Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band I, S. 49

Ananas (Bromelia Ananas), nach der Banane (s.d.) das wichtigste tropische Obst. Sie wird nicht nur in allen Tropenländern, sondern auch in kälteren Gebieten unter Schutz kultiviert. Ihre Heimat ist Amerika. Aus dem Wurzelstock erhebt sich ein etwa 40 cm hoher Stengel, der rosettenartig von den spiralig gestellten, bis zu 1 m langen, verhältnismäßig schmalen Blättern besetzt ist. Die Blüten verwachsen miteinander und bilden um den Stengel herum die in ihrer Form bekannte Scheinfrucht. Auf derselben setzt sich der Stengel fort und bildet eine Blattrosette. Von der A. gibt es eine Menge Varietäten, die nach der Beschaffenheit der Blätter (dornige und unbewehrte) und nach der Farbe der Früchte eingeteilt werden. Die beliebtesten Sorten sind die unbewehrte Cayenne, die Queenpine, die Red-(Jamaica)-Pine, die schwarze Jamaica, die Zuckerhutananas und ferner die Sorten. von Mauritius, Guatemala, Tahiti usw. Die Ananas verlangt einen humosen, hinreichend feuchten Boden und frostfreies, mehr trockenes Tropenklima. In anderen Gebieten bedarf sie des Schutzes, ev. sogar des Treibhauses. Die Pflanzweite ist je nach den Sorten verschieden, von 0,5-1 m. Die Pflanzungen verlangen sorgfältige Pflege und Düngung. Zur Fortpflanzung bedient man sich in der Regel der Seitentriebe oder der Wurzeltriebe. Diese liefern am schnellsten, in 8-16 Monaten, eine Ernte, der Gipfelschoß dagegen erst nach mehreren Jahren. Die Erträge pro Hektar schwanken zwischen 10000 und 50000 Früchten je nach Sorte und Klima. Mit dem Export von Ananas und Ananaskonserven beschäftigen sich vor allem die Westindischen Inseln, die Azoren, Singapur und die Sandwichinseln. In den deutschen Kolonien gibt es zurzeit nur eine beschränkte Kultur für den lokalen Bedarf. Nach Deutschland kamen über Hamburg 1912 22000 dz frische Ananas und ca. 10000 dz Ananas in Dosen. Auf Samoa ist vor kurzem eine Gesellschaft gegründet worden, die sich mit der Kultur der Ananas und mit deren Export nach fremden Ländern in Dosen befassen will. (Näheres s. Samoa-Plantagen- Gesellschaften.)

Literatur: Paul Hubert, Ananas. Paris 1908, Dunod et Pinat. - A. Marques, L'Ananas, Culture et Industrie, Paris 1909. Challamel. K. Sehrwald, Das Obst der Tropen. Berlin Süsserott, p. 21-25.

Voigt

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