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Ölpalme (s. farbige Tafel
u. Tafel 155, 193). 1.
Verbreitung. 2.
Botanisches. 3. Kultur. 4. Anbau in den Schutzgebieten. 5. Produkte.
1. Verbreitung. Die Ö., Elaeis guineensis L. (Fam. der Palmen) ist die wichtigste Nutzpflanze des
tropischen
Westafrikas. Dort ursprünglich heimisch, ist sie jedenfalls schon
frühzeitig
über den Ozean nach dem westlichen Äquatorial-Amerika gelangt, wo sie
sich z.B. im Mündungsgebiet des Amazonenstroms und in Guyana häufig wild
vorfindet. Die Grenzen ihrer Verbreitung in Afrika Fallen - abgesehen
von einigen, durch die Kultur geschaffenen Exklaven, wie z.B. in
Benguella
- ungefähr mit denen des ehemaligen großen Waldgebietes im westlichen
und zentralen Teile des Kontinents zusammen. (Florenkarte bei Hahn,
Afrika;
Allgem. Länderkunde, 2. Aufl. 1901.) Abgesehen von den kleineren
Kulturexklaven
im Indischen Ozean - Sansibar und Pemba und an der ostafrikanischen Küste - findet die
Ö. ihre Ostgrenze im Nordosten des Tanganjika, wo sie in der Landschaft Urundi nennenswerte Bestände bildet (bei E.
Zimmermann).
Wahrscheinlich ist sie aber erst durch die Araber vom Kongogebiet aus dorthin gelangt. Sie
findet
sich endlich auf den Inseln São Thomé und Fernando Poo. In Kamerun erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet von
der Küste über den Waldgürtel hinaus, mehr oder weniger ausstrahlend,
bis in die Graslandformation und die Parklandschaft.
In jenen Randgebirgen steigt sie bestandbildend bis zu 1450 m Mh.
hinauf;
an der Elfenbeinküste und einigen anderen Plätzen findet sie sich bis
1000 m Mh. (Näheres über die Verbreitung in Kamerun s. Bücher, Reder und
zahlreiche Reiseberichte im KolBl. und in Mitt. a. d. d. Schutzgeb.) Sie
feh1t im geschlossenen, primären Urwald,
unter dessen dichtem Schattendach sie nicht die ihr zusagenden
Existenzbedingungen
findet. Für ihr Gedeihen und ihre Verbreitung in der Wildnis sind die
verschiedensten Faktoren maßgebend (vgl. Busse II, Bücher), unter denen
ihr ausgesprochenes Lichtbedürfnis von besonderer Bedeutung ist. In Togo
beschränkt sich die Verbreitung der Ö. auf den südlichen und mittleren
Teil des Schutzgebiets (s. Gruner, Busse II, Gaisser). In beiden
Kolonien
treffen wir sie wild, verwildert und in Halbkultur, seltener in
Reinkultur
an. Sie ist in den fraglichen Gebieten, soweit die herrschenden
Bedingungen
ihr Gedeihen ermöglichen, der niemals fehlende Begleiter menschlicher
Siedlung, und ihr Vorkommen in größerer Zahl an jetzt menschenleeren
Plätzen
läßt in fast allen Fällen auf ehemalige Besiedlung schließen. Sie steht
entweder in verstreuten Exemplaren im sekundären Urwald oder
gruppenweise
auf verlassenen Farmen oder sie bildet
an Fluß- und Bachläufen und an Abhängen mittlerer Gebirge mehr oder
weniger
dichte schattige Haine. (Abb. bei Busse, Adam, Reder.)
2. Botanisches. Größe und Habitus der Ö. richten sich nach
ihrem Standort.
(Nähere Beschreibung der Pflanze und ihrer Teile bei Chevalier.)
