Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 676 ff.

Ölpalme (s. farbige Tafel u. Tafel 155, 193). 1. Verbreitung. 2. Botanisches. 3. Kultur. 4. Anbau in den Schutzgebieten. 5. Produkte.

1. Verbreitung. Die Ö., Elaeis guineensis L. (Fam. der Palmen) ist die wichtigste Nutzpflanze des tropischen Westafrikas. Dort ursprünglich heimisch, ist sie jedenfalls schon frühzeitig über den Ozean nach dem westlichen Äquatorial-Amerika gelangt, wo sie sich z.B. im Mündungsgebiet des Amazonenstroms und in Guyana häufig wild vorfindet. Die Grenzen ihrer Verbreitung in Afrika Fallen - abgesehen von einigen, durch die Kultur geschaffenen Exklaven, wie z.B. in Benguella - ungefähr mit denen des ehemaligen großen Waldgebietes im westlichen und zentralen Teile des Kontinents zusammen. (Florenkarte bei Hahn, Afrika; Allgem. Länderkunde, 2. Aufl. 1901.) Abgesehen von den kleineren Kulturexklaven im Indischen Ozean - Sansibar und Pemba und an der ostafrikanischen Küste - findet die Ö. ihre Ostgrenze im Nordosten des Tanganjika, wo sie in der Landschaft Urundi nennenswerte Bestände bildet (bei E. Zimmermann). Wahrscheinlich ist sie aber erst durch die Araber vom Kongogebiet aus dorthin gelangt. Sie findet sich endlich auf den Inseln São Thomé und Fernando Poo. In Kamerun erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet von der Küste über den Waldgürtel hinaus, mehr oder weniger ausstrahlend, bis in die Graslandformation und die Parklandschaft. In jenen Randgebirgen steigt sie bestandbildend bis zu 1450 m Mh. hinauf; an der Elfenbeinküste und einigen anderen Plätzen findet sie sich bis 1000 m Mh. (Näheres über die Verbreitung in Kamerun s. Bücher, Reder und zahlreiche Reiseberichte im KolBl. und in Mitt. a. d. d. Schutzgeb.) Sie feh1t im geschlossenen, primären Urwald, unter dessen dichtem Schattendach sie nicht die ihr zusagenden Existenzbedingungen findet. Für ihr Gedeihen und ihre Verbreitung in der Wildnis sind die verschiedensten Faktoren maßgebend (vgl. Busse II, Bücher), unter denen ihr ausgesprochenes Lichtbedürfnis von besonderer Bedeutung ist. In Togo beschränkt sich die Verbreitung der Ö. auf den südlichen und mittleren Teil des Schutzgebiets (s. Gruner, Busse II, Gaisser). In beiden Kolonien treffen wir sie wild, verwildert und in Halbkultur, seltener in Reinkultur an. Sie ist in den fraglichen Gebieten, soweit die herrschenden Bedingungen ihr Gedeihen ermöglichen, der niemals fehlende Begleiter menschlicher Siedlung, und ihr Vorkommen in größerer Zahl an jetzt menschenleeren Plätzen läßt in fast allen Fällen auf ehemalige Besiedlung schließen. Sie steht entweder in verstreuten Exemplaren im sekundären Urwald oder gruppenweise auf verlassenen Farmen oder sie bildet an Fluß- und Bachläufen und an Abhängen mittlerer Gebirge mehr oder weniger dichte schattige Haine. (Abb. bei Busse, Adam, Reder.)

