Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 54

Anklageverfahren. Nach der Strafprozeßordnung ist die Eröffnung einer gerichtlichen Untersuchung durch die Erhebung einer Klage bedingt, wozu die Staatsanwaltschaft berufen ist (§§ 151, 152). Diese erhebt die öffentliche Klage entweder durch einen Antrag auf gerichtliche Voruntersuchung oder durch Einreichung einer Anklageschrift bei dem Gericht (§ 168). In den Schutzgebieten fehlt es an einer Anklagebehörde. An Stelle der Staatsanwaltschaft ist der Bezirksrichter zum Einschreiten berufen. Er stellt insbesondere die der Staatsanwaltschaft im vorbereitenden Verfahren obliegenden Ermittlungen an. Eine Voruntersuchung findet nicht statt. An die Stelle der öffentlichen Klage tritt in den Fällen, in denen nicht sofort das Hauptverfahren eröffnet wird, die Verfügung des Bezirksrichters über die Einleitung des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten. Diese Verfügung hat die dem Angeschuldigten zur Last gelegte Tat unter Hervorhebung ihrer gesetzlichen Merkmale und des anzuwendenden Strafgesetzes zu bezeichnen. Der Beschluß, durch den das Hauptverfahren eröffnet wird, hat auch die Beweismittel anzugeben (§§ 56-58 KonsGG.).

Gerstmeyer.