Freistehend
aufgewachsene oder in Alleen gezogene Individuen bilden gedrungenere,
kraftvollere Stämme, als im Walde, im Kampf mit anderen Baumarten um den
Lichtgenuß aufgeschossene Palmen; das Verhältnis zwischen Krone und
Stamm
ist bei ersteren ungleich harmonischer, als bei letzteren, da sich die
Krone bei ungehinderter Luft- und Lichtzufuhr viel voller und weiter
ausladend
entwickelt. Auf freiem Standort wird der säulengerade Stamm
durchschnittlich
etwa 15 m hoch, im Walde schießt er bis über 25 m überschlank in die
Höhe
und erreicht dabei selten über 30 cm Durchmesser, während dieser im
anderen
Falle bis 50 cm mißt. Unmittelbar über dem Erdboden ist der Stamm bis
zu 1 m im Durchmesser verdickt. Er bildet ein nach allen Richtungen
ungemein
weit ausgreifendes Wurzelsystem. Ebenso abhängig von Standort und
Umgebung
wie die Ausbildung des Stammes ist auch die der Blätter, und zwar sowohl
in der Anzahl wie in der Länge. Ausgewachsene Palmen tragen 20-40
Blätter
von 3-5 m Länge mit je 100-160 Paaren von Fiedern; diese sind linear-
lanzettlich,
in der Mitte des Blattes 70-120 cm lang und 3-5 cm breit, im unteren
Drittel
kürzer und breiter. Stiel 30-120 cm lang, 12-20 cm breit, in eine
kräftige
Mittelippe übergehend. Die Ö. ist normalerweise einhäusig, die B1üten
sind eingeschlechtig; dasselbe Individuum trägt männliche und weibliche
Blüten in besonderen Blütenständen (s. Farbige Tafel ; weitere Abb. bei
Adam). Beide entspringen in den Achseln der Blätter. Im Knospenzustand
sind die Blütenstände beiderlei Geschlechts eingeschlossen von einer 10-
30
cm langen Scheide, die in zwei kahnförmige Klappen aufspringt, um die
Blüten hervortreten zu lassen. Die Zahl der von einer Palme im Laufe
eines
Jahres ausgebildeten Blütenstände schwankt je nach Standort, Pflege und
Witterung erheblich; eine gut entwickelte Palme von 10-40 Jahren
produziert
alljährlich 10-15 männliche Blütenstände und 3-10 weibliche (s.a. u.).
Jeder der ersteren besteht aus 100-120 Blütenähren. (Abb. der männlichen
Blüte s. farbige Tafel
Abb. B.) Die weiblichen Blütenstände sind kürzer
gestielt, nahezu kugelförmig, 15-35 cm lang und tragen 100-150
Blütenähren.
Letztere endigen jeweils in einen langen, starken, bräunlichen Dorn. Die
weiblichen Blüten sind viel größer als die männlichen; jede von ihnen
ist getragen von einem, ebenfalls in einen Dorn auslaufenden Stützblatt.
- Diese, mit der Ausbildung der Früchte sich verlängernden und
erhärtenden
Dornen beider Art geben dem Fruchtstande der Ö. ein außerordentlich
charakteristisches
Gepräge (Adam). Jede Ähre bildet 3-30 Früchte aus, im oberen Teil des
Fruchtstandes nur 1-5; zahlreiche Blüten kommen überhaupt nicht zur
vollen
Entwicklung und Befruchtung, und bisweilen sind die Fruchtstände sehr
arm an Früchten (s.u.). Man rechnet gewöhnlich 800-3000 gut entwickelte
Früchte in jedem Fruchtstand (Grenzzahlen für Togo bei Gruner).
(Anordnung
der Fruchtstände in der Krone vgl. Bücher Fig. VI und Soskin Abb. 1.)
Anzahl der Fruchtstände ("Bündel") je nach Alter, Standort, Boden, Klima
und Witterung wechselnd. Wilde, im Sekundärwald aufgewachsene und nie gepflegte
Palmen stehen mit 2-3 gegen gut gepflegte und auf zusagendem Boden
gewachsene
- mit 6-10 Bündeln - weit zurück. (Näheres bei Gruner, Adam, Bücher,
Chevalier.)
