leichten Explosionen Wasser und Schlamm in mächtigen Sprudeln, oder aber in hohen Säulen emporgeschleudert, und bei starken Ausbrüchen wird der ganze See samt seinem Bodenschlamm ausgeschleudert und stürzt dann in Form primärer Schlammströme an, den Außenhängen zu Tal, große Verwüstungen mit sich bringend. Ähnliche Wirkungen könnten auch entstehen, wenn ein Lavastrom über die eis- und schneebedeckten Hänge eines in die Schneeregion hineinragenden V.s flösse, und noch furchtbarer wäre ein Ausbruch unter dem Eise selbst. Doch sind derartige Ereignisse bisher in den deutschen Kolonien nicht vorgekommen. Wohl aber hat man in deren Gebiet schon submarine Ausbrüche beobachtet. So wurde von Lass am 5. Nov. 1861 -auf einer Sandbank, die offenbar das Produkt vulkanischer Tätigkeit war - 5 Meilen nordwestlich von Narage oder Gipps - Insel (Französische Inseln) im Meer eine 45 m hohe Springquelle beobachtet. Besser wenn auch immer noch nicht genügend beobachtet war der submarine Ausbruch in der Blanchebucht (Neupommern), der am 4. Febr. 1878 erfolgte, wenige Stunden vor dem Hauptausbruch des oben erwähnten Ghaie. Nach heftigen Erdbeben, die in der Nacht vom 3. zum 4. Febr. besonders stark waren, traten am Morgen des 4. Febr. 2 Flutwellen auf, die einen großen Teil der Küstenlinie zerstörten. Bald darauf sah man Dampfwolken von der Bucht aufsteigen in einer geraden Linie vom Ghaie bis zur Stelle des submarinen Ausbruchs, der zur Bildung einer neuen Insel (Raluan) führte. Als Mitte Febr. desselben Jahres Brown die neue Insel betrat, bestand sie aus Bimssteinmassen und hartem, vulkanischem Gestein, aus dessen Sprüngen Rauch und Dampf hervorkamen. Das Land stieg langsam vom Nordwestrand bis zur höchsten Erhebung (ca. 21 m) an, wo es fast senkrecht, an einer großen, becherförmigen Vertiefung endete; diese war von kochendem Wasser erfüllt, das durch eine ca. 8 m breite Öffnung ins Meer abfloß. Das Wasser rings um die Insel war bis auf etwa 4 Meilen mehrere Tage lang brühheiß gewesen, so daß die Fische und Schildkröten getötet wurden. Der Insel - V. war 3 oder 4 Tage lang tätig gewesen. Während seiner Bildung waren an benachbarten Stellen der Bucht Senkungen und Hebungen erfolgt. Als G. Brown 1897 die Insel wieder besuchte, war ihre Höhe auf 9 m, ihr Umfang von 3 auf 2 Seemeilen zurückgegangen - wahrscheinlich infolge von Senkung. - Die eigentliche Bildung der Insel ist nicht sichergestellt, da die einen Beobachter von Aufschüttung, die andern von Hebung sprechen. Wahrscheinlich ist die in der Hauptsache aus lockeren Auswurfsmassen aufgebaute Insel submarin gebildet und erst nachträglich gehoben worden, denn ihre flache Gestalt stimmt nicht mit der suba?risch gebildeter Aufschüttungsgebilde überein, wohl aber mit der submarin gebildeter Tuffinseln. Wenn so explosive Lockerausbrüche unterm Wasser ganz besondere Erscheinungen und auch Formgebilde hervorrufen, sind submarine Lavaergüsse, wie es scheint, hinsichtlich der entstehenden Formen nicht wesentlich von suba?rischen verschieden, während natürlich die thermische Einwirkung auf die Umgebung bedeutend sein kann. Auffällig sind aber wieder die geiserartigen Explosionserscheinungen, die, wie am Matavanu 1906/10 zu bemerken war, infolge