Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 59 f.

Anophelesmoskiten sind die Stechmücken (s.d.), welche die Malaria (s.d.) übertragen. Es gibt viele untereinander durch kleine Kennzeichen verschiedene Anophelesarten, die aber alle die Hauptcharakteristika der Gattung gemeinsam haben. Die Hauptunterscheidungsmerkmale der A. gegenüber den gewöhnlichen Stechmücken (Culex) sind in einer Postkarte des tropenmedizinischen Instituts zu Hamburg in allgemeinverständlicher Form gegenüber gestellt (s. Tafel 5). In dem Merkversehen enthalten die auf Anopheles bezüglichen fettgedruckten Stichworte ein "a", die auf Culex bezüglichen ein "u". Dasselbe, was die Hamburger Mückenpostkarte in Poesie ausdrückt, sagt in Prosa die folgende ausführlichere Gegenüberstellung der Unterschiedsmerkmale von Anopheles und Culex (siehe unten). Eine der häufigsten, auch in NW-Deutschland verbreiteten Anophelen hat braungefleckte Flügel (An. maculipennis). - Als Anophelesbrutplätze können alle natürlichen und künstlichen Wasseransammlungen dienen, namentlich Gräben und Tümpel, die geschützt liegen und in denen eine Vegetation von Algen, Lemnen u. dgl. ist (s. Tafel 5). Auch nicht drainierte, d.h. nicht fließende Straßengräben sind in manchen Tropengegenden Anophelesbrutplätze (s. Tafel 6). Ferner kommen Wasseransammlungen in Blattwinkeln verschiedener Pflanzen als Brutplätze in Frage (z.B. bei den sog. Bromeliaceen); ferner auch künstlich geschaffene Brutplätze, z. B. Wasseransammlungen in Kokosnußschalen, Zinnbüchsen, Blumenvasen u. dgl. Bei der Mückenbekämpfung (s. Malaria) müssen alle diese Brutplätze beachtet werden. S. Malaria und Stechmücken.

Anopheles. Haustier, tritt stellenweise, namentlich in sumpfigen Marschgebieten auf. In den Tropen häufig an Zahl überwiegend. Ruheaufenthalt im Winter bzw. in Trockenzeit in den Tropen in dumpfen Wohnungen (Eingeborenenhütten), Ställen u. dgl. Nimmt anscheinend auch in Ruhezeit Blutmahlzeiten. Scheut das Licht, schwärmt und sticht hauptsächlich erst nach eingetretener Dämmerung. Stich weniger empfindlich. Tagesaufenthalt vorwiegend in dunklen Ecken feuchter dumpfer, namentlich Arbeiter- und Eingeborenenwohnungen. Beim Sitz an der Wand steht der Körper ab, an der Decke hängt er herunter. Körper und Stechrüssel in einer geraden Linie. Taster beim Männchen so lang wie Stechrüssel, kolbig verdickt. Taster beim Weibchen ebenso lang wie Stechrüssel. Eier einzeln oder zu 3-4 locker zusammenhängend auf der Wasseroberfläche, mit Schwimmhaut versehen. - Wetzsteinform. Larve dunkel-grünlich bis schwarz mit kurzem Atmungsrohr, parallel der Wasserfläche beim Atmen.

Culex. Wilde Art. Vorkommen ubiquitär. Meist in der gemäßigten Zone in Mehrzahl. Überwintert hauptsächlich in Kellern. Nimmt keine Blutnahrung beim Überwintern. Wird eher vom Licht angezogen, sticht zu jeder Tages- und Nachtzeit. Stich mehr empfindlich. Aufenthalt mehr im Hellen, an Fenstern usw. Sitzt parallel bzw. spitzwinklig zur Wand. Kopfteil vom Körper winklig abgesetzt. Taster beim Männchen etwas länger, winklig abgesetzt. Taster beim Weibchen sehr kurz, mit bloßem Auge kaum erkennbar. Eier zusammenhängend, 200-300 in kähnchenförmigen Haufen; Aussehen wie schwimmende Zigarrenasche. - Form einer abgebrochenen Lanzenspitze. Larven mehr grau-bräunlich, mit langem Atmungsrohr; beim Atmen in einem Winkel von 50-80° zur Oberfläche gestellt.

Literatur: Theobald, Monograph of Culicidae. London, 1901-1907. - Aysell, Die Steckmücken in Mense: Handb. d. Tropenkrankkeiten. Lpz. 1905, J. A. Barth.

Mühlens.