Frucht eine zwetschen- oder eiförmige, meist durch gegenseitigen Druck
in der unteren Hälfte unregelmäßig abgeplattete Steinfrucht; 2-6 cm
lang,
1-5 cm dick, 3-20 g, in Ausnahmefällen sogar 25 g schwer. (Abb. von
Früchten
und Samen verschiedener Form und Größe bei Adam, Soskin.) Färbung der
reifen Frucht je nach Varietät und Rasse (s. u.) ganz schwarz oder
schwarzviolett
oder ganz rot (Orange, ziegelrot,
rotbraun)
oder in der oberen Hälfte schwarz, in der unteren rot oder auch seltener
grün. Unter der Oberhaut liegt das gelbliche, von Fasersträngen der
Länge
nach durchzogen, stark ölhaltige Fruchtfleisch (botan. Exokarp) von 1-6
mm Mächtigkeit. Dieses enthält ein gelbes oder rotgelbes Öl, das "Palmöl",
zu 40-55% der frischen Substanz. In der Mitte der Frucht liegt der
eiförmige
oder nahezu kugelige Steinkern, "Palmkern", dessen Größe und Gewicht
ebenso
wechseln wie bei der Frucht; durchschnittlich 15-25 mm lang und 12-16
mm dick. Eine braune bis schwärzliche Steinschale von sehr verschiedener
Dicke - 0,3-4,5 mm - schließt den Samen ein. Im allgemeinen ist die
Steinschale
(botan. Endokarp) so hart und stark, daß man sie nur mit Gewalt
zertrümmern
kann, bei einigen Rassen ("Lisombe" in Kamerun, "Klode" in Togo) jedoch
ganz schwach ausgebildet und leicht schneidbar. Der Same, von einer
zarten
braunen Haut umgeben, ist durchschnittlich 12-22 mm lang und 8-12 mm
dick,
innen rein weiß oder gelblichweiß. Gewöhnlich wird nur ein Same
ausgebildet;
5-10% der Früchte enthalten deren 2, ein geringer Prozentsatz 3. In
seltenen
Fällen (Gruner) kommen sogar 4 Samen vor. Der Same enthält zu 46-55% ein
farbloses oder schwach gelbliches, vom Palmöl chemisch und physikalisch
verschiedenes Öl, das "Palmkernöl". Varietäten. Wie gesagt, wechselt mit
dem Standort auch der äußere Gesamtcharakter der Ö.; im einzelnen
ergeben
sich mehr oder weniger erhebliche Unterschiede in Größe und Gewicht der
Fruchtstände, der Früchte und Samen, Zahl und Färbung der Früchte,
Mächtigkeit
und Ölgehalt des Fruchtfleisches, Dicke der Steinschale usw. Das hat zur
Aufstellung verschiedener Varietäten, Rassen und Formen der Art geführt
(s. Gruner, Adam, Kew Bulletin 1990, Chevalier). Wie weit die Charaktere
der einzelnen Typen Produkte des Standortes, der Kultur oder mangelnder
Pflege usw. darstellen, wie weit die einzelnen Varietäten bei
fortgesetztem
Anbau formbeständig sind, bleibt noch festzustellen. Auch im übrigen
bietet
die Ö. der wissenschaftlichen Forschung noch ein weites Arbeitsfeld dar.
3. Kultur. Anbau (vgl. Gruner, Adam, Chevalier). Die
regelrechte
Kultur der Ö. ist - abgesehen von vereinzelten älteren Anlagen in
Niederländisch-Indien
und Südamerika - so jungen Datums, daß von nur einigermaßen
ausreichenden
Erfahrungen noch nicht die Rede sein kann (bezügl. Dahomés: Adam,
Chevalier).
Die Technik des Anbaus lehnt sich indessen im wesentlichen an die der
Kokoskultur (s. Kokospalme) an. Die Ö. ist eine exquisit tropischer Baum
und ihre Kultur daher an die Tropenzone gebunden. Höhengrenze des
Vorkommens
s. o. Ihre Ansprüche an die Niederschläge sind, wie Togo zeigt, nicht
besonders hoch. Geringerer Regenfall kann durch reichlichere
Feuchtigkeitszufuhr
im Boden bis zu einem gewissen Grade kompensiert werden; doch beweist
andererseits die Ausfuhrstatistik von Togo, daß die Ertragfähigkeit der
Palme in trockenen Jahren erheblich nachläßt. Ähnliches ist aus Dahomé
bekannt (Adam). Stagnierende Nässe im Boden sagt ihr nicht zu; gegen
gelegentliche
Überflutung durch Meerwasser ist sie dagegen nicht empfindlich.
Bezüglich
des Bodens ist sie nicht gerade wählerisch; immerhin wird man bei
rationeller
Kultur auf Güte des Bodens im Interesse höherer Erträge Wert legen
müssen.
