Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 12 ff.

Admiralitätsinseln. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5. Bevölkerung. 6. Europäische Unternehmungen. 7. Verwaltung. 8. Mission. 9. Verkehrswesen. 10. Entdeckungsgeschichte.

1. Lage und Bodengestaltung. Die A. oder Admiralty Islands, Manus, von Le Maire und Schouten Fünfundzwanzig (Dreiundzwanzig) Inseln genannt, sind eine Inselgruppe des Bismarckarchipels (Deutsch-Neuguinea) zwischen 1° 53' bis 2° 48' s. Br. und 146°-148° 16' ö. L. Sie führt ihren Namen nach der Hauptinsel der Gruppe, der Großen Admiralitätsinsel oder Manus (s.d.), welche auf ca. 1900 qkm Fläche weitaus den größten Teil des Gesamtflächeninhalts (ca. 2600 qkm) der Inselgruppe umfaßt. Die wichtigsten Nebeninseln sind Mbuke (Zuckerhutinsel), St. Andrewinseln, Lou (St. Georg), Baluan (St. Patrick), Pom, San Miguelinseln, Rambutjo (Lambutjo, Jesus-Maria), Pak (St. Gabriel), im Süden, Südosten und Osten, Ponam und Noru im Norden. Der geologische Bau ist noch sehr wenig bekannt; insbesondere ist das Innere der Hauptinsel noch kaum betreten; es scheint aber, als ob junge Eruptivgesteine die hohen Inseln in erster Linie aufbauten. Für die Eingeborenen sind von großer technischer Wichtigkeit die Obsidianvorkommen von Lou (s.d.), Pom Lin und Pom Mandrian (s.d.), weil sie von hier das Material für ihre Speerspitzen und Messer gewinnen; ebendort findet sich auch Roteisenstein. Korallenkalke kommen an den Bändern der größeren Inseln vor und bauen für sich allein kleinere Eilande auf. Nicht selten bieten vorgelagerte Koralleninselchen oder Riffe den Schiffen Schutz und schaffen so brauchbare Häfen. Die nicht korallinen Inseln erreichen ansehnliche Höhen, so die gebirgige Hauptinsel Manus 915 m, Lou (nach der Seekarte Lon) 281 m, Mbuke 244 m, Rambutjo 213 m, Baluan 183 m; sie sind zumeist reich bewässert und dicht bewaldet; doch spielen auch Alang-Alang-Fluren eine gewisse Rolle und leuchten als hellere Flächen aus dem dunklen Wald hervor. Die Küsten sind bisher großenteils nur flüchtig aufgenommen, so daß der Seefahrer nur mit großer Vorsicht fahren kann. Genaue Vermessungen liegen vor vom Nareshafen (im NW von Manus), sowie vom Seeadler-, vom Hyäne- und Kelauahafen (im O von Manus) und von den Ankerplätzen bei Pak, Baluan und St. Andrew-Inseln. Vgl. Deutsche Seekarte Nr. 48. S.a. Manus.
Sapper.

2. Klima. Das Klima ist ein mäßig feuchtes, tropisches Seeklima. Näheres s. Bismarckarchipel.

3. Pflanzenwelt. Die Hauptinsel Manus ist mit Hochwald bedeckt. An der Küste treten hier und da Mangrove auf, ferner die typischen Strandbäume, wie Calophyllum, Pandanus, Hibiscus und reiche Kokospalmenbestände. Die kleinen vorgelagerten Inseln tragen die Vegetation der Koralleninseln (s. Marshallinseln).
Lauterbach
.

