Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 49

Anacardium. A. occidentale, Akajou, Kaschu, Cashew ist ein Verwandter des Mangobaumes, wahrscheinlich in Westindien heimisch und heute als Obstbaum über alle Tropen verbreitet. Er gedeiht im tropischen Flachlande und in mittleren Erhebungen überall dort, wo mindestens 1500 mm fallen. Der Baum wird bis zu 10 m hoch, hat große, lederige Blätter und kleine Blüten in umfangreichen Rispen. Der als Obst genossene Teil ist nicht die Frucht, sondern der birnenförmig angeschwollene Fruchtstiel, auf dessen breiter Basis die eigentliche Frucht etwas eingesenkt sitzt. Diese ist bis zu 3 cm lang, nierenförmig, hartschalig und von graubrauner Farbe. Sie enthält in ihrer Schale eine ölige Substanz (Cardol), die an der Luft schwarz wird und, auf die Haut gebracht, blasenziehend wirkt. Sie dient als Heilmittel und war früher als Anacardina, Elefantenlaus auch bei uns zum Entfernen von Warzen, als Mittel gegen Zahnschmerzen u. a. gebräuchlich. In den Tropen wird das Öl zum Haltbarmachen von Stricken, Hölzern, Büchern und zum Zeichnen von Wäsche benutzt. Der ebenfalls nierenförmige Samenkern wird wegen seines Gehaltes an wohlschmeckendem Öl wie Mandeln gegessen. Bei seiner Gewinnung ist Sorge zu tragen, daß die Kerne nicht mit dem Öl der Fruchtschale in Berührung kommen. In beschränktem Umfange finden die Kerne heute auch schon bei uns als Mandelersatz in der Marzipanfabrikation Verwendung und erzielen ganz annehmbare Preise. Einer umfangreicheren Nutzung der Kerne scheint die Schwierigkeit der Gewinnung zurzeit noch entgegen zu stehen. Der meist gelbe, manchmal etwas rot angelaufene, birnenförmige Fruchtstiel hat einen säuerlichen, etwas zusammenziehenden, erfrischenden Geschmack und wird entweder roh gegessen oder zu Konserven verarbeitet. In Brasilien werden diese Kaschuäpfel in Scheiben geschnitten zur Suppe genommen oder gebraten gegessen. Über die Kultur ist nicht übermäßig viel bekannt. A. wird aus Samen oder aus Stecklingen an Ort und Stelle gezogen und bevorzugt mäßig trockene Gebiete, besonders in der Nähe der See. Aus der Rinde gewinnt man eine Art Gummi arabicum , das insektenwidrig sein soll. Ferner soll auch in der Rinde ein kardolhaltiger Saft vorhanden sein. Das verhältnismäßig weiche, weißliche Holz ist als weißes Mahagoni bekannt. Damit dürfte auch die Benennung Acajou zusammenhängen, die von den Franzosen für das echte Mahagoni allgemein gebraucht wird. Verwandte Arten in Ostindien haben Früchte mit ähnlichen Eigenschaften, aber keine eßbaren Fruchtstiele.

Literatur: H. F. Macmillan, A Handbook of tropical gardening and planting. Colombo 1910. - Dr. K. Sehrwald, Das Obst der Tropen. Berl. (Süsserott).

Voigt.