2. Botanisches. Größe und Habitus der Ö. richten sich nach ihrem Standort. (Nähere Beschreibung der Pflanze und ihrer Teile bei Chevalier.) Freistehend aufgewachsene oder in Alleen gezogene Individuen bilden gedrungenere, kraftvollere Stämme, als im Walde, im Kampf mit anderen Baumarten um den Lichtgenuß aufgeschossene Palmen; das Verhältnis zwischen Krone und Stamm ist bei ersteren ungleich harmonischer, als bei letzteren, da sich die Krone bei ungehinderter Luft- und Lichtzufuhr viel voller und weiter ausladend entwickelt. Auf freiem Standort wird der säulengerade Stamm durchschnittlich etwa 15 m hoch, im Walde schießt er bis über 25 m überschlank in die Höhe und erreicht dabei selten über 30 cm Durchmesser, während dieser im anderen Falle bis 50 cm mißt. Unmittelbar über dem Erdboden ist der Stamm bis zu 1 m im Durchmesser verdickt. Er bildet ein nach allen Richtungen ungemein weit ausgreifendes Wurzelsystem. Ebenso abhängig von Standort und Umgebung wie die Ausbildung des Stammes ist auch die der Blätter, und zwar sowohl in der Anzahl wie in der Länge. Ausgewachsene Palmen tragen 20-40 Blätter von 3-5 m Länge mit je 100-160 Paaren von Fiedern; diese sind linear- lanzettlich, in der Mitte des Blattes 70-120 cm lang und 3-5 cm breit, im unteren Drittel kürzer und breiter. Stiel 30-120 cm lang, 12-20 cm breit, in eine kräftige Mittelippe übergehend. Die Ö. ist normalerweise einhäusig, die B1üten sind eingeschlechtig; dasselbe Individuum trägt männliche und weibliche Blüten in besonderen Blütenständen (s. Farbige Tafel ; weitere Abb. bei Adam). Beide entspringen in den Achseln der Blätter. Im Knospenzustand sind die Blütenstände beiderlei Geschlechts eingeschlossen von einer 10- 30 cm langen Scheide, die in zwei kahnförmige Klappen aufspringt, um die Blüten hervortreten zu lassen. Die Zahl der von einer Palme im Laufe eines Jahres ausgebildeten Blütenstände schwankt je nach Standort, Pflege und Witterung erheblich; eine gut entwickelte Palme von 10-40 Jahren produziert alljährlich 10-15 männliche Blütenstände und 3-10 weibliche (s.a. u.). Jeder der ersteren besteht aus 100-120 Blütenähren. (Abb. der männlichen Blüte s. farbige Tafel Abb. B.) Die weiblichen Blütenstände sind kürzer gestielt, nahezu kugelförmig, 15-35 cm lang und tragen 100-150 Blütenähren. Letztere endigen jeweils in einen langen, starken, bräunlichen Dorn. Die weiblichen Blüten sind viel größer als die männlichen; jede von ihnen ist getragen von einem, ebenfalls in einen Dorn auslaufenden Stützblatt. - Diese, mit der Ausbildung der Früchte sich verlängernden und erhärtenden Dornen beider Art geben dem Fruchtstande der Ö. ein außerordentlich charakteristisches Gepräge (Adam). Jede Ähre bildet 3-30 Früchte aus, im oberen Teil des Fruchtstandes nur 1-5; zahlreiche Blüten kommen überhaupt nicht zur vollen Entwicklung und Befruchtung, und bisweilen sind die Fruchtstände sehr arm an Früchten (s.u.). Man rechnet gewöhnlich 800-3000 gut entwickelte Früchte in jedem Fruchtstand (Grenzzahlen für Togo bei Gruner). (Anordnung der Fruchtstände in der Krone vgl. Bücher Fig. VI und Soskin Abb. 1.) Anzahl der Fruchtstände ("Bündel") je nach Alter, Standort, Boden, Klima und Witterung wechselnd. Wilde, im Sekundärwald aufgewachsene und nie gepflegte Palmen stehen mit 2-3 gegen gut gepflegte und auf zusagendem Boden gewachsene - mit 6-10 Bündeln - weit zurück. (Näheres bei Gruner, Adam, Bücher, Chevalier.) Frucht eine zwetschen- oder eiförmige, meist durch gegenseitigen Druck in der unteren Hälfte unregelmäßig abgeplattete Steinfrucht; 2-6 cm lang, 1-5 cm dick, 3-20 g, in Ausnahmefällen sogar 25 g schwer. (Abb. von Früchten und Samen verschiedener Form und Größe bei Adam, Soskin.) Färbung der reifen Frucht je nach Varietät und Rasse (s. u.) ganz schwarz oder schwarzviolett