Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 19 f.

Afrikaaner oder Afrikaner, Name einer berühmten Häuptlingsfamilie der Hottentotten (s.d.), Deutsch-Südwestafrika; er wurde, wie dies in diesem Volke häufiger vorkommt, später für den ganzen Stamm gebraucht. Die A. stammen, wie ein nicht geringer Teil der hottentottischen Führer der späteren Zeit und ihrer Leute, aus der Kapkolonie. Der erste, der den Namen zur Familien- und Stammesbezeichnung erhob, war Jager, der mit seinen Anhängern sich durch die Flucht den Bedrückungen durch die Buren entzog und schließlich im Gebiet des Oranjeflusses ein Räuber- und Kriegerleben führte. Dort gelang britischen Missionaren die Bekehrung des ganzen Stammes zum Christentum. Mit dem Tode Jagers im Jahre 1823 begann die Glanzperiode des A.volkes, die zugleich die letzte größere Hottentotteneinwanderung von Süden her in das Gebiet von Südwestafrika bedeutete. Sein Sohn und Nachfolger Jonker A. zog zur Unterstützung der Roten Nation gegen die vordringenden Ovaherero nach Norden. Ihm gelang schließlich die Unterwerfung nicht allein der Herero (s.d.), sondern auch der sämtlichen Hottentotten im heutigen Schutzgebiet, so daß dieser kühne Häuptling in der Tat schließlich der Herr des ganzen Landes bis hinauf zum Gebiet der Ovambo (s.d.) im äußersten Norden war. Man hat ihn, der sich durch außerordentliche Begabung auszeichnete, nicht mit Unrecht den größten Eingeborenen von Südafrika genannt. Nach seinem 1861 erfolgten Tode ging die Herrschaft über den Stamm, der schon unter Jonker im Gebiet von Eikhams, dem heutigen Windhuk, sich niedergelassen hatte, auf Jan Jonker A. über, der später von den wilden Gegenden am Gansberge aus die Ovaherero in Gemeinschaft mit den Witbois (s.d.) bekämpfte, nachdem es ihnen im Beginn der sechziger Jahre gelungen war, sich von der drückenden Herrschaft der Hottentotten zu befreien. Überhaupt verlor Jan Jonker, weit schwächer als sein Vorgänger, nach und nach an Ansehen, und als er, aus den eroberten Sitzen seines Stammes verdrängt, im August 1889 ein Gefecht gegen die von Hendrik (s. Witboi) geführten Witbois in der Nähe von Tsaobis verloren hatte, wurde er während der einem Waffenstillstande geltenden Verhandlungen auf nicht ganz aufgeklärte Weise meuchlings erschossen. Der erst so gefürchtete Stamm, dessen letzte kümmerliche Reste im Südosten des Schutzgebietes Unterkunft gefunden hatten, sollte noch einmal von sich reden machen. Im Jahre 1897 erhoben sie sich, wurden aber mit Hilfe anderer Namastämme in einem Gefecht in der Gamsibschlucht zersprengt und, nachdem sie auf englisches Gebiet übergetreten, dann aber an die deutsche Regierung ausgeliefert waren, kriegsrechtlich erschossen. Damit war der größte Teil der schon durch die früheren Kämpfe stark verringerten A.hottentotten endgültig vom Erdboden verschwunden.

Literatur: H. Schinz, Deutsch-Südwestafrika. Lpz. 1891. - K. Schwabe, Mit Pflug und Schwert in Deutsch- Südwestafrika. Berl. 1899. - Ders., Im deutschen Diamantenlande. Berl. 1910.

Dove.