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Arbeiter. 1. Allgemeines. 2. Größe des Bedarfs. 3. Beschaffung. 4.
Wanderarbeit.
1. Allgemeines. Wirtschaftliche Betriebe, die über den Umfang des
Familienbetriebes hinausgehen, bedürfen zur Unterstützung des Betriebsleiters
weiterer Arbeitskräfte. Nach Beseitigung der Unfreiheit können dies nur
Lohnarbeiter sein. Ihre Beschaffung ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kolonialwirtschaft, da sie die Grundlage
aller Nutzbarmachung von Kolonien sind. In
Neuländern gemäßigter Klimata mit ganz geringer Bevölkerung, wie in Nordamerika,
Australien, Argentinien, ist es die Aufgabe der Einwanderungspolitik, die
nötigen Arbeiter heranzuziehen. In Kolonien mit eingeborener Bevölkerung muß der
Arbeiterbedarf aus dieser gedeckt werden, nicht bloß in ungünstigen Klimaten,
weil der Weiße in seiner Lebenshaltung mit den Farbigen nicht konkurrieren kann.
Nicht nur da, wo das Klima schwere körperliche Arbeit des Weißen nicht erlaubt,
sucht man dem Mangel an eingeborenen farbigen Arbeitskräften durch Heranziehung
fremder Farbiger abzuhelfen (s. Kuli). Nur
höherstehende, gelernte Arbeit wird von Weißen verrichtet, und die Tendenz
besteht überall, auch hierfür die billigen und fügsamen Farbigen zu verwenden.
Das ist der Zustand, der auch in sämtlichen deutschen Schutzgebieten besteht.
Die Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte ist die Lebensfrage vor allem für die
Entwicklung der großen und mittleren Betriebe in der Landwirtschaft, dem Bergbau und dem Verkehrswesen. Die Zahl der verfügbaren
Arbeitskräfte gibt das Maß für die Entwicklungsmöglichkeiten.
2. Größe des Bedarfs. In den tropischen Kolonien Afrikas spielt
neben
dem Arbeiterbedarf der Pflanzungen eine besondere Rolle die
Notwendigkeit,
alle Warentransporte durch Menschenkraft besorgen zu lassen, da die
Verwendung
von Last- und Zugtieren in weiten Gebieten auch nach dem Bau von Straßen
nur begrenzt möglich ist. Mit der Zunahme des Warenverkehrs sind immer
größere Trägermengen nötig geworden. Vor der europäischen Herrschaft
lieferten
die Sklavenjagden die nötigen Träger.
Mit deren Bekämpfung versiegte diese Quelle, und es wurde nötig, die
Träger
durch Arbeitsverträge zu gewinnen. An den wichtigsten Verkehrswegen trat
zuerst ein größerer Bedarf an Menschenkraft auf, die einen großen Teil
der männlichen Bevölkerung, wenn auch immer nur zeitweise, in Anspruch
nahm, was gelegentlich zu wirklicher Schädigung der Bevölkerung geführt
hat. In Kamerun ergibt sich aus der Größe der Transporte,
daß 1911 etwa 12000 Träger für die kaufmännischen Firmen
regelmäßig beschäftigt waren. Durch den Eisenbahnbau
wird das Trägerwesen mit seinen
Mißständen zurückgedrängt. In Deutsch-Ostafrika nimmt man an, daß 50000-
80000
Träger, die zur Küste gingen, frei werden. Der Eisenbahnbau selbst nimmt
große Arbeitermengen in Anspruch, aber doch nur vorübergehend (in
Deutsch-Ostafrika
1911 ca. 22000 beim Bau, 5400 beim Betrieb, in Kamerun etwa 8000).
Dauernd
steigt der Bedarf an Arbeitern für die landwirtschaftlichen Betriebe,
wie am auffälligsten ist bei den Pflanzungen, die regelmäßig
Großbetriebe
sind. Ein großer Bedarf besteht für deren Anlage, bei den meisten
Produkten
aber auch weiterhin für die Instandhaltung und für die Gewinnung der
Produkte.