Auf tiefgründigem, lockeren Alluvial- oder Waldboden gedeiht die Palme
ausgezeichnet; auch auf tiefgründigen, lateritischen Erden, soweit sie
genügend nährstoffreich sind, und in der Trockenzeit nicht zu stark
verkrusten,
kommt sie gut fort. Zu leichte Böden und steife Tone müssen vermieden
werden. - Aussaat in Saatbeete. Die Keimungsdauer der Samen beträgt
mindestens
4-5 Wochen, meist aber länger, sogar bis zu sechs Monaten;
wahrscheinlich
hängt die Länge der Frist u. a. mit der Stärke der Steinschale (s.o.)
zusammen. Auch die Feuchtigkeitszufuhr ist von Einfluß: in zu trockenem
Boden liegen die Samen lange Zeit, ohne zu keimen, aber auch ohne ihre
Keimfähigkeit einzubüßen. Bei ungenügender Reinhaltung der Saatbeete
sind
die jungen Keimpflanzen mit ihren feinen Blättern in dem sie umgebenden
Graswuchs schwer zu erkennen. Die Unkenntnis dieser Verhältnisse hat in
früherer Zeit zu mannigfachen Mißerfolgen geführt. Behandlung der
Saatbeete,
Auspflanzen und Pflege der jungen Palmen wie bei der Kokospalme.
Pflanzweite
am besten 10 x 10 m im Dreiecksverband. Zwischenkulturen, namentlich mit
einjährigen
Leguminosen, im Anfang zweckmäßig. Intensität der Entwicklung hängt von
Güte des Bodens und den Niederschlägen ab. Eintritt der Blüte
normalerweise
im vierten Jahr, vor dem eine eigentliche Stammbildung erfolgt ist.
Dauer
der Fruchtentwicklung von der Befruchtung bis zur Reife etwa 6 Monate.
Erträge in den ersten Jahren der Tragfähigkeit nur gering; später
zwischen
weiten Grenzen schwankend, je nach Rasse, Boden, Pflege, Klima und
Witterung.
Ebenso wechselt das Verhältnis zwischen Bruttoertrag an Früchten und
Ölertrag
ganz erheblich. (Anzahl der Fruchtstände und der Früchte s. o.) Auch die
regelmäßige Aberntung der reifen Fruchtstände ist von Einfluß.
Vollerträge
nicht vor dem 10. Jahr; über die Dauer der vollen Tragkraft liegen nur
Schätzungen vor. In Togo werden durchschnittlich geringere Erträge
erzielt,
als in dem regenreicheren Kamerun. (Genaueres bei Preuß, Bücher I,
Gruner
II; für fremdländische Gebiete bei Adam, Chevalier.) Die zahlreichen,
in der Literatur vorliegenden Angaben über Anzahl der in einem Jahr
gebildeten
Fruchtbündel, über deren Gewicht, sowie den Anteil der Früchte am
Gesamtgewicht
des Fruchtstandes beziehen sich auf Palmen, die unter so
verschiedenartigen
äußeren Umständen aufgewachsen sind - teils in der Wildnis, teils als
nachträglich gepflegte Überhälter auf kahl geschlagenem Waldland, teils
in Kultur - daß man jene Angaben füglich als unvergleichbare Größen
bezeichnen
muß. Es sei daher auf die mehrfach zitierten Autoren verwiesen. -
Aufbereitung.
Die Gewinnung des Palmöls muß im Ursprungslande erfolgen, da die Früchte
bei dem Transport verderben. Bei weitem der größte Teil alles Palmöls
wird vorläufig noch von den Eingeborenen in höchst primitiver Weise
gewonnen
durch Kochen oder Digerieren der frischen Früchte, Ausstampfen der Masse
und rohe Trennung des abgeschiedenen Öls von Fruchtfleisch und Kernen.
(Näheres, zum Teil mit Abb. bei Preuß, Gruner, Soskin, Bücher, Adam,
Chevalier.)
Hierbei wird nur ein gewisser, viel zu niedriger Bruchteil des in den
Früchten vorhandenen Palmöls gewonnen, während das übrige ungenutzt
verloren
geht. In neuester Zeit sind verschiedene Maschinen konstruiert worden,
um in Europäerbetrieben eine sparsamere, schnellere und auch qualitativ
vollkommenere Gewinnung des Öls zu ermöglichen (Soskin, Adam,
Chevalier).
Die gebräuchlichsten Systeme sind diejenigen von Haake, Krupp, Fournier.
