Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 51 f.

Anecho, auch Klein-Popo (Little Popo) genannt, nächst Lome der wichtigste Ort an der Küste Togos, Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirkes. In A., das den Endpunkt der Küstenbahn Lome-A. bildet, befindet sich ein Regierungsarzt, ein Krankenhaus, welches nach dem verstorbenen Generalkonsul Dr. Nachtigal (s.d.) Nachtiga1krankenhaus benannt wird, eine Regierungsapotheke sowie eine Post- und Telegraphenanstalt. Mit dem Krankenhaus ist eine Regenmeßstation verbunden. Der Sitz der Lokalverwaltung befindet sich in der Nähe von A. in Sebe (s.d.). Die katholische Steyler Mission (s. Gesellschaft des Göttlichen Wortes) unterhält in A. eine von Europäern besetzte Hauptstation mit Kirche und eine Schwesternniederlassung; die wesleyanische Methodistenmission (s.d.) hat dort ihren Hauptsitz und eine Kirche. Zahlreiche europäische Handelshäuser unterhalten in A. Faktoreien, vielfach unter Leitung von Europäern. - Ein Teil der Eingeborenenbevölkerung gehört seiner Abstammung nach den Ewe (s.d.) an, ein Teil ist aus Ga- und Tschi-sprechenden Gebieten der Goldküste vor längerer Zeit eingewandert; die beiden letztgenannten Bevölkerungsteile sind heute mit den Ewe völlig verschmolzen. A. zerfällt in verschiedene Stadtteile, deren jeder einen besonderen einheimischen Namen führt. Einige Stadtteile, einschließlich der Europäerniederlassungen, liegen auf einem schmalen Dünenstreifen zwischen dem Meeresstrand und der Lagune, der infolge des beschränkten Raumes äußerst eng bebaut war. Die flachen Ränder der Lagune und zahlreiche Tümpelbildungen begünstigten die Entwicklung von Stechmücken, insbesondere der Stegomyien; da auf dem schmalen Dünenstreifen die Europäerniederlassungen zwischen den eng aneinandergebauten, äußerst starkbelegten Hütten der Eingeborenen zerstreut lagen, so traten in A. unter der Europäerbevölkerung öfters Gelbfieberepidemien auf. In neuerer Zeit sind die hygienischen Verhältnisse durch Aufschütten des Lagunenrandes und Verbreiterung des Bebauungsraumes sowie durch Verlegung eines Teiles der Eingeborenen nach der A. gegenüberliegenden Laganeninsel Adjido, welche mit A. durch einen festen Damm verbunden wurde, ganz wesentlich verbessert worden. Jährliche Regenmenge 831 mm (Durchschnitt aus 6 Jahressummen). - Die Ein- und Ausfuhr über die Seegrenze erfolgt seit 1905 ausschließlich über Lome durch Vermittlung der Küstenbahn. Die handelspolitische Bedeutung A.s liegt in dem Produktenreichtum seines Hinterlandes. Die von A. ausgeführten Mengen von Ölpalmprodukten sind bedeutend; in einzelnen Jahren ist auch die Ausfuhr von Mais recht erheblich gewesen. Von Wichtigkeit für die Entwicklung des A.handels sind auch die Lagunen (s.d.), welche günstige Wasserwege nach verschiedenen Produktenmärkten und nach den Produktionsgebieten am unteren Monu bieten. Der Amtsbezirk des Bezirksamts A. umfaßt den östlichen Teil des Küstenlandes Togos. Die Eingeborenenbevölkerung des Bezirks wird auf 123000 Köpfe geschätzt; die Bevölkerungsdichte beträgt 45,4 Personen auf das Quadratkilometer. Der Bezirk A. ist der dichtest besiedelte Bezirk Togos. Bis auf einige der Ga-Völkergruppe (s. Ga) angehörige Splitter sind die Eingeborenen Eweleute. In Tokpli (s. d.) ist dauernd ein weißer Beamter stationiert, der den Abbau des bei Tokpli vorhandenen Kalklagers und den Betrieb des dortigen Kalkofens leitet und zugleich administrative Aufgaben zu erfüllen hat; der betreffende Beamte ist dem Bezirksamtmann in A. unterstellt. Eine weitere, dem Bezirksamtmann unterstellte Nebenstation ist Tabligbó (s.d.).

v. Zech.