Von wichtigen Pflanzungen sind es wesentlich nur die von Kokospahnen,
die einen relativ geringen Bedarf an dauernden Arbeitskräften haben. Je
mehr die Pflanzungen sich ausdehnen, wächst mit der Ertragsfähigkeit der
Bedarf an Arbeitern, die ständig zur Verfügung stehen müssen. Die Zahl
der Arbeiter wird in Deutschlands Schutzgebieten 1913 für Deutsch-
Ostafrika
auf 83366 (1909: 32000), für Kamerun auf 17827 (1909: 8200), für die
Schutzgebiete
der westlichen Südsee auf 15116 (1909: 8500), für Samoa auf 2118
angegeben,
während es in Togo, dem Gebiet der vorherrschenden Eingeborenenkulturen, nur 841 sind.
Die Zahl aller Pflanzungsarbeiter
stieg von 1909/13 von 51000 auf 119 000. Im Bergbau waren 1911 in Deutsch-Neuguinea 1200, in Deutsch-
Ostafrika
1912 in allen europäischen Betrieben durchschnittlich 140000 Arbeiter
beschäftigt. In Deutsch-Südwestafrika kommen als Großbetriebe vor allem
die bergbaulichen Unternehmungen (Kupfer im Norden, Diamanten [s.d.] im Süden) in Frage.
3. Beschaffung. Die Deckung solchen Bedarfes an farbigen A.
macht
keine Schwierigkeiten in Kolonien mit dichter Bevölkerung, die an
Lohnarbeit
gewöhnt ist, z.B. in Gebieten mit indischer oder chinesischer
Bevölkerung.
In den deutschen Schutzgebieten, ausgenommen Kiautschou, lagen solche
Voraussetzungen nicht vor. Nirgends war die Bevölkerung mit
regelmäßiger,
meist überhaupt nicht mit Lohnarbeit bekannt, auch wo sie für die
Deckung
des eigenen Lebensbedarfes tätig und arbeitsam war. Vielfach ist die
Feldarbeit
ganz den Frauen überlassen. Fast überall war die Bevölkerung spärlich
und daher die Zahl der Leute, die zur Lohnarbeit in europäischen
Unternehmungen
gewonnen werden konnte, gering. Schon dieser Umstand macht es schwer,
einen etwas größeren A.bedarf aus der Nachbarschaft der Betriebe zu
decken.
Die Schwierigkeit ist aber dadurch gesteigert, daß solche Großbetriebe
sich auf engem Raume zusammendrängen, in Kamerun am Abhange des
Kamerunberges,
in Deutsch-Ostafrika im Nordosten des Schutzgebietes, in den Bezirken
Tanga, Pangani und Wilhelmstal. Von den auf Pflanzungs-, Farm- und
Industriebetrieben Deutsch-Ostafrikas beschäftigten 91892 A. kamen 1912
auf diese drei Bezirke allein 52 465.
Hier im Nordosten Deutsch-Ostafrikas kommt noch hinzu, daß diese Gebiete
ganz besonders arm an Bevölkerung waren. Ebenso liegt es in Deutsch-
Neuguinea.
Dagegen entstehen in Samoa die Schwierigkeiten aus der unüberwindliehen
Abneigung der Bewohner gegen Lohnarbeit, während in den übrigen
Schutzgebieten
in dieser Beziehung große Unterschiede zwischen den verschiedenen
Völkerschaften
bestehen. In Deutsch-
Südwestafrika
besteht direkt Menschenmangel. Wo also nicht die Zahl der Pflanzungen im Verhältnis zur örtlichen
Bevölkerung
gering ist, wie im Süden Deutsch-Ostafrikas, ist man überall genötigt
gewesen, mindestens einen Teil der A. aus größeren Entfernungen
heranzuziehen.
4. Wanderarbeit. Die A. der großen Unternehmungen sind also
größtenteils
Wander-A. Daß es insbesondere in Afrika gelingt, solche in größerer Zahl
zu gewinnen - man bedenke, daß sie allein im Bergbau Transvaals
allmählich
auf etwa 200000 gestiegen ist - hängt mit der noch geringen
Seßhaftigkeit
der Eingeborenen zusammen. Gefördert ist die Bereitwilligkeit, auf große
Entfernungen auf Arbeit zu gehen, zuerst durch das Trägerwesen
(s.d.), das mit seiner Ungebundenheit den Neigungen der Eingeborenen
entsprach.
