Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 61

Ansiedlungsbeihilfen. Eine unmittelbare finanzielle Unterstützung der Ansiedlung in den deutschen Schutzgebieten aus amtlichen Mitteln ist bisher nur in Deutsch- Südwestafrika gewährt worden. An Reichsangehörige, die sich als Landwirte im Schutzgebiete niederlassen wollten, wurden unverzinsliche Darlehen bis zu 6000 M bewilligt, deren Verwendung der Empfänger nachzuweisen hatte. Für diesen Zweck waren in den Etats von 1900 bis 1908 erhebliche Mittel eingestellt (Näheres in der Denkschrift des Gouverneurs über die Besiedlung Deutsch-Südwestafrikas zum Etat für 1907). Die Einrichtung ist von 1909 an aufgehoben worden, weil sie sich nicht bewährt hatte. Jetzt werden nur noch Ansiedlungsbeihilfen, an Kolonialbeamte und Schutztruppenangehörige, die sich nach Beendigung ihres Dienstverhältnisses im Schutzgebiete niederlassen, gewährt. Diese können den Betrag der ihnen für die Heimreise zustehenden Vergütung als Ansiedlungsbeihilfe erhalten. Die Bestimmung gilt für alle Schutzgebiete mit Ausnahme von Kiautschou, von praktischer Bedeutung ist sie vor allem für Deutsch-Südwestafrika. In Deutsch-Ostafrika werden auch Ansiedlungsbeihilfen an gutgediente landfremde, Farbige Soldaten der Schutz- und Polizeitruppe gezahlt, wenn sie nach Beendigung ihrer Dienstzeit nicht in ihre Heimat zurückkehren, sondern sich in der Nähe einer Station, wo ihre Dienste im Notfalle noch verwertet werden können, ansiedeln.

Volkmann.