4. Tierwelt. Sie ist arm an Säugetieren und im übrigen der des Bismarckarchipels (s.d.) gleich.

5. Bevölkerung (s. Tafel 27/28, 30, 34, 180). Die Bevölkerung der A. ist bis heute noch wenig bekannt. Sie wird auf etwa 30 000 Seelen geschätzt und setzt sich aus zwei, möglicherweise drei Elementen zusammen. Die ersten beiden, die sich kulturell und anthropologisch gegenseitig stark beeinflussen, sind die Manus (Moanus) und die Usiai (Uisiai). Als Bindeglied zwischen diesen Stämmen stehen die Matankol (Matankor). Die ersten unterscheiden sich sprachlich, wirtschaftlich und kulturell von den beiden übrigen. - Die Manus reden eine melanesische Sprache und bevölkern als seefahrttreibende Leute die kleinen Inseln des Archipels, auch faßten sie Fuß an den Küsten der großen Inseln. Sie leben in Pfahlbauten. - Die Matankol und Usiai bewohnen die hohen Inseln; ihre Sprache ist anders als die der Manus. Sie betreiben Landbau und wohnen in bodenebenen Hütten, die Matankol am Strande oder in seiner Nähe, die Usiai im Innern der hohen Inseln. - Wenige, durch ihre Kleinheit besonders auffallende Knochen lassen auf das Vorkommen von Pygmäen schließen, die das dritte Element bilden würden. Die Menschen sind von mittlerer Größe (160-165 cm), gut proportioniert und kräftig gebaut; sie haben dunkelbraunes, krauses und gelegentlich schlichtes Haar. Darin verrät sich fremde Beimischung, die durch den Verkehr mit den Paramikronesiern, Mikronesiern, den hellfarbenen Stämmen Indonesiens und der vorgelagerten Inseln Neuguineas bedingt sein dürfte. Die Haut ist vorwiegend lichtbraun gefärbt, obschon die Leute, die in der Nähe der See leben, durch die vereinte Wirkung von Seewasser und Sonnenbrand dunkler gebräunt sind. - Die A.leute sind durchweg sehr intelligent und geistig vorzüglich veranlagt, dabei allerdings leicht erregbar, hinterlistig, schwer lenkbar und gern zu Gewalttaten geneigt. - Die drei Stämme leben untereinander in steter Fehde; die Manus beanspruchen den ersten Rang; sie betrachten die zersplitterten, in abgeschlossenen Staatsgebieten lebenden Usiai und Matankol als ihre minderwertigen Hörigen. - Überall ist dies nicht der Fall, denn an manchen Orten haben die Usiai oder Matankol ein Übergewicht über die Manus erlangt. Im Frieden basiert der Verkehr auf wirtschaftlichen Grundlagen. Jeder Stamm erzeugt an seinen Wohnplätzen seinen Bedarf an Lebensmitteln und Geräten, den er zu bestimmten Zeiten an besonderen Märkten gegen andere Erzeugnisse eintauscht. Im Gebiet der kleinen, namentlich der korallinischen Inseln, ist dieser Austauschverkehr erheblich intensiver als an den großen Inseln. Ein entschiedenes Übergewicht erlangten die Manus durch die Berührung mit den weißen Händlern, die naturgemäß mit den Küstenleuten zuerst in Verkehr traten und sie zu Zwischenhändlern mit den Usiai und Matankol machten. - Die staatliche Organisation ist wenig bekannt. Jedes Dorf bildet für sich ein abgeschlossenes Staatswesen, in dem es Freie und Hörige gibt. Die ersten haben verschiedene Rangstufen, die sich zum Teil nach den Besitzverhältnissen regeln. Gelegentlich vereinigen sich einige Dörfer zu einer lockeren Gemeinschaft, die keinen dauernden Bestand hat. Nur in wenigen Fällen steht eine Insel oder eine kleine Gruppe unter der Botmäßigkeit eines einzelnen Mannes, des "Häuptlings", ihm sind dann mehrere Dörfer unterstellt, die einzeln von einem "Dorfschulzen" verwaltet werden. - Die Ehe ist eine Kaufehe und streng monogamisch; nur die Vornehmen dürfen mehrere Frauen besitzen. Sie wird durch den Totemismus (s.d.) und das Zweisippensystem geregelt. Ein rechtes Familienleben existiert nicht; denn die Eheleute wohnen in getrennten Häusern, essen auch getrennt voneinander; der Mann hat keine absolute Gewalt über die Frau. Die Männer leben meist zusammen in den großen Junggesellenhäusern, wo auch die von den Weibern zubereiteten Speisen genossen werden. Den Frauen ist der Zutritt zu diesen Häusern streng untersagt. - Zur Zeit der Pubertät werden für Knaben und Mädchen besondere Weihen abgehalten; die beginnen mit der Durchbohrung der Ohrläppchen und enden in einer 30tägigen resp. 6monatigen Klausur. - Die Leichenbestattung ist verschieden. Soweit die im Kampfe Erschlagenen nicht aufgefressen werden, bestattet man die mitgenommenen Gefallenen oder die eines natürlichen Todes Gestorbenen. Man bewahrt sie bis zu ihrer Verwesung im Sterbehause auf und verscharrt sie danach im Busche oder versenkt sie ins Wasser. Frauen bestattet man im Hause. Einzelne Knochen werden als Amulette, Zaubergeräte und Medizinen aufbewahrt. - Bei Krankheiten leisten diese gute Dienste; auch verwendet man dagegen eine große Anzahl heilkräftiger Pflanzen oder animalische Bestandteile. Zaubersprüche und Beschwörungen erhöhen die Wirkung der Medizinen. - Bemerkenswert ist der Sympathiezauber; denn bei Krankheiten des Mannes glaubt man seine Genesung zu beschleunigen, wenn die Ehefrau sich den Körper mit geflochtenen Schnüren umwindet. - Die Religion der Eingeborenen beruht auf Animismus und Manismus. Es gibt eine große Anzahl von Schöpfungssagen für die Erde, Menschen und übrigen Dinge, die jedoch unter sich sehr verschieden sind. Überhaupt besitzen die Eingeborenen eine große Anzahl von Sagen und Märchen, die äußerst phantasievoll ein reiches Geistesleben und eine interessante Psyche offenbaren. Sie werden meist als Erzählungen wiedergegeben. Dagegen existiert eine Anzahl von Überlieferungen in gebundener Form, Epen, Totengesänge, Scherz- und Arbeitslieder. Die völkertrennenden Unterschiede in der Siedelungsanlage sind oben erwähnt. In der Konstruktion sind die eigentlichen Häuser nicht wesentlich verschieden. Zumeist sind es anspruchslose mit Sagoblättern gedeckte Hütten, die 5-6 m lang, 3-4 m breit und ca. 3 m hoch sind. Frauen- und Männerhäuser sind wenig voneinander und nur in ihrer inneren Einrichtung verschieden, gegen sie stechen die Versammlungs- oder Junggesellenhäuser durch ihre Größe (40 m lang, 12 m breit, 8 m hoch) und ihre Geräumigkeit ab. Pfosten, Gebälk sind hier überladen reich mit schwarz, weiß und rot ausgemalten plastischen Schnitzereien bedeckt, welche ihre Vorbilder der Fauna und Flora entlehnen. - Die wirtschaftlichen Verhältnisse werden durch die Wohnsitze bedingt. Die Manus sind Fischer, ausgezeichnete Seefahrer und verstehen die Töpferei. Sie besorgen den Zwischenhandel der einzelnen Inseln, bauen Kanus und besitzen eine vorzügliche Nautik, die sich auf ihren Wind-, Wasser- und Sternbeobachtungen aufbaut. Sie können Zeitbestimmungen ausführen und rechnen nach Sonnenjahren. - Die Usiai sind Landbauer, die in ihren Pflanzungen Taro, Yams, Sago, Zuckerrohr und Bananen anbauen, Produkte, welche sie wie die von ihnen angefertigten Tragkörbe, Taschen, Gürtel, geflochtenen Armringe und von ihnen hergestellten, geflochtenen und überkitteten Ölkrüge an die Manus und Matankol verhandeln. Die letzteren sind sowohl Fischer