Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 9 f.

Adamaua. 1. Die Landschaft A. bildet den ganzen nördlichen Teil von Kamerun. Man unterscheidet einmal das Hochland von Süd-A., das den nördlichen Teil des Plateaus von Kamerun bildet, und die Massivregion von Nord-A., die wieder durch den Benue in zwei Hälften geteilt wird. Das Hochland von Süd-A. beginnt nördlich der Sanagamulde, mit einer Reihe von Gebirgsschwellen. Es sind das Ebomassiv, das Bafiabergland, die Ngutteberge, die Dommeberge, die Ndumbischwelle und das Baiahochland. Der äußerste Ausläufer nach Osten ist das Hochland von Jade. Über dieser Stufe erhebt sich eine zweite Stufe von Hochländern, die teilweise eine Höhe von über 2000 m haben. Es sind dies das Baliplateau, das Kumbohochland und das Ngaunderehochland. Zwischen beiden Stufen sind die beiden Nebenflüsse des Sanaga, der Mbam und der Djerem, voneinander durch die Tibatischwelle getrennt, eingeschnitten und haben das Plateau stellenweise in ein Bergland verwandelt. Nach Norden fällt das Hochland von Süd-A. steil ab. - Die Massivregion von Nord-A. besteht aus einer Anzahl von Bergmassiven, die durch Ebenen oder Inselbergplatten voneinander getrennt sind. Zuerst kommt, nördlich des Abfalls des Hochlandes von Süd-A. eine Reihe von Ebenen und Inselbergplatten, die von Westen nach Osten folgende sind: die Inselbergplatte von Gaschaka, die Farobucht, die Benuebucht und die Inselbergregion von Bubandjidda. Dann folgt nach Norden eine Reihe von Massiven, die von Platten getrennt sind: das Tschebtschigebirge, die Dalaniplatte, das Werregebirge und das Alantikagebirge, das Farotal und das Ssarigebirge. Im Norden folgt die breite Benuetiefebene und nördlich davon das Mandaragebirge, das sich nach allen Seiten in Inselberglandschaften auflöst. - A. besitzt ein ausgesprochenes Steppenklima, d.h. periodische Niederschläge und erhebliche Temperaturgegensätze, sowohl jährliche wie tägliche. Die Vegetation besteht daher in Steppen, Savannen, Busch und nur in den höheren Gebirgen teilweise aus Wäldern. - Die Bevölkerung von A. ist sehr gemischt. In ganz A. sitzen Sudanneger, die aber von hamitischen Stämmen unterdrückt oder in die unzugänglichen Gebirge zurückgedrängt sind. Der herrschende Stamm sind die Fulbe, und als Händler und Handwerker, allmählich wahrscheinlich die Fulbe (s.d.) aufsaugend, eine große Anzahl von Haussa (s.d.). 2. Der Fulbestaat A. Das Reich Sokoto im Westsudan wurde im Jahre 1802 von einem mohammedanischen Wanderprediger Othman dan Fodio gegründet. Vorher waren die Fulbe als Hirten im ganzen Gebiet des Niger und Benue bis Bornu verstreut und wurden von den Haussaherrschern und den Herrschern von Bornu unterdrückt. Othman dan Fodio vertrieb die Haussafürsten und gründete ein großes Reich mit der Hauptstadt Sokoto (Nord- Nigerien). Im Jahre 1805 wurde der Modibo Adama mit der Herrschaft über die südlich des Tsadsees lebenden Fulbe betraut. Er war der erste Lamido von A., dessen Hauptstadt bald Jola (am Benue in Nigerien) wurde. Adama führte nun bis zu seinem Tode im Jahre 1847 die Eroberung und Unterwerfung der ganzen Heidenstämme durch. Sein Sohn Laual regierte nun unter ständigem Kampfe mit den Heiden, die sich in die schwer zugänglichen Gebirge zurückgezogen haben, bis zum Jahre 1873, und ihm folgte sein Bruder, der Emir Sanda (1873/90), unter dem die Herrschaft der Fulbe allmählich zu verblassen beginnt. Mehrere Kämpfe gegen die Heiden fallen unglücklich aus. Ihm folgte sein Bruder Subeiru (1890-1902), der zuerst die Vasallen, die unter seinem Bruder abzufallen begonnen hatten, wieder einigte, besonders als ihnen in den Europäern ein gemeinsamer Feind erstand. Aber ein Empörer Hajatu verkleinerte bald von Balda (Deutsch-Bornu) aus seine Macht, versuchte sich Rabeh (s.d.) anzuschließen, wurde aber von dessen Sohn ermordet. Subeiru wurde dann von den Engländern aus Jola vertrieben, floh über die deutsche Grenze und wurde erst von v. Clausbruch und Schlosser bei Garua geschlagen, dann von Dominik bei Marua vernichtet. Er soll später als Flüchtling von Heiden erschlagen sein. Damit war die Herrschaft des Emirats von A. gebrochen, und die Vasallen unterwarfen sich einer nach dem andern den Deutschen. 3. Die Residentur A. umfaßt das Gebiet der ehemaligen Vasallenstaaten von Jola. Sie steht unter einem militärischen Residenten, dessen Aufgabe darin besteht, den Zustand, wie er vor der deutschen Besitzergreifung bestand, zu erhalten. Er empfängt denselben Tribut, wie er früher nach Jola bezahlt wurde. Die einzelnen Vasallen behalten die Herrschaft über die Heidenstämme, die sie unterworfen hatten, und beziehen von ihnen Tribut. Doch bleiben die freien Heidenstämme der Gebirge von ihnen unabhängig. Die Staaten der Fulbe heutzutage sind folgende: Moda, Kelba, Holma, Demssa, Garua, Tscheboa, Djäbake, Ngaundere, Tinger, Laro, Kontscha-Banjo, Tschamba-Tibati, Nassarau, Madagali, Uba, Burka, Golombe, Gidder, Bibene, Rei, Binder, Mendif, Mao Lue, Marua, Bogo- Balda, Rak.

Passarge-Rathjens.