des Niederstürzens von Lava ins Meer eintreten können. - Manche bedeutsame Formmodifikationen von V.bergen entstehen auch durch Verlegung der Eruptionsachse bei späteren Ausbrüchen, und häufig kommt es vor, daß von dem früheren Krater nur noch ein Rest übrig bleibt, der den jüngeren V. stellenweise, oft fast konzentrisch umgibt (so ist z. B. der Manenguba in Kamerun von dem älteren Elengum teilweise umwallt). - Auf zahlreiche weitere Formmodifikationen kann hier nicht eingegangen werden. - Wenn die vulkanischen Ausbrüche sich beruhigt haben, so erfolgen oft noch lange Aushauchungen von verschiedenartigen Gasen, zuweilen in so großem Maße, daß man weithin sichtbare Rauchsäulen bemerken kann (so z.B. am Balbi und Bangana auf Bougainville 1908). Von V.en, die ansehnliche Gasemanationen besitzen, sagt man, daß sie sich in solfatarischem Zustand befinden (so benannt nach dem viele schweflige Dämpfe aushauchenden V. Solfatara bei Pozzuoli am Golf von Neapel). Solche solfatarische V. sind in den meisten V.gebieten der deutschen Kolonien vertreten. Sehr häufig sind Wasserdämpfe die stark überwiegenden oder die einzigen Gase einer Aushauchungsstelle (Fumarole). Wenn die Exhalationen heißer Dämpfe mit Grundwasser zusammenstoßen, so können sie Heiße Quellen (s.d.) und Geiser (s.d.) bilden. Nähern sich die V. noch mehr der Ruhe, so finden an ihnen oft nur noch Kohlensäureemanationen statt; Stellen, wo diese beträchtlich sind, nennt man Mofetten. Oft ist Kohlensäure auch in Quellen enthalten (Säuerlinge). Die vulkanischen Gebilde sind aber, ob groß oder klein, langsamer oder Rascher wieder der Abtragung und Zerstörung ausgesetzt. Schon gleich nach einem explosiven Ausbruch setzt diese ein: Aschenmassen geraten an steilen Stellen ins Rutschen und hinterlassen furchenartige Vertiefungen auf ihrem Weg; noch viel häufiger aber erzeugen niedergehende Regenmassen (sekundäre) Schlammströme, die große Mengen lockerer Auswürflinge nach abwärts schaffen und im Tiefland oft große Verheerungen anrichten können, wie solche glücklicherweise in unseren Kolonien noch nicht vorgekommen sind. Im Lauf der Zeit arbeitet das fließende Wasser tiefe radiale Furchen und Täler an den V.en heraus, der Wind beteiligt sich neben Insolation, chemischer Verwitterung und sonstigen Faktoren, im Hochgebirge auch Spaltenfrost, an der Zerstörung der V., und sehr energisch greift die Brandung des Meeres die in seinem Bereich liegenden Gebilde an. Während diese zunächst den V.fuß zerstört und rasch Steilabstürze an Stelle gleichmäßig geneigter Hangflächen schafft (z.B. in besonders auffälligem Maße an manchen der nördlichen Marianen- V.), greifen Wind und fließendes Wasser die gesamten Hänge an. Im Enderfolg sind aber alle gleich: sie präparieren die härteren Gesteinsmassen heraus, die viel länger als die Lockermassen erhalten bleiben. In den deutschen Kolonien sind freilich die meisten V. jugendlich und daher von gut erhaltener Form; sehr stark abgetragene Ruinen sind selten; häufig ist aber der Krater durch irgendein tiefes Tal (Barranco) an einer Seite geöffnet worden (so z.B. Oldeani in Deutsch-Ostafrika oder Ghaie auf Neupommern), oder es ist das Meer in den Krater eingedrungen und hat Kraterhäfen