als Landbauer. - Als Geld dient, soweit die Produkte auf den Märkten nicht im gegenseitigen Tauschverkehr abgegeben werden, das Muschelgeld, welches aus kleinen runden weißen Plättchen hergestellt und auf Fäden aufgezogen wird. - Eine Arbeitstrennung ist insoweit durchgeführt, daß die Frauen die Speisen zubereiten, Wasser schöpfen, das Haus reinhalten, die Pflanzungsarbeit besorgen, Matten und Segel flechten, das Muschelgeld bereiten und dem Fang der kleinen Fische nachgehen. Alles andere ist Männerangelegenheit. - Die rechtlichen Verhältnisse sind einfach. Sie regeln sich nach den Standesverhältnissen der besitzenden Freien und der besitz- und rechtlosen Unfreien, die sich aus den Kriegs- und Beutezuggefangenen rekrutieren. Dem Häuptling steht uneingeschränkte Macht zu. Er ist gleichzeitig der erste Rechtsprecher. - Familien-, Ehe- , Erb-, Jagd-, Fischereirecht sind ausgebildet worden, so daß jeder Eingeborene eine klare Vorstellung vom Besitz und Eigentum des anderen hat. Das gilt von den Bodenliegenschaften, den Fruchtbäumen, den Haustieren (Schwein und Hund) und dem Gebrauchsgerät. Urboden wird Besitz dessen, der ihn bearbeitet. - Streitigkeiten um Boden, Pflanzungen, ferner Weibermangel und Blutrache sind die Veranlassung zu den vielen und blutigen Kriegszügen der Eingeborenen. In der Morgendämmerung geschehen die Überfälle, bei denen der Bedarf an begehrenswertem Fruchtbaumbesitz, Menschenfleisch, Sklaven und Frauen gedeckt wird. Die Verteilung der Betelnußrispe und ihre nach-folgende Verzehrung ist das äußere Zeichen des Friedens bei Besuchen. - Sport, Spiel, Tanz, Musik (Trommelgesänge) erhöhen die Lust an den Festlichkeiten, die gelegentlich der Kriegsvorbereitungen, Friedensschlüsse, Pubertäts-, Beschneidungs-, Hochzeits-, Toten-, Haus- und Bootbau- Fruchtbarkeitsfesten abgehalten werden. - Panflöte und Schlitztrommel dienen als Musikinstrumente. Die Trommel wird gleichzeitig als Telegraph im Nachrichtendienst verwendet, falls nicht besondere Rauch- resp. Feuer- und Spiegelsignale abgegeben werden. - Die materielle Kultur ist sehr reich. - Die Kleidung ist einfach. Die Männer tragen eine T-Binde aus Tapa, die Frauen eine Hüftschnur, in welche vorn und hinten ein bisweilen gefärbter, langer Schurz aus Gras oder Blättern eingeklemmt wird. Bei den Tänzen binden die Männer buntfarbene Schürzen aus Muschelgeld und Perlen um, die Frauen mit Federn und Nußschalen besetzte Rindenstoffe. Schmuck wird reichlich verwendet. In Friedenszeiten legt man ihn spärlicher an als im Kriege; dann malen die Männer den Körper rot an, behängen sich mit Haarklunkern aus Menschenhaar, befestigen mit einer Halsschnur den Kampfschmuck aus Vogelfedern und einem geschnitzten Menschenkopfe, den sie auf den Rücken herabhängen lassen, und zwängen den Penis in ein Ovla ovum-Schneckenhaus ein. - Besonderen Wert legt man auf sorgfältige, große wolkenartige Haarfrisuren, die durch Zierkämme prächtig ausgeschmückt werden. - Die Männer tragen überwiegend reicheren Schmuck als die Frauen. Begnügen sich diese mit Beinmanschetten, geflochtenen Armringen, breiten Hüftgürteln, Ohrschmuck und einem Amulettschmuck um den Hals, so tragen die Männer den eben erwähnten Schmuck und dazu noch Halsbinden aus den aufgereihten Zähnen des Hundes, Krokodils, Beuteltiers, Nassaschnecken, Coixfrüchten, Trochusarmringe und große flache Tridacnamuschelscheiben mit Schildpattauflage in durchbrochener Arbeit. Im übrigen verwenden beide Blätter, wohlriechende Blumen und bunte Federn als vorübergehenden Schmuck. - Tatauierung hat bei beiden Geschlechtern nur eine untergeordnete Bedeutung. - Die Geräte sind sehr mannigfaltig. Im Hausrat verwendet man Tontöpfe, die namentlich von den Manus auf Mbuki hergestellt werden, und Holzschalen aller Art und Größe, welche die Usiai auf dem Festlande aus großen Baumsegmenten anfertigen. Diese Schalen haben vielfach Tiergestalt und sind prächtig beschnitzt oder bemalt. Beide Völker tauschen diese wichtigen Haushaltsgeräte miteinander aus. Flache Schalen und große Hohlgefäße jeder Größe aus Flechtwerk finden ausgiebig Verwendung. Durch Bestreichen mit Parinariumkitt macht man es wasserundurchlässig. Schöpflöffel, Wasserflaschen, Sagoklopfer, Kopf- und Sitzbänke, Schlafpritschen vervollständigen den Hausrat. - Das Handwerkszeug besteht heute zum großen Teil aus eisernen Geräten, welche von weißen oder japanischen Händlern eingetauscht wurden. Daneben ist das alte noch in Gebrauch, so die Äxte mit steinernen, Tridacna- und Terebraklingen, Messer, Schaber aus Perlmutterschale oder Obsidiansplittern, Feilen, Pfriemen, Drillbohrer aus Madreporenkorallen oder Rochenstacheln. Der Feuerhobel dient zur Bereitung des Feuers. - Unter den Waffen nehmen Speere die erste Stelle ein. Sie sind durchweg zusammengesetzt und bestehen aus Rohr- oder Hartholzschäften, mit darauf gesetzter umwickelter, parinariumverkitteter Spitze aus Hartholz, Bambus, Rochenstacheln oder vornehmlich Obsidiansplittern. Die letzten sind für die A.kultur besonders charakteristisch. Die Ansatzstellen tragen reichlichen figürlichen Schmuck oder Zierornamente. Auch der Dolch hat eine Obsidian- oder Rochenstachelklinge. - Keulen finden geringe Verwendung, dagegen sind Schleudern und Bogen und Pfeil bisher nur für Jagdzwecke und als Kinderspielzeug bekannt geworden. - Als Genußmittel dienen neben Tabak Betel und Kawa. Die Kawa wird gestampft, der Betel gekaut. Den hierzu wichtigen Bestandteil, gebranntes Kalkpulver, bewahrt man in schön mit Brandmalerei verzierten Behältern aus Kürbis oder Bambusabschnitten auf und verwendet besondere Sorgfalt auf die langen Holzspatel, deren Enden mit besonders prächtigen figürlichen Schnitzereien (Mensch, Krokodil, Fischschwanz) versehen werden. - In der Fischerei benutzt man Netze aller Art, Schleppnetze, Streichnetze, Hamen, Handnetze, mehrzinkige Fischspeere, Pflanzengift, Angelhaken aus Trochus oder Perlmutter, Blänker und Fischereidrachen. Zur Beköderung des Blänkers benutzt man Spinnweben, die in besonderen Brutkolonien gewonnen werden. - Als Fahrzeug gebraucht man Auslegereinbäume in allen Größen. Bug und Heck sind mit Figuren (Krokodil) beschnitzt, und der Einbaum wird durch aufgesetzte Bordplanken erhöht. Auf dem Ausleger ist eine breite Gräting angebracht, und das Boot wird durch Paddeln oder mit Segeln fortbewegt. Der oben gegabelte Mast steht im Boote und führt ein viereckiges Mattensegel; große Boote, die weite Seereisen unternehmen, besitzen zwei Maste und zwei Segel. Zur Bootausrüstung gehören ferner ein steinerner Anker, ein Ölfaß mit nach innen gebogenem Griff, ein Herdkasten, Fischereigeräte, Speerbündel, Lebensmittel. - Die Kunstfertigkeit der Eingeborenen steht auf einer hohen Stufe. Holzbildhauerei, Reliefschnitzerei, Brandmalerei sind Kunstzweige der Admiralitätsinsulaner, von denen sie bei allen ihren Geräten, Schmuckgegenständen usw. ausgiebig Gebrauch machen.
Thilenius, Hambruch.