Immerhin ist es erstaunlich, daß im tropischen Afrika so große Mengen
von Wander-A. zu gewinnen sind, wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten
solche Wanderungen mit ihrer Gefährdung von Leben und
Gesundheit mit sich bringen. Das zeigt, daß der Erwerbstrieb schon stark
geweckt ist. Eine Erleichterung der Anwerbung bedeutet es, daß vielfach
die Häuptlinge sich einen Teil der Ersparnisse der A. aneignen und dadurch an der
Wanderarbeit interessiert sind (z.B. bei den Ovambo [s.d.], in der Südsee).- Die
Bereitwilligkeit,
sich auf größere Entfernungen und auf längere Zeit zu verdingen, ist bei
den verschiedenen Völkerschaften sehr verschieden. Seit langer Zeit sind
an der afrikanischen Westküste die Kru-Neger aus Liberia als kräftige
A. beim Löschen und Laden der Schiffe und im Betriebe der
Handelsfaktoreien
verwendet worden. In Kamerun kommen die Pflanzungs-A. namentlich aus den
Bezirken im Norden des Kamerunberges, während die Neger aus dem Grasland nicht an der Küste arbeiten. Weiter im
Süden werden auch Jaunde (s.d.)
verwendet.
In Deutsch-Südwestafrika kommen die Berg-A. vorzugsweise aus dem
Ambolande,
während die Eingeborenen des Südens und der Mitte mehr als Viehwächter
und als Gesinde Verwendung finden. In Deutsch-Ostafrika sind es namentlich die
Wanjamwesi (s.d.), dann auch die Wassukuma (s.d.), die große A.mengen stellen. Ob
die Hoffnungen auf A.zuzug aus den dichtbevölkerten Landschaften Ruanda und Urundi
nach
der Erschließung durch Eisenbahnen
sich verwirklichen werden, bleibt abzuwarten. In der Südsee rekrutieren
sich die Wander-A. vornehmlich aus den Salomoninseln, Neumecklenburg, Neuhannover und einigen anderen Inselgruppen
des Bismarckarchipels, in geringer Zahl aus Kaiser-Wilhelmsland.
Beim Abbau der Phosphate (s.d.) auf
Nauru und Angaur
werden Karoliner und Chinesen (s. Kuli)
beschäftigt. Landfremde Farbige
Kontrakt-A.
sind bisher meist nur versuchsweise, auf Pflanzungen regelmäßig nur in
Samoa verwendet, 1912 gegen 1600 Köpfe (s. Kuli), bei
den Bahnbauten und sonst in Südwest
auch farbige A. aus der Kapkolonie. Die Tatsache, daß die großen
Unternehmungen,
namentlich auch die Pflanzungen, Wander-A. beschäftigen müssen, hat
mancherlei
Schwierigkeiten im Gefolge. Sie liegen zunächst in der Tatsache, daß
eine
besondere Organisation für die Anwerbung nötig ist. Diese, sowie die
Beförderung
zu und von dem Beschäftigungsort macht besondere Kosten (in Kamerun ca. 10 M für den Kopf, in Deutsch-Ostafrika
meist höher), ebenso wie die Unterbringung und Beköstigung der Leute.
Dem steht gegenüber, daß Tagelöhner aus der Nachbarschaft wohl meist
höheren
Geldlohn beanspruchen, wenn sie auch im ganzen billiger zu stehen
kommen.
Die Anwerbung selbst führt leicht zu erheblichen Mißständen. Sie ist in
den Anfängen regelmäßig ein besonderes Gewerbe, dem sich leicht
gewissenlose
und gewalttätige Menschen zuwenden, die Personen gegen ihren Willen
fortschleppen,
sie nach anderen Orten bringen, als wofür sie sich verdungen haben, die
gemachten Versprechungen nicht halten. Dadurch werden dann die
Eingeborenen
in Zukunft abgeschreckt, sich anwerben zu lassen. Zuweilen haben sie
sich
durch Gewalt und Mord gerächt. Zum mindesten muß dieses Gewerbe strengen
Kontrollen unterworfen werden, damit es nur von vertrauenswürdigen
Personen
geübt wird. Besser ist es schon, wenn die Anwerbung durch die
Angestellten
der Pflanzungen selbst besorgt wird, wie in Kamerun und jetzt
größtenteils
in der Südsee, wobei freilich die kleineren Unternehmer im Nachteil
sind.