gebildet, so z. B. in der Marianeninsel Maug oder auf Garowe (Französische, Inseln): Peterhafen und den großartigen Johann - Albrechthafen. - Groß ist die geographische Bedeutung der V. in der Mehrzahl der deutschen Kolonien. Vor allem sind in der deutschen Südsee zahlreiche Inseln ganz oder fast ausschließlich durch Aufschüttung vulkanischer Massen (Laven oder lockere Auswürflinge) gebildet worden; es ist also in solchen Fällen Landbildung erfolgt, und es sind Stützpunkte für Siedlungen und Verkehr inmitten weiter Wasserwüsten geschaffen worden. Auch V. des festen Landes haben oft durch Lavenergüsse oder Lockeraufschüttungen die Grenzen des Landes weiter hinausgeschoben und damit einen Landgewinn erzeugt - wie erst kürzlich 1905/10 auf Savai'i, wo freilich die Küstengestaltung durch die einfließenden Lavamassen nicht günstig beeinflußt worden ist. V.ausbrüche im Innern des festen Landes schaffen zumeist eine Erhöhung des Bodens, und vielfach ragen die V. so hoch empor, daß sie eine klimatische Gliederung an sich selbst, und, in Gegenden mit einheitlichen, vorherrschenden Winden, auch einen starken Gegensatz zwischen der regenreicheren Luv- und der regenärmeren Leeseite hervorrufen. Besonders stark ist die vertikale Klimagliederung beim Kilimandscharo, der durch seine gewaltige Höhe (6010 m) die Grenze des ewigen Schnees und Eises bedeutend übersteigt. Aber nicht bloß Differenzen des Klimas und der Bodenformen mit all ihren Rückwirkungen auf Pflanzen, Tiere und Menschen schafft die Entstehung von V., sondern zugleich auch eine starke Differenzierung der Bodenbeschaffenheit, die in vielfacher Hinsicht bedeutsam für alle biologischen Verhältnisse ist. So ist die große Wasserdurchlässigkeit der vulkanischen Gesteine und Tuffe ungemein bedeutungsvoll für die Wasserversorgung, die meist recht schwierig ist, und für die Art der möglichen Kulturen; wo aber genügende Feuchtigkeit vorhanden ist oder künstlich zugeführt werden kann und der Boden hinreichend zersetzt ist, da ist häufig außerordentliche Fruchtbarkeit zu beobachten, so daß derartige vulkanische Gebiete von der Besiedlung besonders bevorzugt werden, obgleich die gelegentlich auftretenden Ausbrüche, die weite Strecken für kürzere oder längere Zeit der wirtschaftlichen Ausnutzung ganz entziehen können, und die häufiger sich einstellenden, oft heftigen vulkanischen Beben ein Moment wirtschaftlicher Instabilität in diese Gebiete hineintragen. Wichtig für weite, an sich nicht mehr vulkanische Gebiete ist die Tatsache, daß vulkanische Aschen oft von Winden weithin verfrachtet werden und für die damit bedachten Gebiete geradezu wie Düngung wirken können. Meeresströmungen aber entführen oft Bimssteine und setzen sie an fernen Küsten wieder ab; bei ihrer schweren Zersetzbarkeit tragen Bimssteine aber meist nicht nennenswert zur Fruchtbarkeit der betreffenden Böden bei, können sie aber wohl, wenigstens physikalisch, verbessern. Die jungvulkanischen Gebilde sind in sehr ungleichmäßiger Weise über die deutschen Schutzgebiete verteilt. Kiautschou und Togo sind frei davon; auch Deutsch-Südwestafrika weist keine jungeruptiven Bildungen auf, wohl aber neben älteren Eruptivgesteinsdecken einen alten Porphyrtuff - V. (Geitsegubib