Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 47

Amtspflichten. Nach § 10 des ReichsBG. hat jeder Reichsbeamte die Verpflichtung, das ihm übertragene Amt der Verfassung und den Gesetzen entsprechend gewissenhaft wahrzunehmen und durch sein Verhalten in und außer dem Amte der Achtung, die sein Beruf erfordert, sich würdig zu zeigen. Wer die ihm obliegenden Pflichten verletzt, begeht ein Dienstvergehen und hat die Disziplinarbestrafung verwirkt (§ 72 ReichsBG.). Diese Bestimmungen gelten auch für die Kolonialbeamten. Im einzelnen ergeben sich die Amtspflichten der Kolonialbeamten aus dem KolBG. dem Reichs-BG., soweit es für die Kolonialbeamten gilt, und aus sonstigen Gesetzen, Verordnungen und Erlassen. Besonders wichtig sind die für die Kolonialbeamten ergangenen besonderen Bestimmungen, die den Anstellungserlassen beigegeben zu werden pflegen (abgedr. bei Tesch, D. Laufb. d. dtsch. Kol.-B. 1912 S. 106 ff). Zuweilen sind auch von seiten des Gouvernements für die Wahrnehmung bestimmter Ämter besondere Dienstanweisungen ausgearbeitet worden, eine Maßnahme, die sich für den Kolonialdienst um so mehr empfiehlt, als hier infolge des häufigen Beamtenwechsels die Bildung einer Tradition erschwert ist.

v. König.