oder ganz rot (Orange, ziegelrot, rotbraun) oder in der oberen Hälfte schwarz, in der unteren rot oder auch seltener grün. Unter der Oberhaut liegt das gelbliche, von Fasersträngen der Länge nach durchzogen, stark ölhaltige Fruchtfleisch (botan. Exokarp) von 1-6 mm Mächtigkeit. Dieses enthält ein gelbes oder rotgelbes Öl, das "Palmöl", zu 40-55% der frischen Substanz. In der Mitte der Frucht liegt der eiförmige oder nahezu kugelige Steinkern, "Palmkern", dessen Größe und Gewicht ebenso wechseln wie bei der Frucht; durchschnittlich 15-25 mm lang und 12-16 mm dick. Eine braune bis schwärzliche Steinschale von sehr verschiedener Dicke - 0,3-4,5 mm - schließt den Samen ein. Im allgemeinen ist die Steinschale (botan. Endokarp) so hart und stark, daß man sie nur mit Gewalt zertrümmern kann, bei einigen Rassen ("Lisombe" in Kamerun, "Klode" in Togo) jedoch ganz schwach ausgebildet und leicht schneidbar. Der Same, von einer zarten braunen Haut umgeben, ist durchschnittlich 12-22 mm lang und 8-12 mm dick, innen rein weiß oder gelblichweiß. Gewöhnlich wird nur ein Same ausgebildet; 5-10% der Früchte enthalten deren 2, ein geringer Prozentsatz 3. In seltenen Fällen (Gruner) kommen sogar 4 Samen vor. Der Same enthält zu 46-55% ein farbloses oder schwach gelbliches, vom Palmöl chemisch und physikalisch verschiedenes Öl, das "Palmkernöl". Varietäten. Wie gesagt, wechselt mit dem Standort auch der äußere Gesamtcharakter der Ö.; im einzelnen ergeben sich mehr oder weniger erhebliche Unterschiede in Größe und Gewicht der Fruchtstände, der Früchte und Samen, Zahl und Färbung der Früchte, Mächtigkeit und Ölgehalt des Fruchtfleisches, Dicke der Steinschale usw. Das hat zur Aufstellung verschiedener Varietäten, Rassen und Formen der Art geführt (s. Gruner, Adam, Kew Bulletin 1990, Chevalier). Wie weit die Charaktere der einzelnen Typen Produkte des Standortes, der Kultur oder mangelnder Pflege usw. darstellen, wie weit die einzelnen Varietäten bei fortgesetztem Anbau formbeständig sind, bleibt noch festzustellen. Auch im übrigen bietet die Ö. der wissenschaftlichen Forschung noch ein weites Arbeitsfeld dar.

3. Kultur. Anbau (vgl. Gruner, Adam, Chevalier). Die regelrechte Kultur der Ö. ist - abgesehen von vereinzelten älteren Anlagen in Niederländisch-Indien und Südamerika - so jungen Datums, daß von nur einigermaßen ausreichenden Erfahrungen noch nicht die Rede sein kann (bezügl. Dahomés: Adam, Chevalier). Die Technik des Anbaus lehnt sich indessen im wesentlichen an die der Kokoskultur (s. Kokospalme) an. Die Ö. ist eine exquisit tropischer Baum und ihre Kultur daher an die Tropenzone gebunden. Höhengrenze des Vorkommens s. o. Ihre Ansprüche an die Niederschläge sind, wie Togo zeigt, nicht besonders hoch. Geringerer Regenfall kann durch reichlichere Feuchtigkeitszufuhr im Boden bis zu einem gewissen Grade kompensiert werden; doch beweist andererseits die Ausfuhrstatistik von Togo, daß die Ertragfähigkeit der Palme in trockenen Jahren erheblich nachläßt. Ähnliches ist aus Dahomé bekannt (Adam). Stagnierende Nässe im Boden sagt ihr nicht zu; gegen gelegentliche Überflutung durch Meerwasser ist sie dagegen nicht empfindlich. Bezüglich des Bodens ist sie nicht gerade wählerisch; immerhin wird man bei rationeller Kultur auf Güte des Bodens im Interesse höherer Erträge Wert legen müssen. Auf tiefgründigem, lockeren Alluvial- oder Waldboden gedeiht die Palme ausgezeichnet; auch auf tiefgründigen, lateritischen Erden, soweit sie genügend nährstoffreich sind, und in der Trockenzeit nicht zu stark verkrusten, kommt sie gut fort. Zu leichte Böden und steife Tone müssen vermieden werden. - Aussaat in Saatbeete. Die Keimungsdauer der Samen beträgt mindestens 4-5 Wochen, meist aber länger, sogar bis zu sechs Monaten; wahrscheinlich hängt die Länge