oder Großer Brukkaroß nördlich von Berseba). Dagegen sind in Kamerun vulkanische Bildungen außerordentlich häufig. Wenn man absieht von dem (auch bereits auf französischem Boden liegenden) alten Rhyolit - V. Hamis el Hadjer, südlich vom Tsadsee, und einigen mehr isolierten Vorkommen vulkanischer Gesteine im nördlichen Kamerun, kann man mit Passarge 2 V.gebiete in dieser Kolonie unterscheiden: die Ostkameruner V.region von Ngaundere, wo hauptsächlich Basaltdecken auftreten, und die Westkameruner V.region, die sich in der Fortsetzung der Guineainseln in breitem Streifen bis Südamaua (Hochland von Gaschaka), erstrecken und neben Einzel - V. und Maaren Basalt und Trachytdecken, viele kleine Kraterkegel und V.dome und einige mächtige vulkanische Gebirge aufweisen. Während auf dem Hochland auf Basalt Trachyt gefolgt ist, ist beim Kamerunberg der basische Charakter der Förderprodukte bis zur Gegenwart erhalten geblieben. Hat sich auch die Tätigkeit wie es scheint hauptsächlich im Tertiär abgespielt, so ist doch auch die quartäre Tätigkeit nicht gering gewesen; aber nur im Kamerungebirge sind, soweit bekannt, Ausbrüche noch bis in die Gegenwart hinein erfolgt (zuletzt 1909, s. oben; näheres über die vulkanischen Gebilde s. Kamerun, Kamerun berg, Manenguba usw.). - In Deutsch-Ostafrika kann man mit Hans Meyer 3 hauptsächliche V.gebiete unterscheiden, die deutlich in Abhängigkeit von Bruchbildungen der Erdrinde stehen: 1. Das Vulkangebiet im oberen Kondeland, nordwest lich vom Njassasee, das im Rungwe - V. 3175 m erreicht und stellenweise noch heiße Quellen aufweist. 2. Das Gebiet der Virunga- V. (s.d.), das im Muhawura zu 4165 m aufsteigt und das in seinen westlichsten, durch die letzte Grenzfestsetzung freilich bereits außerhalb des deutschen Gebiets liegenden V.bergen Namlagira (3052 m) und Niragongo (3469 m) bis in die jüngste Gegenwart hinein tätig geblieben ist, und 3. das V.gebiet im zentralen Hochland von Deutsch - Ostafrika, das im Kilimandscharo 6010 m, im Meru noch 4630 m Höhe erreicht. Der Formenreichtum der in diesem Vulkangebiet und seinen isolierten Vorposten auftretenden vulkanischen Gebilde ist (nach Jaeger) ungemein groß: flach gewölbte und kegelförmige Lava - V., Strato - V. und steile Aschenkegel, zahlreiche parasitäre und selbständige V.hügel mit und ohne Krater, etliche Maare und ausgedehnte Lava- und Tuffdecken. Recht mannigfaltig sind auch die geförderten Gesteine, ohne daß es bisher möglich gewesen wäre, eine örtliche Gruppierung oder eine allgemein gültige Eruptionsfolge der Laven nachzuweisen. Die meisten Essen des Gebiets sind seit lange untätig, und nur der Meru und der Engai (Lengai) haben bis in die Gegenwart noch leichte Tätigkeitsäußerungen gezeigt. Am Olmoti soll auch eine heiße Quelle vorkommen (s. Deutsch-Ostafrika). - In Deutsch-Neuguinea ist die eruptive Tätigkeit im Tertiär sehr ausgebreitet gewesen und hat im Kaiser - Wilhelmsland, im Bismarckarchipel und seinen Nachbargebieten, in den Salomon-, den Palauinseln und den hohen Karolinen (außer Jap), auch den südlichen Marianen zahlreiche Massen jungeruptiven Gesteins (vorwiegend Andesite) und Tuffe gefördert, die für die Oberflächengestaltung dieser Gebiete sehr bedeutungsvoll geworden