Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 23 f.

Agaven, zu den Amaryllidaceen (Narzissengewächsen) gehörige Pflanzen, die im Süden Nordamerikas und in Mittel- und Südamerika zuhause sind. Es gibt etwa 50 Arten, von denen sich viele in Kultur befinden. Die Pflanzen bilden mächtige, meist bodenständige Blattrosetten mit 40 und mehr fleischigen, bei manchen Arten bis zu 2 m langen Blättern, die an ihrer Spitze in einen Stachel auslaufen und auch an den Seitenrändern mit gekrümmten Stacheln besetzt sind. Aus dem Herzen der Rosette entwickelt sich - oft erst im späten Lebensalter - der mächtige Blütenschaft, der, kandelaberartig verzweigt, entweder reichlich Früchte oder Brutknospen (Bulbillen) trägt. Nach dem Verblühen geht die Pflanze zugrunde. Sie treibt an Ausläufern reichlich Ableger, die ebenfalls zur Vermehrung benutzt werden können. - In Mexiko und den angrenzenden Gebieten bereiten sich die Indianer aus dem Safte des Herzens nach Entfernung der jungen Schaftanlage Geistige Getränke, Pulque und Mescal. Wichtiger sind die A. als Faserpflanzen. Während der Anbau der meisten Faseragaven auf das Heimatland beschränkt geblieben ist, ist die Sisalagave (s.d.), A. sisalana, auch außerhalb in Kultur genommen worden und der Gegenstand eines umfangreichen Plantagenbetriebes in Deutsch-Ostafrika. Neuerdings ist noch auf zwei andere Agaven, die sog. Zapupe, A. rubescens, und die Agave Cantula aufmerksam gemacht worden, von denen die letztere in größerem Umfange in Holländisch-Indien kultiviert wird. - Die Fasern der A. finden in der Seilerei zu Schiffstauen, Garbenbindegarnen usw. umfangreiche Verwendung und können in ihren besten Qualitäten mit dem Manilahanf konkurrieren. - Aus einigen kleinblättrigen A., vor allen Dingen aus Agave heteracantha, ferner von der Liliacee Samuela Carnerosana sowie aus einigen Yuccaarten wird eine kürzere, steifere, meist in der Bürstenfabrikation verwendete Faser gewonnen, die sog. Ixtle, auch Tampicohanf oder Mexicanfibre genannt (s.d.).

Voigt.