der Frist u. a. mit der Stärke der Steinschale (s.o.) zusammen. Auch die Feuchtigkeitszufuhr ist von Einfluß: in zu trockenem Boden liegen die Samen lange Zeit, ohne zu keimen, aber auch ohne ihre Keimfähigkeit einzubüßen. Bei ungenügender Reinhaltung der Saatbeete sind die jungen Keimpflanzen mit ihren feinen Blättern in dem sie umgebenden Graswuchs schwer zu erkennen. Die Unkenntnis dieser Verhältnisse hat in früherer Zeit zu mannigfachen Mißerfolgen geführt. Behandlung der Saatbeete, Auspflanzen und Pflege der jungen Palmen wie bei der Kokospalme. Pflanzweite am besten 10 x 10 m im Dreiecksverband. Zwischenkulturen, namentlich mit einjährigen Leguminosen, im Anfang zweckmäßig. Intensität der Entwicklung hängt von Güte des Bodens und den Niederschlägen ab. Eintritt der Blüte normalerweise im vierten Jahr, vor dem eine eigentliche Stammbildung erfolgt ist. Dauer der Fruchtentwicklung von der Befruchtung bis zur Reife etwa 6 Monate. Erträge in den ersten Jahren der Tragfähigkeit nur gering; später zwischen weiten Grenzen schwankend, je nach Rasse, Boden, Pflege, Klima und Witterung. Ebenso wechselt das Verhältnis zwischen Bruttoertrag an Früchten und Ölertrag ganz erheblich. (Anzahl der Fruchtstände und der Früchte s. o.) Auch die regelmäßige Aberntung der reifen Fruchtstände ist von Einfluß. Vollerträge nicht vor dem 10. Jahr; über die Dauer der vollen Tragkraft liegen nur Schätzungen vor. In Togo werden durchschnittlich geringere Erträge erzielt, als in dem regenreicheren Kamerun. (Genaueres bei Preuß, Bücher I, Gruner II; für fremdländische Gebiete bei Adam, Chevalier.) Die zahlreichen, in der Literatur vorliegenden Angaben über Anzahl der in einem Jahr gebildeten Fruchtbündel, über deren Gewicht, sowie den Anteil der Früchte am Gesamtgewicht des Fruchtstandes beziehen sich auf Palmen, die unter so verschiedenartigen äußeren Umständen aufgewachsen sind - teils in der Wildnis, teils als nachträglich gepflegte Überhälter auf kahl geschlagenem Waldland, teils in Kultur - daß man jene Angaben füglich als unvergleichbare Größen bezeichnen muß. Es sei daher auf die mehrfach zitierten Autoren verwiesen. - Aufbereitung. Die Gewinnung des Palmöls muß im Ursprungslande erfolgen, da die Früchte bei dem Transport verderben. Bei weitem der größte Teil alles Palmöls wird vorläufig noch von den Eingeborenen in höchst primitiver Weise gewonnen durch Kochen oder Digerieren der frischen Früchte, Ausstampfen der Masse und rohe Trennung des abgeschiedenen Öls von Fruchtfleisch und Kernen. (Näheres, zum Teil mit Abb. bei Preuß, Gruner, Soskin, Bücher, Adam, Chevalier.) Hierbei wird nur ein gewisser, viel zu niedriger Bruchteil des in den Früchten vorhandenen Palmöls gewonnen, während das übrige ungenutzt verloren geht. In neuester Zeit sind verschiedene Maschinen konstruiert worden, um in Europäerbetrieben eine sparsamere, schnellere und auch qualitativ vollkommenere Gewinnung des Öls zu ermöglichen (Soskin, Adam, Chevalier). Die gebräuchlichsten Systeme sind diejenigen von Haake, Krupp, Fournier. Ferner wird neuerdings angestrebt, die Palmkerne im Ursprungslande auf maschinellem Wege ihrer Steinschalen zu berauben; Schwierigkeiten ergeben sich dabei aus der ungleichen Größe der Steinkerne und der Trennung von Kernen und Schalen. - Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. Von solchen wird die die Ö. im allgemeinen nur wenig heimgesucht. Webervögel können den Blättern bisweilen arg zusetzen (Abb. bei Soskin); ein Nashornkäfer, Oryctes Rhinoceros, bohrt sich in die Stammendknospe, namentlich junger Palmen, ein (s. Kokospalme), die Larve eines anderen Käfers, Rhynchophorus phoenicis, greift stellenweise die Stämme an; auch die als Feind der Kokospalme (s.d.) gefürchtete Schildlaus Aspidiotus destructor befällt die Blätter der Ö.