Bei starkem A.bedarf wird die Konkurrenz der Anwerber auch leicht die
Löhne zu sehr in die Höhe treiben, worüber namentlich in Deutsch-
Ostafrika
geklagt wird. Vorgeschlagen ist daher eine Zentralisierung der Anwerbung
durch eine gemeinschaftliche Organisation der Interessenten (wie
mehrfach
in Britisch-Südafrika) oder durch die staatliche Verwaltung, wie 1911 in Deutsch-Südwestafrika für die Anwerbung der
Ovambo (s.d.)
und bei der der Chinesen für Samoa geschehen ist. Sind die A. in großer
Entfernung von der Arbeitsstätte geworben, so entstehen durch den
Transport
weitere Ausgaben für die Aufsicht, mag
er sich nun zu Schiff vollziehen, wie in der Südsee, oder über Land, wie
in Afrika. Ernährung und Gesundheit der Wander-A. muß sichergestellt,
die Verbreitung von Krankheiten durch sie verhindert werden. Auch im
Interesse
der Arbeitgeber liegt solche Kontrolle,
da sonst leicht die A. in entkräftetem Zustande ankommen. Durch die
Eisenbahnen
wird hier vieles erleichtert. Ein Nachteil der Wanderarbeit ist, daß die
A. vielfach nicht auf lange Zeit sich verpflichten, so daß die
angelernten
Leute immer wieder weggehen, weil sie nicht zu lange von ihrer Heimat
wegbleiben wollen. In Deutsch-Ostafrika, in Kamerun, mit den Ovambo in
Deutsch-Südwestafrika sind bisher Verträge auf 6 Monate (resp. 180
Arbeitstage)
die Regel, während in der Südsee dreijährige Verträge, namentlich mit
den Melanesiern (s.d.) des
Bismarckarchipels häufig sind. Vielleicht können
durch höhere Löhne die einmal angelernten Leute mehr als bisher zu
längerem
Dableiben oder zu regelmäßiger Wiederkehr veranlaßt werden. Jedenfalls
ist es unzulässig, die Leute über ihre Verpflichtungszeit festzuhalten,
wie früher gelegentlich geschehen ist. Wenn über das Schwanken der Zahl
der verfügbaren Kontrakt-A. geklagt wird, so ist zu beachten, daß
Tagelöhner
aus der Nachbarschaft, wie sie in Deutsch-Neuguinea, in Kamerun, im
Süden
Deutsch-Ostafrikas vielfach verwendet werden, den Nachteil haben, daß
sie zur Zeit ihrer eigenen Erntearbeiten auch nicht kommen. Auch die
Behandlung
der Kontrakt-A. während ihres Aufenthaltes auf der Arbeitsstätte, ihre
Ernährung, Unterkunft, ärztliche
Fürsorge
bedarf der Aufsicht und fordert Aufwendungen. Schließlich muß die
Rückkehr
der A. in ihre Heimat sichergestellt sein. Man darf nicht vergessen, daß
die Eingeborenen durch die Wanderarbeit mannigfach gefährdet sind. Sie
sind empfindlich gegen ungewohntes Klima
(daher auch, wo nötig, mit Kleidung und Decken zu versehen). Sie sind
es auch gegenüber den ganzen veränderten Lebensbedingungen, der
Ernährung,
der Unterkunft, der Beschäftigung. So ist anfangs oft die Sterblichkeit außerordentlich groß gewesen
und zuweilen jetzt noch übermäßig hoch, wenn sie im allgemeinen auch
überall
sehr zurückgegangen ist. Durch Beachtung dieser Dinge, durch
Verminderung
von Krankheiten und Sterblichkeit, durch loyale Behandlung wird nicht
bloß eine Pflicht der Menschlichkeit erfüllt. Es wird auch die
Bereitschaft
der Eingeborenen, auf Arbeit zu gehen, dadurch gefördert. Auch durch
Verwendung
geeigneter Lohnformen (Akkordarbeit) kann das geschehen, und auf der
anderen
Seite, indem man für Unterhaltung und dem Eingeborenen liebe
Vergnügungen
sorgt. Allgemein wirkt dahin die Ausdehnung der Geldwirtschaft und die
Weckung des Erwerbstriebs, wie das durch die allgemeine Hebung des
Kulturniveaus,
durch die Einführung von Steuern, durch
Einwirkung auf die Häuptlinge, Jumben usw. gefördert werden kann. Am
letzten
Ende kommt es auf die Vermehrung der überhaupt noch so spärlichen
Bevölkerung
an, die durch die Befriedung, durch Hebung des Wirtschaftslebens, durch
Bekämpfung der Hungersnöte, der Volkskrankheiten und der übermäßigen
Sterblichkeit
bewirkt wird. Mit der Zahl der Arbeitenden muß auch ihre
Leistungsfähigkeit
gesteigert werden durch regelmäßigere und bessere Ernährung, durch
Verbesserung
der primitiven Arbeitsmethoden, wie durch Gewöhnung an stetigere Arbeit.
