Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 66 f.

Apothekenwesen. Das A. ist in den deutschen Schutzgebieten Afrikas und der Südsee mit Ausnahme von Deutsch- Südwestafrika, durch die im KolBl. vom 15. Febr. 1911 veröffentlichte RKV. vom 12. Jan. 1911 geregelt worden. Nach dieser Verordnung haben die Gouverneure die Befugnis, approbierten Apothekern die Erlaubnis zur Errichtung und zum Betriebe einer Apotheke zu erteilen. Die Schutzgebietsapotheken sind beschränkt verkäuflich, d. h. der Gouverneur kann beim Erwerb einer Apotheke dem Käufer die Erlaubnis versagen, wenn wichtige Gründe vorliegen. Im Anschluß an die RKV. sind von einzelnen Gouverneuren Ausführungsbestimmungen erlassen worden, die in der Hauptsache den Betrieb in den Apotheken, den Verkehr mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken und die Errichtung von Hausapotheken betreffen. - In Kiautschou ist das A. und der Verkehr mit Arzneimitteln durch eine V. des Gouverneurs vom 2. Juli 1901 geregelt worden. In den deutschen Schutzgebieten befinden sich zurzeit 15 Apotheken, davon entfallen auf Deutsch-Ostafrika 5 Vollapotheken und zwar je eine in Daressalam, Lindi, Muansa, Tabora und Tanga sowie eine Zweigapotheke in Aruscha. - In Deutsch-Südwestafrika bestehen 5 Apotheken, in Windhuk 2, die übrigen in Swakopmund, Lüderitzbucht und Keetmanshoop. Kamerun hat eine Apotheke in Duala, Deutsch- Neuguinea eine in Rabaul, Samoa eine in Apia und Kiautschou eine in Tsingtau. Außerdem befinden sich in Daressalam und in Tsingtau je eine von einem beamteten Apotheker geleitete Gouvernementsapotheke und in Windhuk und Keetmanshoop je eine von Militärapothekern geführte Lazarettapotheke. Die übrigen in den Schutzgebieten noch vorhandenen Regierungsapotheken stehen unter Leitung von Regierungsärzten. - Im Kolonialdienst befinden sich zurzeit als beamtete Apotheker drei Militär-, ein Zivil-, ein Marineapotheker und ein pharmazeutischer Hilfsarbeiter. Ein Militärapotheker (Korpsstabsapotheker) ist Referent für pharmazeutische und chemische Angelegenheiten im Reichskolonialamt, die beiden anderen (Stabsapotheker) gehören der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika an und sind Leiter der beiden dort befindlichen Sanitätsdepots und Lazarettapotheken. Als Zivilapotheker ist ein Nahrungsmittelchemiker, zugleich Apotheker, in Deutsch-Ostafrika angestellt. Er ist Vorstand des Sanitätsdepots und der Gouvernementsapotheke in Daressalam und hat die Geschäfte eines Regierungsapothekers wahrzunehmen. Der Marineapotheker, zurzeit Marine-Oberstabsapotheker, ist beim Gouvernement von Kiautschou angestellt. Ihm ist für den Dienst in der Gouvernementsapotheke ein Hilfsapotheker beigegeben. - Das Gehalt des dem Reichskolonialamt angehörenden Militärapothekers entspricht dem der Korpsstabsapotheker der Armee (3000- 7200 M Gehalt, Tarifklasse III). Die übrigen Militärapotheker beziehen als Stabsapotheker 2700-4500 M Gehalt und eine Kolonialzulage, von 4000 M. Der Zivilapotheker erhält 3000-6000 M Gehalt und eine Kolonialzulage von 4000 M (Klasse 5 der Besoldungsordnung). Der Marineapotheker gehört als Marine- Oberstabsapotheker zur Klasse 4 b der Besoldungsordnung und bezieht 3000-7200 M Gehalt und eine Kolonialzulage von 4700 M.

Adlung.