Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 6

Abortus bei Tieren kommt entweder vereinzelt aus äußeren Ursachen (Stoß, Druck, Verfütterung schädlicher Pflanzen) oder seuchenhaft infolge einer Ansteckung mit Bakterien bestimmter Art vor. Der seuchenhafte A. wird beim Rinde verursacht durch den Bangschen A.bacillus (ein kleines Stäbchen), beim Pferde durch den von v. Ostertag entdeckten A. streptococcus (ein kettenförmig angeordnetes Kugelbakterium). Während der sporadische A. in jedem Monat der Trächtigkeit eintreten kann, ereignet sich der seuchenhafte A. mit Vorliebe zu bestimmten Trächtigkeitszeiten (beim Rinde hauptsächlich im 3. und 7. Trächtigkeitsmonat). Zur Bekämpfung des seuchenhaften A., der namentlich bei Pferden und Rindern durch den Ausfall der Nachzucht große Verluste hervorrufen kann, empfehlen sich Absonderung und sorgfältige Desinfektion der erkrankten Tiere. Neuerdings werden auch mit anscheinend gutem Erfolg Impfungen mit Kulturen (aktive Immunisierung) und mit Serum (passive Immunisierung) zur Bekämpfung des seuchenhaften Abortus bei Tieren vorgenommen.

Literatur: Merkblatt des Kais. Gesundheitsamts über das ansteckende Verkalben.

v. Ostertag.