Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 18

Affenbrotbaum, Baobab, Adansonia digitata L., aus der Familie der Bombacaceen (s. Tafel 1, 36, 37), monumentaler Charakterbaum vieler Steppengebiete im tropischen Afrika; in Ostafrika, im Kameruner Graslande, in Togo häufig und auch im Norden von Südwestafrika vertreten. Kein anderer Baum erreicht seinen gewaltigen Stammumfang. Wirft zur Trockenzeit die Blätter und steht 5-6 Monate blattlos, auch während der Fruchtreife. Die prächtigen weißen, bis 15 cm im Durchmesser erreichenden Blüten erscheinen in der Laubperiode, die an langen Stielen im kahlen Geäst hängenden Früchte erreichen Fußlänge. Form und Größe der Früchte wechseln mit Standort und Varietät, ebenso wie der Habitus des Baumes. Die Früchte enthalten ein süßsauer schmeckendes, stark weinsäurehaltiges, mehliges Mark, das in einigen Gebieten von den Eingeborenen als Genußmittel in verschiedener Form verwendet wird. Die schwarzbraunen Samen führen bis 38% Fett. Das wertvollste Produkt des Baumes ist die Rinde, die eine zu Stricken viel benutzte dauerhafte Faser besitzt. Die Rinde liefert auch ein recht brauchbares Material zur Papierfabrikation, kann aber in diese Industrie kaum eingeführt werden, da sie bei dem zerstreuten Vorkommen und langsamen Wachstum des Baumes nur schwer in den erforderlichen Mengen zu liefern ist.

Literatur: Pechuël-Loesche, Die Loango-Expedition, III. Abt., 1. Hälfte, 177 ff. - Warburg in Englers Pflanzenwelt Ostafrikas, Tl.B, 213. - Passarge, Die Kalahari, 682 ff. - Busse in Schenck u. Karsten, Vegetationsbilder, V. Reihe, Heft 7. 1907. (Daselbst weitere Literatur.)

Busse.