Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 47

Amtsgeheimnis. Über die vermöge seines Amtes ihm bekanntgewordenen Angelegenheiten, deren Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich oder von seinem Vorgesetzten vorgeschrieben ist, hat der Beamte Verschwiegenheit zu beobachten, auch nachdem das Dienstverhältnis aufgelöst ist. Im einzelnen gelten folgende Bestimmungen: Bevor ein Reichsbeamter als Sachverständiger ein außergerichtliches Gutachten abgibt, hat er dazu die Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde einzuholen. Ebenso haben Reichsbeamte, auch wenn sie nicht mehr im Dienste sind, ihr Zeugnis in betreff derjenigen Tatsachen, auf welche die Verpflichtung zur Amtsverschwiegenheit sich bezieht, insoweit zu verweigern, als sie nicht dieser Verpflichtung in dem einzelnen Falle durch die ihnen vorgesetzte oder zuletzt vorgesetzt gewesene Dienstbehörde entbunden sind. Diese Bestimmungen der §§ 11 u. 12 ReichsBG. gelten auch für die Kolonialbeamten. Für sie ist noch besonders bestimmt, daß zu Vorträgen über die Verhältnisse in den Schutzgebieten und zu außeramtlichen Veröffentlichungen, welche nicht lediglich privater Natur sind, die vorgängige Genehmigung des RKA. einzuholen ist. Auch bei Mitteilungen an Angehörigre und Bekannte sowie bei Gesprächen in öffentlichen Lokalen über die Verhältnisse in den Schutzgebieten ist Zurückhaltung geboten, da nicht übersehen werden kann, inwieweit mit solchen Mitteilungen Mißbrauch getrieben wird.

v. König.