Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 25 f.

Ahnenbilder sind Darstellungen menschlicher (im Gebiet des Totemismus [s.d.] auch tierischer u.a.) Figuren aus Stein, Holz oder andrem Material, die den Lebenden die Verstorbenen verkörpern sollen. Am klarsten erscheint die Verbindung zwischen A. und Verstorbenen dort, wo einem auf Holz geschnitzten Körper etwa der echte Schädel aufgesetzt oder doch ein Knochen des Verstorbenen angefügt ist (Melanesien), oder eine Figur zum A. gemacht wird, indem ein durch einen Pflock verschlossenes Loch Weichteile des Toten einschließt (Indonesien). Hierher gehören auch die Schädel, die in den Häusern aufbewahrt werden und an denen die Weichteile durch plastische Massen und Muschelstücke wiederhergestellt sind, wobei anscheinend gelegentlich eine Individualisierung angestrebt wird (Kaiserin-Augustafluß, Neuguinea). Naturalistische Nachbildungen aus Ton oder z.B. der Ersatz des Schädels durch eine entsprechend bearbeitete Kokosnuß bilden einen Übergang zu den ganz aus fremdem Material hergestellten A., die jedoch stets in dem besondren Kunststil des Volkes gearbeitet sind. Die Steinkolosse Ostpolynesiens gehören ebenso hierher wie die kleinen Figürchen, die als Schmuck am Haus und Boot, am Körper oder an der Kleidung und Geräten angebunden werden oder als Ornamente an Balken, Kopfbänken, Schüsseln, Trommeln usw. erscheinen. Gelegentlich werden auch ganze Reihen von Ahnen durch aneinander gereihte Figürchen oder Köpfe dargestellt, die dann einen ornamentierten Stab, ein Brett usw. bilden. Mehr oder minder deutlich verbindet sich mit solchen Darstellungen der Gedanke, daß die Seele des Toten ihren Sitz in dem A. hat und seinem Besitzer Nutzen bringt. Nur wo die ornamentale Absicht überwiegt, fehlt diese Vorstellung wohl; auf der anderen Seite verliert überall das ältere A. seinen Wert als Schutzmittel und wird nicht mehr als heilig angesehen, da im letzten Grunde das wirksame Element in der Erinnerung an den Toten und seinen Einfluß liegt, nicht aber in dem A.

Thilenius.