Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 38 f.

Amboland. Unter A. versteht man in der Regel nur das von den Ovambo (s.d.) bewohnte Gebiet in Deutsch-Südwestafrika. Doch ist festzuhalten, daß die deutsche Grenze die diesem Volke als Wohnsitz dienenden Gegenden etwa in der Mitte schneidet, so daß also ein nicht geringer Teil der im weiteren Sinne als A. zu bezeichnenden Landschaften in der portugiesischen Angolakolonie liegt. Hier soll indessen nur auf den deutschen Teil, des A. eingegangen werden. Das innerhalb des Schutzgebietes von Ovambo eingenommene Gebiet erstreckt sich von 14° ö. L. bis etwas über 17° hinaus nach Osten. Nach Süden reicht es etwa bis zum 19° s. Br., bis in die Nachbarschaft der großen Etoschapfanne. Die Größe des Ganzen beträgt somit nicht mehr als rund 40000 qkm; das A. kommt damit an Ausdehnung etwa der Provinz Schlesien gleich, beherbergt aber, obwohl es nur etwa ein Zwanzigstel der Gesamtfläche des Schutzgebietes bildet, doch wenigstens den dritten, wenn nicht gar einen noch größeren Teil seiner Gesamtbevölkerung. Das A., trägt einen ausgesprochen ebenen Charakter. Seine Höhe beträgt zwischen 1000 und 1100 m, und innerhalb dieser Grenzen bewegen sich höchstwahrscheinlich alle im Lande vorkommenden Höhen. Selbst Hügel fehlen hier, und kaum ein Teil der außerhalb der Kalahari und des Okavangogebiets gelegenen Landschaften zeichnet sich durch eine so durchgehende Flachheit aus wie dieses Gebiet. - Auch in den hydrographischen Verhältnissen äußert sich dieser Charakterzug des Landes in mehrfacher Hinsicht. Bei der Geringfügigkeit der Höhenunterschiede vermochten selbst die nach der Etoschapfanne gerichteten Rinnsale eigentliche Täler nicht aus der flachen Landschaft herauszuarbeiten. Zwischen Olukonda und der Pfanne beträgt das Gefälle selbst in der Luftlinie 1 : 2500, eine im außertropischen Südwestafrika kaum wieder vorkommende Verhältniszahl. Mit seiner Zugehörigkeit zum Etoschagebiet rechnet ferner ein großer Teil des A. zu den abflußlosen Landschaften des Schutzgebiets. - Das Klima des A. ähnelt zwar im Gange der Temperatur dem des nördlichen Hererolandes, unterscheidet sich aber von ihm durch die größere Höhe der Temperaturen (s. den Abschnitt Klima, Allgemeiner Teil). Jedenfalls sind diese zu hoch für den Nordeuropäer, der körperlich anstrengende Arbeit leisten will. Wenn L. Schultze betont, daß die Temperaturhöhe kein Hindernis für eine Besiedelung des Ambolandes abgeben würde, so irrt er darin. Bei der Bedeutung des Gegenstandes ist daran zu erinnern, daß dem schon die geringe Jahresschwankung bei den an und für sich hohen Temperaturen widerspricht, denn sie beträgt hier 2-3° weniger als im Hererolande. Während ferner die Mittel der Temperatur selbst im kühlsten Monat nur um 2° hinter derjenigen von Moschi in Ostafrika zurückbleiben, beträgt die höchste Durchschnittstemperatur, die des November, beinahe 4° mehr als in dem angeführten, nur wenig höher gelegenen tropischen Ort. Zudem sind die sommerlichen Minima zu hoch, als daß die Nächte eine ähnliche Erfrischung zu bringen vermöchten, wie sie im Hererolande eigentlich in allen Jahren beobachtet wird. Die Niederschläge (s. Deutsch- Südwestafrika, 3. Klima) sind reichlicher als im Süden, aber sie haben bei der Flachheit des Landes eine Durchfeuchtung des Bodens zur Folge, die, im Süden unbekannt, zu weiteren Unzuträglichkeiten in gesundheitlicher Hinsicht führt. Schwerere Fieber als im Hererogebiet und manche andere Krankheiten, namentlich aber eine größere Schwüle, sind die Folge davon, und besonders der zuletzt angeführte Umstand verbietet ebenfalls eine spätere Besetzung des Landes mit weißen Ansiedlern. - Günstig wirken diese Niederschläge allerdings in jeder anderen Beziehung auf das Land; obwohl auch eine längere Trockenzeit die sommerlichen Regen unterbricht, ist der Norden des Landes nicht mehr von Steppenwuchs bedeckt, sondern er wird von einer Waldzone eingenommen, die allerdings zur Trockenzeit nicht den gleichen Anblick gewährt wie im Sommer. Der Wald erscheint dann weniger dicht, der Boden nackt und die Bäume selbst entbehren der Blätter. Anders in der Regenzeit; die Waldungen bieten dann ein völlig entgegengesetztes Bild, und ihr dichtes grünes Laubdach läßt nur selten einen Sonnenstrahl ungehindert hindurch. Seinen tropischen Charakter offenbart das A. auch in der Häufigkeit der Palmen, die stellenweise in größeren Beständen auftreten. Die Tierwelt ist, wie aus der nördlichen Lage des Landes hervorgeht, eine Übergangsfauna zwischen den im außertropischen Schutzgebiete verbreiteten Arten und denen des wasserreicheren Sambesigebiets. Doch ist ihre Entwicklung bei der verhältnismäßig dichten Bevölkerung keineswegs so sehr in die Augen fallend wie selbst heute noch in den weniger stark besiedelten Landschaften des Schutzgebiets. Über die Bevölkerung s. Ovambo.

Literatur: H. Schinz, Deutsch- Südwestafrika. Lpz. 1891. - G. Hartmann, Das Amboland, ZGErdk. 1902.

Dove.