6. Europäische Unternehmungen. Bis vor kurzem gelang es nur in ganz geringem Maße, die Eingeborenen zur Arbeit auf Pflanzungen anzuwerben. Handel wurde mit ihnen anfänglich nur durch Segelschiffe getrieben, die hauptsächlich Kopra (s. Kokospalme) und Trepang gegen europäische Artikel eintauschten. Seit Anfang des letzten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts wurden vereinzelt auch feste Handelsstationen auf den vorgelagerten kleinen Inseln von seiten der Firmen auf der Gazellehalbinsel (Neupommern) angelegt. Wiederholte Überfälle der raub- und mordlustigen Eingeborenen auf diese Stationen wie auf Schiffe und mehrfache Morde an Weißen erschwerten jedoch den Handel und machten verschiedentlich Strafexpeditionen der Polizeitruppe erforderlich, zum Teil unter Mitwirkung deutscher Kriegsschiffe. An jetzt bestehenden europäischen Unternehmungen sind hauptsächlich die Kokospflanzungen der Firma Hernsheim & Co. (s.d.) zu nennen, die auch noch mehrere, je mit einem Europäer besetzte Handelsstationen unterhält. Daneben ist noch ein Japaner tätig, der ebenfalls Handel treibt und Pflanzungen anlegt.

