Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 47

Amtsenthebung, die vorläufige Dienstenthebung eines Kolonialbeamten (Suspension vom Amte). Sie tritt kraft Gesetzes ein: 1. wenn im gerichtlichen Strafverfahren seine Verhaftung beschlossen oder gegen ihn ein noch nicht rechtskräftig gewordenes Urteil erlassen ist, welches den Verlust des Amtes kraft Gesetzes nach sich zieht; 2. wenn im Disziplinarverfahren eine noch nicht rechtskräftige Entscheidung ergangen ist, welche auf Dienstentlassung lautet. Die Suspension kann ferner verfügt werden, sobald gegen den Beamten ein gerichtliches Strafverfahren eingeleitet oder die Einleitung eines förmlichen Disziplinarverfahrens verfügt wird oder auch demnächst im Laufe des einen oder anderen Verfahrens bis zur rechtskräftigen Entscheidung. Diese Befugnis wird gegenüber Kolonialbeamten mit Ksl. Bestallung, sowie gegenüber richterlichen Beamten vom RK., gegenüber anderen Beamten vom Gouverneur ausgeübt. Ist Gefahr im Verzuge, so kann Beamten mit Ksl. Bestallung der Gouverneur, richterlichen Beamten der Oberrichter, sonstigen Beamten jeder Vorgesetzte die Ausübung der Amtsverrichtungen vorläufig untersagen. Es ist aber darüber sofort an die Oberste Reichsbehörde zu berichten. Diese Untersagung hat eine Kürzung des Diensteinkommens nicht zur Folge. Über die im Falle der Suspension sonst stattfindenden Verkürzungen des Diensteinkommens und wegen sonstiger Einzelheiten vgl. §§ 125 ff ReichsBG. und § 43 KolBG.

v. König.