Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 1

Aale, Muraenidae, Familie der Knochenfische, schlangenähnliche Fische, zylindrisch oder bandförmig, ohne Bauchflosse. Die häufigsten Gattungen sind Flußaal (Anguilla), Meeraal (Conger), Muräne (Muraena). Von diesen ist in Europa der Flußaal wirtschaftlich bei weitem der wichtigste. In den westafrikanischen Kolonien kommen Flußaale nicht vor. Der in den europäischen Zuflüssen des Atlantischen Ozeans lebende Flußaal (Anguilla vulgaris L.) kann sich, wie wahrscheinlich alle Flußaale, im Süßwasser nicht fortpflanzen, muß vielmehr zur Laichablage die großen Tiefen des Atlantischen Ozeans aufsuchen. Dort entwickeln sich aus den Eiern zunächst weidenblattförmige, ganz durchsichtige Larven (Leptocephalus brevirostris), die sich, allmählich zur Küste wandernd, in zylindrische Glasaale umwandeln und als solche in die Flüsse einziehen. Die Vorbedingungen für die Ausführung des Fortpflanzungsvorganges findet der Flußaal nur dort, wo in mindestens 1000 m Tiefe eine Temperatur von über 7° C und ein Salzgehalt von 35,2 pro mille gefunden wird. Nun ist die Temperatur in dem Teile des Atlantischen Ozeans, der südlich von den Kanarischen Inseln vor der Küste Westafrikas liegt, in diesen Tiefen nur 4 bis höchstens 6° C. Der Flußaal kann sich also hier nicht fortpflanzen, auch verhindern die nordwärts gerichteten Strömungen, daß die zur Küste und in die Flüsse einwandernde Aalbrut sich vom Nordatlantik aus nach Süden ausbreitet. An der Ostküste Afrikas, wo die entsprechenden Temperaturen im Meere 7-10° C betragen, finden wir wieder Flußaale, und zwar andere Arten als im Gebiet des Atlantischen Ozeans. In Ostafrika kommen Flußaale in den Binnengewässern vielfach vor, in den Gebirgsbächen in Höhen bis zu 600-700 m. Die dort lebenden Arten sind nach Pfeffer Anguilla labiata (Peters) und Anguilla virescens (Peters). Ersterer soll viel gegessen werden. Von Meeraalen wurden an der Küste Conger cinereus (Rüppel) gefunden, von Muränen ebendort, hauptsächlich bei der Insel Bani Muraena picta (Ahl) und Muraena nebulosa (Ahl). Auch Muraena undulata (Günther) - s. Tafel 41/42 Abb. 11 - kommt, neben noch anderen Muränenarten, an der Küste Ostafrikas häufig vor; sie wird bis zu 6 Fuß lang. Die großen Exemplare sollen sehr gefährlich sein und werden von den Eingeborenen gefürchtet. Die Abbildung zeigt ein 3 Fuß langes Exemplar.

Lübbert.