Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 18f

African Transcontinental Telegraph Company. Der im Jahre 1892 gefaßte Plan des Begründers und Hauptaktionärs der Transafrikanischen Telegraphen- Gesellschaft Cecil Rhodes war, den Süden Afrikas (Kapstadt) mit dem Norden (Kairo) durch eine oberirdische Telegraphenlinie zu verbinden. Parallel hiermit ging das hinsichtlich der Kosten und der Schwierigkeit der Ausführung noch weit bedeutsamere Werk Cecil Rhodes', eine den schwarzen Erdteil in der nämlichen Richtung durchschneidende Eisenbahnverbindung herzustellen (s. Kap-Kairo-Bahn). Beide Unternehmungen sind nach Cecil Rhodes' Tod im März 1902 ins Stocken geraten und bis auf den heutigen Tag ein Torso geblieben. Nach einem am 15. März 1899 zwischen der deutschen Regierung und der Telegraphen-Gesellschaft geschlossenen Abkommen sollte die Telegraphenlinie von Rhodesia im Süden nach Britisch-Ostafrika, im Norden durch Deutsch-Ostafrika geführt werden und binnen 5 Jahren hergestellt sein. Von Wichtigkeit waren für das Schutzgebiet folgende Bestimmungen des Abkommens: 1. die unentgeltliche Überlassung einer für den Telegraphenverkehr von Deutsch-Ostafrika dienenden Telegraphenleitung, die an dem auf deutschem Gebiet zu errichtenden Gestänge der Kap-Kairo-Telegraphenlinie anzubringen und in die beiden den deutschen Grenzen am nächsten gelegenen Stationen von Rhodesia einerseits und Britisch- Ostafrika anderseits zum Betriebe einzuführen war; 2. die Befugnis der deutschen Regierung, auch weitere für den Verkehr des Schutzgebiets erforderliche Telegraphenleitungen an dem durchgehenden Gestänge innerhalb der deutschen Grenzen anbringen zu dürfen. Der Verpflichtung zu 1 ist die Telegraphen-Gesellschaft nur teilweise nachgekommen; sie hat nur die Teilstrecke von Abercorn (Rhodesia) bis Udjidji und auch diese nur mit einem Leitungsdraht herstellen lassen, den Weiterbau der Linie nach Britisch-Ostafrika wegen unzulänglicher finanzieller Mittel und mangels Aussicht auf angemessene Rentabilität des Unternehmens bis jetzt aufgegeben. Von der Befugnis zu 2 ist bisher kein Gebrauch gemacht worden. Am 12. Mai 1902 konnte auf deutschem Gebiet die Telegraphenanstalt Bismarckburg eröffnet werden, und am 27. Dez. 1902 war die Telegraphenlinie bis Udjidji vollendet. Die dauernde Eröffnung dieser Telegraphenanstalt erfolgte, nachdem die Fehler der mangelhaften Anlage der Linie auf deutschem Gebiet zum größten Teil beseitigt waren, am 29. Mai 1903. Die Anschließung dieser beiden wichtigen Stationen am Tanganjikasee an das Telegraphennetz in den Jahren 1902 und 1903 ist nicht gering zu veranschlagen, zumal damals keine Aussicht bestand, den deutschen Zentraltelegraphen von Daressalam, der zu dieser Zeit von Kilimatinde nach Tabora vorgestreckt wurde, über Tabora hinaus bis nach Udjidji zu verlängern. Über die transafrikanische Telegraphenlinie und die Kabel an der Ostküste Afrikas besteht wenigstens seitdem telegraphische Verbindung zwischen der Hauptstadt Daressalam und den Stationen Bismarckburg und Udjidji. Von besonderem Nutzen hat sich diese Verbindung und insbesondere die Lokalverbindung zwischen den beiden Stationen am See erwiesen in dem im August 1905 ausgebrochenen und Anfang 1907 beendeten Eingeborenenaufstand in Ostafrika. Über die Länge und die Führung der transafrikanischen Telegraphenlinie ist zu bemerken: Von der ursprünglich geplanten 4380 km langen Linie, die die beim Baubeginn vorhandenen äußersten Punkte des afrikanischen Telegraphennetzes -Salisbury in Süd-Rhodesia und Faschoda im Sudan - verbinden sollte, ist nur die südliche Hälfte, von Salisbury bis Udjidji, von 2230 km Länge zur Ausführung gekommen. Das Nordstück, von Faschoda beginnend, ist überhaupt nicht in Angriff genommen worden. Im Norden haben sich inzwischen die ägyptischen Telegraphen nach Süden ausgedehnt und gegenwärtig Rajaf erreicht. Zwischen diesem Endpunkt und Udjidji klafft noch eine Lücke von 1270 km Länge. Das in Salisbury (Süd-Rhodesia) beginnende Südstück des transafrikanischen Telegraphen zweigt bei Umtali von der Linie Salisbury-Beira nach Norden ab, tritt in portugiesisches Gebiet ein, überschreitet hier bei Tete den Zambesi, biegt scharf nach Osten aus, bis Blantyre (Britisch- Zentralafrika) erreicht ist, und zieht in diesem Gebiet am Westufer des Njassasees über Domary-Bay und Florence-Bay nordwärts bis Karonga. Von hier führt die Linie in nordwestlicher Richtung an der Nordgrenze von Nord-Rhodesia entlang weiter nach Abercorn und Kituta, wo der Tanganjikasee erreicht wird. Nach Überschreiten der Grenze Deutsch-Ostafrikas erreicht die Telegraphenlinie über Bismarckburg in Udjidji ihren gegenwärtigen Endpunkt. Zurzeit schweben Verhandlungen mit der African Transcontinental Telegraph Company in London wegen Übernahme der auf deutschem Gebiet geführten Telegraphenlinie Abercorn Bismarckburg-Udjidji.

Literatur: Report of the Directors of the African Transcontinental Telegraph Company vom 16. Februar 1907, Archiv für Post und Telegraphie, Jahrgänge 1899, 342 ff; 1900, 129 ff und 1908, 261 ff. Puche