Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 41 f.

Amelanesier, vorläufige Bezeichnung der Volksstämme, welche kulturell und vor allem sprachlich, zum Teil auch somatisch von den übrigen Bewohnern der deutschen Südsee unterschieden werden müssen, den Melanesiern (s.d.), Mikronesiern (s.d.) und Polynesiern (s.d.). In ihnen hat man eine den Australiern nahestehende Bevölkerung zu vermuten, die ehemals die Karolinen, den Bismarckarchipel, Neuguinea und die Salomoninseln bewohnte. Von den indonesischen Einwanderern, den späteren Melanesiern und Polynesiern, wurden sie zurückgedrängt, auf den Karolinen gänzlich absorbiert. Rein, an den Berührungsgebieten vermischt, haben sie sich in Kaiser-Wilhelmsland, auf der Gazellehalbinsel, im Südosten und im Innern von Bougainville erhalten. Diese A. müssen bei der Annahme eines gemeinsamen Stammbaumes und ihrer vermuteten Verwandtschaft sich schon vor außerordentlich langer Zeit voneinander getrennt haben. Jeder einzelne Stamm konnte so seine somatische und kulturelle Eigenart in spezifischer Weise ausbilden. Eine Erklärung für die außerordentliche Zerstreuung dieser Völker ist darin zu suchen, daß sie einst auf irgendwelchen Fahrzeugen auf die einzelnen Inseln gelangten und später die Kenntnis der Seefahrtskunst völlig einbüßten (s. Papua u. Papuasprachen).

Thilenius.