4. Anbau in den Schutzgebieten. Mit der maschinellen Herstellung des Palmöls in den Ursprungsländern sind für eine Kultur der Ö. im höheren Sinne ungemein günstige Aussichten eröffnet und neue wirtschaftliche Grundlagen geschaffen worden. Dementsprechend nimmt der Anbau in Europäerbetrieben in Kamerun neuerdings erfreulichen Aufschwung. Im Jahre 1913 waren rund 5000 ha daselbst in Kultur genommen. Auch aus Togo sind kleinere Anfänge zu vermerken. Daneben wird in beiden Kolonien danach gestrebt, die Eingeborenenkultur (s. Tafel 155) auf ein höheres Niveau zu heben und zu besseren Erträgen zu bringen. Endlich gilt es namentlich in Kamerun, die ungeheueren Bestände wilder oder verwilderter Palmen (s. Tafel 155) zu pflegen und regelrecht auszubeuten (Bücher, Reder). Zu diesem Zweck ist in Kamerun vor kurzem durch das Gouvernement eine eigene Organisation, die Ölpalmen-Inspektion, eingerichtet worden, die demnächst ihre Arbeiten aufnehmen wird. In Deutsch-Ostafrika können die vorhandenen Bestände Urundis der Schlafkrankheit wegen zurzeit nicht ausgenutzt werden. Dagegen ist das Gouvernement bemüht, in anderen geeigneten Teilen der Kolonie, namentlich der Küstenzone, die Kultur der Ö. einzubürgern. In Deutsch-Neuguinea befinden sich nur unbedeutende Anpflanzungen. - Ausfuhren von Produkten der Ö. im Jahre 1912: Kamerun: Palmöl rd. 3600 t i. W. von rd. 1,6 Mill. M, Palmkerne rd. 16000 t (4,4 Mill. Mark); Togo: Palmöl rd. 3300 t (1,4 Mill. M), Palmkerne rd. 11600 t (3,4 Mill. M). (Frühere Ausfuhren: Denkschr. und Jahresber. Schutzgeb.) Die Ausfuhren stellen nur einen Bruchteil der Gesamtproduktion der beiden Kolonien dar, indem einmal ein starker Verbrauch durch die Eingeborenen stattfindet, ferner, besonders in Kamerun, große Bestände an Palmen überhaupt noch nicht genutzt werden, und die unzulänglichen Verfahren der Eingeborenen bei der Ölbereitung mit großen Verlusten an Öl verknüpft sind. (Berechnungen darüber bei Preuß, Gruner, Bücher.) Eine weitere Ursache für die unzureichende Ausbeutung liegt endlich in den Transportschwierigkeiten.