7. Verwaltung. Die Sicherheit der Europäer wächst zweifellos mit der Errichtung einer Regierungsstation am 25. Okt. 1911. Bis dahin wurde die Lokalverwaltung vom Ksl. Bezirksamt in Rabaul mit besorgt. Am genannten Datum wurden die A. zugleich mit den sog. Westlichen Inseln aus dem Bereich des Ksl. Bezirksamts in Rabaul abgegrenzt und ein besonderer Stationsbezirk gebildet, der die als "A. und Westlichen Inseln" geographisch bekannten Inselgruppen zwischen dem 142° und 149° ö. L. und dem Äquator, sowie dem 3° s. Br. umfaßt (vgl. Bek. des Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea vom 1. Okt. 1911, KolBl. 1911 S. 926). Die Regierungsstation selbst ist am Seeadlerhafen im Osten der Hauptinsel der Gruppe errichtet. Sie führt den Eingeborenennamen der Hauptinsel, "Manus", als amtliche Bezeichnung. Das Personal der Station besteht aus einem Stationsleiter, einem Polizeimeister, einem Sanitätsgehilfen und 50 eingeborenen Polizeisoldaten. Die Station ist dem Gouverneur unmittelbar unterstellt. Hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehören die A. zum Bereiche des Bezirksgerichts und des Obergerichts in Rabaul.