sind. Viel enger ist der Bereich der rezenten vulkanischen Tätigkeit. Sie beschränkt sich in Deutsch - Melanesien auf 3 Gebiete: 1. den Neupommernbogen mit seiner westlichen Fortsetzung; 2. das Gebiet der Gazellehalbinsel und 3. das V.gebiet der Salomoninseln, während in Deutsch-Mikronesien nur der Marianenbogen moderne und zum Teil noch tätige V. umfaßt. - Der Neupommernbogen beginnt im Westen mit den dem Kaiser - Wilhelmsland vorlagernden vulkanischen Le Maire- oder Schouteninseln, die nicht nur stellenweise heiße Quellen aufweisen (Kairu), sondern auch (Garnot, Blosseville und Lesson) in historischer Zeit noch tätig gewesen sind (Lesson oder Bäm bis in die jüngste Gegenwart hinein). Die Le Maireinseln gehören einem schmalen Band der Erdkruste an, das gegenüber dem eigentlichen Neupommernbogen etwas nach Norden verschoben ist. Die ersten eigentlichen Glieder desselben, Manam (V.insel) und Karkar sind mehrfach in historischer Zeit bis zur Gegenwart tätig gewesen, während die Kronen- und die Longinsel seit längerer Zeit in Ruhe verblieben zu sein scheinen. Von der Lottininsel wird noch Rauch- und Dampfentwicklung berichtet, die aber auf Ruk fehlt. Dagegen hat sich die kleine Ritterinsel in geschichtlicher Zeit mehrfach durch energische Tätigkeit ausgezeichnet. Mit den beiden V. Belowberg und Hunsteinberg, die beide leichte Emanationen entwickeln sollen, beginnen die V. des eigentlichen Neupommern, die sämtlich der Nordküste folgen. Doch ist Tätigkeit unter all diesen nur vom Vater und Südsohn in historischer Zeit bemerkt worden; auf der Insel Lolobau oder Duportail am Ostende des Bogens sollen in einem Krater ebenfalls noch Dämpfe aufsteigen. - Nahezu senkrecht auf dem Neupommernbogen steht das nordwärts vorspringende, dicht mit V. besetzte Geländeband, welches die Willaumezhalbinsel bildet. Sind von den Vulkanen selbst auch: keine Ausbrüche bekannt geworden, so zeichnet sich doch die Umgebung der Hanambucht durch das Vorkommen einiger Geiser und heißen Quellen, einer Solfatare, eines Schlammsees und mehrerer Schlammvulkane aus, und vom Willaumez- oder Raoulberg ist ebenfalls schon leichte Tätigkeit berichtet worden. - Einige heiße Quellen sind auch auf Naraga, einer der durchaus vulkanischen französischen Inseln, nachgewiesen, und unfern dieser Insel hat (1861) ein unterseeischer Ausbruch stattgefunden (s. oben). Das V.gebiet der Gazellehalbinsel, ein etwa von NW nach SE streichendes, kurzes aber ziemlich breites Band umfassend, beginnt mit dem schönen, ruhenden InselV. Watom und setzt sich in den V. der Gazellehalbinsel fort. Tätig waren in historischer Zeit der Ghaie und die V.insel Raluan (s. oben). - Die Gesteine der beiden V.gebiete sind, soweit bekannt, vorwiegend Andesite, doch sind auch basaltartige Andesite und bimstein- sowie obsidianartige Dazite nachgewiesen. - Von Neumecklenburg kennt man keinerlei Anzeichen noch fortdauernder vulkanischer Tätigkeit, wohl aber sind auf den andesitischen und basaltischen hibernischen Inseln Lir und Anir heiße Quellen (auf letzterer auch ein Geiser - Balamussón -auf ersterer bei Luisehafen Schwefelwasserstoffexhalationen) bekannt. - Die größtenteils jungeruptiven Inseln der Admiralitätsgruppe, die auf Lou und Pom