5. Produkte der Ö. (Fesca, Adam). 1. Palmöl, frisch dunkelgelb bis organgefarben, bei mittlerer Temperatur etwa von Butterkonstistenz und angenehmem veilchenartigen Aroma; von den Eingeborenen für Genußzwecke geschätzt, in Ostafrika auch zur Seifengewinnung verwendet (Stuhlmann). In Europa bisher nur zu technischen Zwecken verarbeitet (namentlich zur Seifen- und Kerzenfabrikation), da es sich schnell unter hochgradiger Abspaltung freier Fettsäuren zersetzt. Neuerdings ist es gelungen, die Zersetzung auf ein Minimum herabzudrücken, indem man die frisch geernteten Früchte auf 90-100° C erhitzt und sie dann schnell verarbeitet (Fickendey). Hiermit ist ein weiteres wichtiges Moment für eine höhere Nutzung der Ö. gegeben, da man nunmehr das Palmöl auch der Speisefettindustrie wird zuführen können. 2. Palmkernöl, frisch farblos oder gelblichweiß, von ähnlicher Konsistenz wie das Palmöl; neigt weniger zur Zersetzung als jenes, wurde daher schon früher zur Kunstbutterfabrikation benutzt. Im übrigen ebenfalls Material für Kerzen- und Seifendarstellung. - Die Rückstände der Palmkernölgewinnung: Palmkernkuchen und Palmkernmehl sind als Kraftfuttermittel, in der Viehzucht geschätzt. (Literatur s. Futtermittel, außerdem "Berichte über Landwirtschaft", herausgeg. vom Reichsamt d. Innern, Heft 21.) Erstere enthalten 14,5-20% Roheiweiß, 6-10% Fett und 36-50% stickstofffreie Extraktstoffe. Das Palmkernmehl stellt entweder die zermahlenen Preßkuchen oder aber die Rückstände der mittels Extraktion betriebenen Ölgewinnung dar. Im letzteren Falle enthält es natürlich nur noch geringfügige Reste von Fett. - Nebennutzungen. In Togo und Nachbarländern wird die Ö. in ausgedehntem Maße von den Eingeborenen zur Palmweingewinnung (s. Palmwein u. Busse I) benutzt, weniger häufig in Kamerun. In Togo und Dahomé wird die Palme hierzu ausnahmslos gefällt, in Kamerun und anderen Ländern am Golfe von Guinea aber in der Blütenstandsregion angezapft (Abb. und Analysen von Palmwein bei Adam). Das Herz des Stammgipfels liefert Palmkohl (s. d.), die Mittelrippe des Blattes findet Verwendung beim Hüttenbau usw.

Literatur: Preuß, Die wirtschaftliche Bedeutung der Ölpalme, Tropenpflanzer 1902, 450. - Gruner I, Die Ölpalme im Bezirk Misahöhe, Togo, ebenda 1904, 283. - II Ders., Weitere Beiträge zur Kenntnis der Ölpalme im Bezirk Misahöhe, ebenda 1913, 285, 353. - Busse I in Ber. d. Deutschen Pharmazeut. Ges. 1905, S. 223 (mit Abb.). - II Ders. in Karsten und Schenck, Vegetationsbilder IV. Reihe, Heft 2 u. 5, Jena 1906. - Fesca, Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen, Bd. 2, Berl. 1907. - Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika, Berl. 1909. - Anon., The varieties of the Oilpalm in West-Africa, Kew Bulletin 1909 Nr. 2. - Soskin, Die Ölpalme, Beihefte zum Tropenpflanzer 1909. - Bücher, Die Ölpalmenfrade in Kamerun, KolRundsch. 1910, 593, 672. - Ders., Eine Dienstreise nach Dschang, KolBl. 1911 Nr. 21 u. 22. - Adam, Le Palmier à huile (Les plantes oléifères de l'Afrique occidentale française II), Paris 1910. - Chevalier, Documents sur le Palmier à huile (Les végétaux utiles de l'Afrique tropicale française VII), Paris 1910 (daselbst weitere Literatur). - Fickendey, Die Verwendungsfähigkeit des Palmöls als Speisefett, Tropenpflanzer 1910 Nr. 11. - E. Zimmermann, Die Ölpalme am Tanganjikasee, ebenda 1911, 549. - Reder, Eine Dienstreise in den Jabassibezirk zur Untersuchung der Ölpalmenbestände, KolBl. 1912 Nr. 14. - Ders., Die Ausnutzung der Ölpalme, im Dualabezirk, ebenda 1912 Nr. 19. - Gaisser, Die Produktion der Eingeborenen des Bezirks Sokode-Bassari, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XXV (1912), 281. - Verhandl. d. Ölrohstoff-Kommission des Kol.-Wirtsch. Komitees 1913 Nr. 1.

Busse.