8. Mission. Eine eigentliche Missionstätigkeit ist auf der Hauptinsel selbst bisher nicht ausgeübt worden. Die Katholische Mission vom Heiligsten Herzen Jesu (s.d.) hat aber schon seit längerer Zeit durch einflußreiche Häuptlinge Beziehungen mit den Admiralitätsinsulanern und beabsichtigt, demnächst daselbst auf der Hauptinsel eine Missionsstation mit zwei Paters und einem Bruder einzurichten, sowie im Anschluß daran Kokospalmpflanzungen anzulegen, die zum Unterhalt der Station dienen sollen.

9. Verkehrswesen. Seit einiger Zeit ist auf Manus eine Postagentur eingerichtet. Die Inselgruppen haben mit der Zentrale etwa alle drei Monate Verbindung durch den Lloyddampfer "Sumatra" (s. auch Deutsch-Neuguinea, Abschn. Verkehrswesen).
Krauß.

10. Entdeckungsgeschichte. Die A. wurden 1528 von Alvaro de Saavedra erreicht, dann 1616 von Le Maire und Schouten wieder entdeckt, 1767 von Carteret mit ihrem jetzigen Namen belegt, von Maurelle 1781 und d'Entre-casteaux 1792 wieder berührt. Erst im Jahre 1874 nahm der britische Kriegsschoner "Alacrity" eine Anzahl von Vermessungen in der Inselgruppe vor; im März 1875 folgten Untersuchungen der "Challenger", nach der deutschen Besitzergreifung solche deutscher Kriegsschiffe, besonders 1908 des Vermessungsschiffs "Planet". Im Jahre 1908 war die Hamburgische Südsee- Expedition (s.d.) hier tätig. S. Tafel : Deutsch-Neuguinea.
Sapper.

Literatur: Parkinson, R., Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttg. 1907. - Schnee, H., Bilder am d. Südsee. Berl. 1904. - Thilenius, G., Ethnogr. Ergb. a. Melanesien. Halle 1902/3. - Vogel, H., Eine Forschungsreise durch den Bismarckarch. Hamb. 1911.