Ferner wird neuerdings angestrebt, die Palmkerne
im Ursprungslande auf maschinellem Wege ihrer Steinschalen zu berauben;
Schwierigkeiten ergeben sich dabei aus der ungleichen Größe der
Steinkerne
und der Trennung von Kernen und Schalen. - Wichtigste Krankheiten und
Schädlinge. Von solchen wird die die Ö. im allgemeinen nur wenig
heimgesucht.
Webervögel können den Blättern bisweilen arg
zusetzen (Abb. bei Soskin); ein Nashornkäfer, Oryctes Rhinoceros, bohrt sich
in die Stammendknospe, namentlich junger Palmen, ein (s. Kokospalme), die Larve eines anderen Käfers,
Rhynchophorus
phoenicis, greift stellenweise die Stämme an; auch die als Feind der
Kokospalme
(s.d.) gefürchtete Schildlaus Aspidiotus destructor befällt die Blätter
der Ö.
4. Anbau in den Schutzgebieten. Mit der maschinellen Herstellung des Palmöls
in den Ursprungsländern sind für eine Kultur der Ö. im höheren Sinne ungemein
günstige Aussichten eröffnet und neue wirtschaftliche Grundlagen geschaffen
worden. Dementsprechend nimmt der Anbau in Europäerbetrieben in Kamerun
neuerdings erfreulichen Aufschwung. Im Jahre 1913 waren rund 5000 ha daselbst in
Kultur genommen. Auch aus Togo sind kleinere Anfänge zu vermerken. Daneben wird
in beiden Kolonien danach gestrebt, die Eingeborenenkultur (s. Tafel 155) auf
ein höheres Niveau zu heben und zu besseren Erträgen zu bringen. Endlich gilt es
namentlich in Kamerun, die ungeheueren Bestände wilder oder verwilderter Palmen
(s. Tafel 155) zu pflegen und
regelrecht auszubeuten (Bücher, Reder). Zu diesem
Zweck ist in Kamerun vor kurzem durch das Gouvernement eine eigene Organisation, die
Ölpalmen-Inspektion, eingerichtet worden, die demnächst ihre Arbeiten aufnehmen
wird. In Deutsch-Ostafrika können die
vorhandenen Bestände Urundis der Schlafkrankheit wegen zurzeit nicht
ausgenutzt werden. Dagegen ist das Gouvernement bemüht, in anderen geeigneten
Teilen der Kolonie, namentlich der Küstenzone,
die Kultur der Ö. einzubürgern. In Deutsch-Neuguinea befinden sich nur unbedeutende
Anpflanzungen. - Ausfuhren von Produkten der Ö. im Jahre 1912: Kamerun: Palmöl
rd. 3600 t i. W. von rd. 1,6 Mill. M, Palmkerne rd. 16000 t (4,4 Mill. Mark);
Togo: Palmöl rd. 3300 t (1,4 Mill. M), Palmkerne rd. 11600 t (3,4 Mill. M).
(Frühere Ausfuhren: Denkschr. und Jahresber. Schutzgeb.) Die Ausfuhren stellen
nur einen Bruchteil der Gesamtproduktion der beiden Kolonien dar, indem einmal ein starker Verbrauch
durch die Eingeborenen stattfindet, ferner, besonders in Kamerun, große Bestände
an Palmen überhaupt noch nicht genutzt werden, und die unzulänglichen Verfahren
der Eingeborenen bei der Ölbereitung mit großen Verlusten an Öl verknüpft sind.
(Berechnungen darüber bei Preuß, Gruner, Bücher.)
Eine weitere Ursache für die unzureichende Ausbeutung liegt endlich in den
Transportschwierigkeiten.