viel Obsidian enthalten, besitzen, soweit bekannt, auch einen zerstörten Strato - V. auf Lou. - Das dritte tätige V.gebiet Deutsch-Melanesiens ist das der Salomoninseln, dem auf Bougainville die tätigen V. Balbi (3100 m) und Bagana (ca. 2000 m) angehören, während der tätige Savo und die durch ansehnliche Solfatarentätigkeit bekannte Insel Narowo (Simbo) den englischen Salomoninseln angehören. - Von dem aus bedeutenden Meerestiefen aufsteigenden Marianenbogen sind nur die nördlichen Glieder (nördlich von Medinilla) rein vulkanisch und dabei sehr jugendlich; einzelne Vulkankegel zeigen noch Äußerungen der Tätigkeit (so der nördliche Kegel von Guguan, ferner der Nord- und Südkegel von Pagan, sowie Assongsong und Urakas, die beide in historischer Zeit ansehnliche Ausbrüche hatten. - Die Samoagruppe ist fast ausschließlich aus vulkanischen (basaltischen) Gesteinen aufgebaut; ihre Tätigkeit in geschichtlicher Zeit hat sich aber - abgesehen von einem weit im Osten erfolgten submarinen Ausbruch im Jahre 1866 - ganz auf die Insel Savai'i beschränkt, wo ums Jahr 1690 und in den Jahren 1905 - 1911 sehr starke effusive, 1902 aber. an 2 benachbarten Stellen leichte explosive und effusive Ausbrüche erfolgt sind (s. oben).

Literatur: a) Allgemeine: C. W. C. Fuchs, Die vulkanischen Erscheinungen der Erde. Leipz. u. Heidelberg 1865, 2. Aufl. 1875. - G. Mercalli, I vulcani attivi della terra. Milano 1907. - K. Schneider, Die vulkanischen Erscheinungen der Erde. Berl. 1911. - F. v. Wolff, Der Vulkanismus L Stuttgart 1913. - b) Spezielle: 1. Ostafrika. Hans Meyer, Der Kilimandjaro. Berl. 1900. - C. Uhlig, Vom Kilimandjaro zum Meru (Ztschr. Ges. f. Erdk., Berl. 1904, S. 627 ff). - F. Fülleborn, Durch das deutsche Njassa- u. Ruwumagebiet. Berl. 1906. - H. Meyer, Deutsch - Ostafrika in: Das deutsche Kolonialreich 1. Leipz. u. Wien 1909. - F. Jaeger, Das Hochland der Riesenkrater, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1911 u. 1913, Erg. - Heft 4 u. 8. - Hans Meyer, Ergebnisse einer Reise durch das Zwischenseengebiet Ostafrikas. 1911, Mitt. a. d. d. Schutzgeb., Erg.-Heit 6. - 2. Kamerun. Ed. A. Esch, Beiträge zur Geologie von Kamerun. Stuttg. 1904. - S. Passarge, Kamerun in: Das deutsche Kolonialreich I. Leipz. u. Wien 1909. - C. Guillemain, Bei träge zur Geologie von Kamerun. 1909. - K.Hassert, Das Kamerungebirge. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1911. - F. F. Thorbecke, Das Manengubahochland. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1911. - 3. Südsee. A. Pflüger, Einige geol. Bemerkungen über den Bismarckarchipel, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1901 S. 113 ff. - ,F. Fritz, Reise nach den nördlichen Marianen, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. X V, 1902 S. 96 ff. - E. Kaiser, Beitr. z. Petrographie u. Geologie, d. d. Südseeingeln (Jahrb. Preuß. geol. Landesans talt, XXIV, 1903 S. 91 ff. - K. L. Hammer, Die geogr. Verbreitung der vulk. Gebilde im Bismarckarchipel u. au/ d. Salomonen. Gießen 1907. - M. Weber, Zur Petrographie der Samoaiwein (Abh. k. bayr. Ak. d. Wiss. II. Kl. XXIV. Bd. II. Abt. S. 289 - 310. - Im. Friedlander, Beiträge zur Geologie der Samoainseln (Ebenda XXIV 1910 S. 509 - 541).

Sapper.