Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 11

Adele, Landschaft in der Gebirgszone Mitteltogos im Verwaltungsbezirk Kete-Kratschi. A. ist eine von Fremden gebrauchte Bezeichnung für diese Landschaft; die einheimische Bezeichnung ist Bederé. Die an Kopfzahl geringe Bevölkerung gilt als träge und dem Branntweingenuß ergeben. Sie lebt vom Ackerbau und gewinnt Kautschuk aus der in A. und deren Nachbargebieten häufig vorkommenden Landolphia owariensis. A. bildet das Ziel zahlreicher Kautschukhändler. Die auf dem europäischen Markt unter dem Namen A.- Niggers bekannten kleinen Kautschukbälle sind sehr geschätzt. Die Bevölkerung von A. kann ethnologisch einer der größeren Völkergruppen nach den bisherigen Forschungen nicht zugeteilt werden. Von den Eingeborenen werden die Gottheiten Najo und Frikow verehrt. Über das Äußere des Gottes Nayo s. Tafel 195 Abb. 15. Über sein Wesen und seine Stellung im Pantheon der Togoneger s. Togo Abschn. 10. Auf derselben Tafel s. außerdem in Abb. 11 ein mit menschlichen Unterkiefern "verziertes" Elfenbeinblashorn und in Abb. 20 das Modell eines Feuerherdes. Aus den Unterkiefern formt die Gottheit neue Menschen, Grund genug, die Schädel erschlagener Feinde ihrer Unterkiefer zu berauben. Eine der großen Staats- und Kriegstrommeln des Landes mit ihren ausgesparten und bemalten Ornamenten zeigt farbige Kulturtafel von Togo Abb. 12. Auch die an ihr befestigten Schädel stammen von erschlagenen Feinden. Beim Schlagen der Trommel "nicken" sie. - In A. befindet sich die Regierungsstation Bismarckburg (s.d.).

Literatur: J. G. Christaller, Die Adele-Sprache im Togogebiet in Zeitschr. f. afr. Spr. 1895.

v. Zech.