Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 32

Albinismus ist ein Zustand der Haut mit ihren Anhangsgebilden (Haare, Nägel usw.) und der Augen, bei dem diesen Organen die normale Pigmentierung fehlt. Bei totalem A. erscheint die Haut weiß, ebenso das Haar, die Pupille dagegen rot, da der Augenhintergrund durchscheint. Bei dem sehr viel häufigeren partiellen A. ist entweder die Gesamtmenge des Farbstoffes der Haut und des Haares gleichmäßig verringert (Leucismus), so daß die Individuen nur wesentlich heller aussehn als andere des gleichen Volkes, oder der Farbstoff ist ungleichmäßig in der Haut verteilt, und die Individuen zeigen größere und kleinere weiße Flecken neben der normalen Hautfarbe und weiße Stellen im Haar; bei partiellem A. kann die Irisfarbe normal sein, doch finden sich bei solchen Albinos dunkelhäutiger Völker auch häufig blaue oder graue Farben als Anzeichen verminderter Pigmentierung des Auges. A. kommt bei allen Wirbeltieren, vielleicht im ganzen Tierreich vor, auch bei allen Menschenrassen, ist aber bei Negern und Melanesiern am auffälligsten. - A. ist eine angeborene Hemmungsbildung, deren Ursache wir nicht kennen, wenn man auch versucht, sie als Zeichen der Degeneration anzusehn; sie ist vererbbar. A. höheren Grades ist für die betroffenen Individuen unbequem, da die normale Funktion der Haut zumal in den Tropen beschränkt ist, und die wenig oder gar nicht pigmentierten Augen Lichtscheu bedingen. Den Eingeborenen, bei denen oft Weiß die Farbe des Todes oder der Geister ist, gelten Albinos als besonders zauberkundig und entweder als gutartige Wesen oder als Kinder von bösen Geistern mit Menschenweibern. - Fälschlich bezeichnet man als A. auch erworbene Formen von Entfärbung der Haut, die durch parasitäre Hautkrankheiten, Syphilis, Narbenbildungen zustande kommen; sie lassen indessen das Pigment des Auges stets unberührt.

Thilenius.