Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 26 f.

Akazien (s. Tafel 47, 62). Der Familie der Hülsenfrüchtler oder Leguminosen angehörig, zählen die A. in der gesamten alten Welt zu den charakteristischsten Vertretern einer typischen Steppenflora. Es sind teils Bäume, sehr häufig mit ausgesprochener Schirmkrone, teils Sträucher, gelegentlich auch Kletterpflanzen, die waldartige Bestände anderer Holzgewächse zu fast undurchdringlichen Dickichten gestalten können. Den meisten sind gefiederte Blätter eigen; nur unter den australischen Arten stoßen wir auf solche, die scheinbar ungefiederte Blätter besitzen. In Wahrheit sind diese letzteren umgewandelte Blattstiele; die Blattspreite gelangt bei ihnen gar nicht oder nur in Ausnahmefällen, zur Ausbildung. Die weißen oder gelben, mit 10 freien Staubgefäßen und einem Fruchtknoten versehenen, radiär nach der 5-Zahl gebauten Blüten der A. sind an sich unscheinbar, werden aber dadurch auffällig, daß sie sich zu kugligen Köpfen oder bis handlangen Trauben dicht zusammendrängen. Die botanisch wichtigsten Unterschiede der mehrere Hundert umfassenden Arten bieten die als Hülsen zu bezeichnenden, aus einem Fruchtblatt hervorgegangenen, aber mit 2 Klappen aufspringenden Früchte dar. Sie sind sehr verschieden breit und lang, bald holzig oder pergamentartig, bald sichelartig oder bis zu einem Kreise gekrümmt. Die afrikanischen Arten haben an den Zweigen meist paarig gestellte entweder aus der Umbildung von Nebenblättern hervorgegangene nagel- bis fingerlange Dornen oder stachlige Emergenzen, die später, wenn die Zweige der erwachsenen Bäume dem Fraß weidender Tiere entzogen sind, sich verlieren können. Die Dornen mancher strauchartigen Formen werden gelegentlich durch den Stich eines Insekts zu bald spindelförmigen, bald am Grunde blasig aufgetriebenen Gallen umgebildet, die später, wenn das Insekt ausgeschlüpft ist, von Ameisen bewohnt werden (Flötenakazien). - Von den deutschen Kolonien birgt die zahlreichsten Arten Ostafrika, nicht viel weniger Südwestafrika; aus Togo sind deren 9 bekannt, die wohl alle auch in Kamerun, besonders in Adamaua, vorkommen. Einige, so die durch kreisrunde Hülsen ausgezeichnete Acacia albida, fehlen in keinem dieser Schutzgebiete, andere sind auf Ostafrika (A. Brosigii, Stuhlmannii, usambarensis) oder auf Südwestafrika beschränkt (s. Giraffenakazie). - Die Stämme mancher A. geben gutes Bauholz (A. Brosigii), wichtigere Nutzpflanzen sind indessen diejenigen, welche das Gummi arabicum, (s.d. n. Tafel 62) liefern. Die Rinde sehr vieler ist gerbstoffreich. Die Hülsen der Acacia arabica werden als Gerbmaterial (Gambia pods) exportiert (s. Gerberakazien).

Literatur: Harms, Einige wichtigere A. des trop. Afr. Notizbl. des Kgl. Bot. Gartens u. Mus. zu Berlin Nr. 37, 1906.

Volkens.