Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 84

Aruscha, Landschaft, Ort und Verwaltungsbezirk in Deutsch-Ostafrika. Es gibt eigentlich zwei Landschaften des Namens: Aruscha a dschu, Groß-Aruscha, besser Ober-Aruscha, wird heute als A. schlechthin bezeichnet, und Aruscha a tschini oder Unter- Aruscha (s.d.).

1. Die Landschaft A. ist nur 90 qkm groß und liegt am SW-Fuß des Meru (s.d.). Die zahlreichen kleinen Siedlungen breiten sich meist auf weiten Rodungen des Regenwaldes aus. Die Felder gehen bis auf 1800 m ü. d. M., andererseits längs der wasserreichen, geschickt zur Bewässerung verwandten Bäche bis zu 1300 m an den Rand der Steppe. Die Mehrzahl der Bewohner gehört zu den Wakuafi (s.d.). Überall wird recht brauchbares Vieh gehalten.

2. Ernste Unruhen unter der früher als äußerst bösartig weithin verschrienen Bevölkerung führten 1900 zur Gründung eines Militärpostens und des Ortes A. Seit 1904 erhebt sich hier ein vortreffliches Fort, in dem heute die 1. Kompagnie der Schutztruppe liegt. Seit 1913 ist A. Sitz eines Bezirksamts, dessen Gebiet von Moschi (s.d.) abgetrennt wurde. 10 Kaufläden von Weißen, Goanesen, Indern, zwei Gasthäuser, Apotheke, Post und Telegraph entsprechen der wirtschaftlichen Stellung A.s als Mittelpunkt des Europäersiedelungsgebietes am Meru (s.d., bes. auch Klima). Die Farmen erstrecken sich bis in die Landschaft A. hinein. Die Usambarabahn (s. Eisenbahnen Ia) soll bis A. verlängert werden. -

3. Der Bezirk A. ist 36 000 qkm groß, umfaßt den Meru (s. d.) und die Steppengebiete im N, W und S von ihm über Magad (s.d.) und Lawa ja Mweri (s.d.) weit hinaus bis zum Westufer des Njarasa; auch ein Teil der Massaisteppe, Umbugwe, Iraku, Ngorongoro (s.d.) gehören noch zu A. Die durchschnittliche Volksdichte dieser sehr ungleichartigen Gebiete beträgt 2,4. Im Bezirk lebten 1913: 84 200 Eingeborene, 222 nichteingeborene Farbige, genau 500 (l. Jan.) Europäer, wovon 180 unter 15 Jahren. Kein Bezirk Deutsch- Ostafrikas hat so viel europäische Jugend, nirgends sonst ist die Zahl der weiblichen (207) so groß im Verhältnis zu der männlichen (293) weißen Bevölkerung, A. ist der wichtigste Ansiedlungsbezirk. 1913 hatte A. 95 selbständige Ansiedler (151 berufstätige von über 15 Jahren). Unter den 18 Handelsfirmen waren 8 farbige. 1909 waren in A. etwa 327 qkm an Ansiedler verpachtet und verkauft (Zuwachs 1910/12 s. Moschi). Das am Meru für diese Zwecke verfügbare Land wurde damals auf 1000 qkm geschätzt (vgl. Iraku). Die Europäer in A. besaßen 1913 in 100 Betrieben 6376 Rinder, 21578 Schafe und Ziegen, 699 Schweine, 475 Esel, 75 Pferde, 17 Maultiere, 114 Strauße, die insgesamt etwa 370 qkm Weideland hatten. Im Besitze der Eingeborenen befinden sich 119480 Rinder (nach anderer neuerer Schätzung sogar 144000), 401180 Stück Kleinvieh, 4280 Esel. - Im Bezirk liegen die Stationen Nkoaranga und A. der Leipziger evang. Mission (s.d.), Neu- Trier (bei Umbulu) der Weißen Väter (s.d.). Die Bezirksnebenstelle Umbulu liegt in Iraku (s.d.). In deren Verwaltungsbereich gibt es noch viel für europäische Ansiedlung geeignetes, freies Land (s. Muansa 2 und Ostafrikanische Bruchstufe).

Uhlig