Für die deutschen Schutzgebiete
in den Tropen ist die Konkurrenz mit den Pflanzungsgebieten
Asiens und Amerikas so schwer, weil dort nicht nur reichlichere, sondern
auch leistungsfähigere Arbeitskräfte vorhanden sind. - Zu erstreben ist,
daß die Zahl der seßhaften, in der Nähe der Arbeitsstätte wohnenden A.
vermehrt wird, wie überhaupt zu erstreben ist, die Eingeborenen
seßhafter
zu machen und dem Umherziehen entgegenzutreten. So ist auch zu
versuchen,
die Wander-A. seßhaft zu machen, ihre Frauen mit heranzuziehen, auch auf
die Möglichkeit hin, daß ein Teil solcher Ansiedler nicht A. bleibt,
sondern
zu selbständigen Bauern wird, wie das mit angesiedelten Wanjamwesi in
Usambara der Fall gewesen sein soll. Auch eine
Heranziehung
arbeitsamer farbiger Einwanderer fremder Rasse, wie das für die Südsee vorgeschlagen ist, kann in Betracht kommen.
Einer Weiterausdehnung der Wanderarbeit sind gewisse Grenzen auch
gezogen
durch die Rücksicht auf die Bevölkerung und die Gegenden, aus der die
Wander-A. stammen. Schon eine unangemessene und übermäßige Tätigkeit der
Werber wirkt beunruhigend. Vor allem besteht aber die Gefahr, daß die
wirtschaftlichen und sozialen Zustände in den Abwanderungsgebieten
geschädigt
werden. Wohl wird durch die Wanderarbeit die Bevölkerung aufgerüttelt,
werden ihre Bedürfnisse und damit ihre Leistungen gesteigert, vielleicht
verbesserte Arbeits- und Anbaumethoden in entlegenere Gegenden gebracht.
Aber es darf auch nicht vergessen werden, daß lange Abwesenheit einer
sehr großen Zahl von A. aus ihrer Heimat den Anbau von Nahrungsmitteln
vermindert, die zurückbleibenden Frauen überlastet, den natürlichen
Volkszuwachs
hemmt, die Sitte und das Familienleben lockert. Auch Krankheiten,
namentlich
Geschlechtskrankheiten, werden durch
die Wander-A. verbreitet. Es klingt doch bedenklich, wenn in der
Denkschr.
Schutzgeb. für 1908/09 aus Kamerun berichtet wird, daß in den Bezirken
Rio del Rey, Ossidinge und Joh.-
Albrechtshöhe
bis zu einem Drittel der Arbeitsfähigen aus ihren Wohnsitzen abwesend
sind. In Unjamwesi soll der Anbau von Feldfrüchten
zurückgehen.
Ähnliche Klagen kommen aus dem Amboland. In Neumecklenburg wird der Wanderarbeit der
Rückgang
der Bevölkerung zugeschrieben, was im Zusammenhang damit steht, daß von
dort viele Frauen angeworben wurden. Wo in einer Gegend schon größere
Unternehmungen sind, wehren diese sich, daß in ihrem Gebiet für andere
angeworben wird. Die Kameruner verwahrten sich dagegen, daß bei ihnen
für Deutsch-Südwestafrika geworben werde. Im Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea lehnt man die Wünsche
der samoanischen
Pflanzer ab. Alle Kolonialmächte erschweren oder verhindern die
Rekrutierung
von A. für fremde Kolonien. S. a. Arbeiterverhältnisse.
Literatur: Die allgemeinere Literatur über die Eingeborenenpolitik. - Zahlreiche
Angaben in den amtlichen Denkschriften und
Jahresberichten, namentlich seit 1907. - Die Arbeiterfrage in den Kolonien, Verhandlungen
des Vorstandes des Kolonialwirtsch. Komitees 1912 Nr. 1. Dazu G. Hartmann, Die Arbeiterfrage in den Kolonien, Tropenpflanzer, 1912, 283 ff. - R.
Thurnwald, Die eingeb. Arbeitskräfte im Südseeschutzgebiet, Kol. Rundsch. 1910,
607 ff. - E. Backhaus, Die Arbeiterfrage in der D. Südsee, Kolon. Abhandl. H.
26, 1909. Rathgen.
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