5. Produkte der Ö. (Fesca, Adam). 1. Palmöl,
frisch dunkelgelb bis organgefarben, bei mittlerer Temperatur etwa von
Butterkonstistenz und
angenehmem veilchenartigen Aroma; von den Eingeborenen für Genußzwecke
geschätzt, in Ostafrika auch zur
Seifengewinnung verwendet (Stuhlmann). In
Europa bisher nur zu technischen Zwecken verarbeitet (namentlich zur Seifen- und
Kerzenfabrikation), da es sich schnell unter hochgradiger Abspaltung freier
Fettsäuren zersetzt. Neuerdings ist es gelungen, die Zersetzung auf ein Minimum
herabzudrücken, indem man die frisch geernteten Früchte auf 90-100° C erhitzt
und sie dann schnell verarbeitet (Fickendey). Hiermit ist ein weiteres wichtiges
Moment für eine höhere Nutzung der Ö. gegeben, da man nunmehr das Palmöl auch
der Speisefettindustrie wird zuführen können. 2. Palmkernöl, frisch farblos oder
gelblichweiß, von ähnlicher Konsistenz wie das Palmöl; neigt weniger zur
Zersetzung als jenes, wurde daher schon früher zur Kunstbutterfabrikation
benutzt. Im übrigen ebenfalls Material für Kerzen- und Seifendarstellung. - Die
Rückstände der Palmkernölgewinnung: Palmkernkuchen und Palmkernmehl sind als
Kraftfuttermittel, in der Viehzucht geschätzt.
(Literatur s. Futtermittel, außerdem
"Berichte über Landwirtschaft",
herausgeg. vom Reichsamt d. Innern, Heft 21.) Erstere enthalten 14,5-20%
Roheiweiß, 6-10% Fett und 36-50% stickstofffreie Extraktstoffe. Das Palmkernmehl
stellt entweder die zermahlenen Preßkuchen oder aber die Rückstände der mittels
Extraktion betriebenen Ölgewinnung dar. Im letzteren Falle enthält es natürlich
nur noch geringfügige Reste von Fett. - Nebennutzungen. In Togo und Nachbarländern wird die Ö. in ausgedehntem
Maße von den Eingeborenen zur Palmweingewinnung (s. Palmwein u. Busse I) benutzt, weniger häufig in
Kamerun. In Togo und Dahomé wird die Palme hierzu ausnahmslos gefällt, in
Kamerun und anderen Ländern am Golfe von Guinea aber in der Blütenstandsregion
angezapft (Abb. und Analysen von Palmwein bei Adam). Das Herz des Stammgipfels
liefert Palmkohl (s. d.), die Mittelrippe des
Blattes findet Verwendung beim Hüttenbau usw.
Literatur: Preuß, Die wirtschaftliche Bedeutung der Ölpalme,
Tropenpflanzer
1902, 450. - Gruner I, Die Ölpalme im Bezirk Misahöhe, Togo, ebenda
1904, 283. - II Ders.,
Weitere Beiträge zur Kenntnis der Ölpalme im Bezirk Misahöhe, ebenda
1913,
285, 353. - Busse I in Ber. d. Deutschen Pharmazeut. Ges. 1905, S. 223
(mit Abb.). - II Ders. in Karsten und Schenck, Vegetationsbilder IV.
Reihe,
Heft 2 u. 5, Jena 1906. - Fesca, Pflanzenbau in den Tropen
und
Subtropen, Bd. 2, Berl. 1907. - Stuhlmann, Beiträge
zur Kulturgeschichte von Ostafrika, Berl. 1909. - Anon., The varieties
of the Oilpalm in West-Africa, Kew Bulletin 1909 Nr. 2. - Soskin, Die
Ölpalme, Beihefte zum
Tropenpflanzer 1909. - Bücher, Die Ölpalmenfrade in Kamerun, KolRundsch.
1910, 593, 672. - Ders., Eine Dienstreise nach Dschang,
KolBl. 1911 Nr. 21 u. 22. - Adam, Le Palmier à huile (Les plantes
oléifères
de l'Afrique occidentale française II), Paris 1910. - Chevalier,
Documents
sur le Palmier à huile (Les végétaux utiles de l'Afrique tropicale
française
VII), Paris 1910 (daselbst weitere Literatur). - Fickendey, Die
Verwendungsfähigkeit
des Palmöls als Speisefett, Tropenpflanzer 1910 Nr. 11. - E. Zimmermann,
Die Ölpalme am Tanganjikasee, ebenda 1911, 549. - Reder, Eine
Dienstreise
in den Jabassibezirk zur Untersuchung der Ölpalmenbestände, KolBl. 1912
Nr. 14. - Ders., Die Ausnutzung der Ölpalme, im Dualabezirk, ebenda 1912
Nr. 19. - Gaisser, Die Produktion der
Eingeborenen des Bezirks Sokode-Bassari, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XXV
(1912), 281. - Verhandl. d. Ölrohstoff-Kommission des Kol.-Wirtsch.
Komitees
1913 Nr. 1.
Busse. |