Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 84 f.

Arzneipflanzen, Gewächse, die entweder in frischem oder in getrocknetem Zustande als Heilmittel verwendet werden. In den meisten Fällen kommen nur bestimmte Teile der betreffenden Pflanze zur Anwendung, wie z. B. Wurzeln, Stamm- oder Zweigrinde, Holz, Blätter, Blüten, Früchte, Samen, selten die ganzen Pflanzen. Die getrockneten Arzneipflanzen bezw. ihre Teile werden, soweit sie in den Handel gelangen, als Drogen bezeichnet. Nicht immer werden diese selbst als Heilmittel verwendet, sondern sie dienen nur als Ausgangsmaterial für die Darstellung von Medikamenten, z. B. die Rizinussamen zur Herstellung von Rizinusöl, die Kokablätter zur Gewinnung von Kokain usw. Die Arzneipflanzen der deutschen Kolonien gruppieren sich in einheimische (z. B. Strophanthus) und eingeführte (z. B. Cinchonen), erstere wiederum in solche, die nur von den Eingeborenen verwendet werden - ihre Zahl ist außerordentlich groß, ihre therapeutische Bedeutung verhältnismäßig gering - und solche, deren Produkte auch in den Arzneischatz der Kulturvölker Eingang gefunden haben (z. B. Kolumbowurzel, Rizinusöl, Kosoblüten). Die einheimischen Arzneipflanzen werden meist in wildem Zustande ausgebeutet; seltener sind die in Halbkultur genommenen z. B. Strophanthus in Togo, Kola in Togo und Kamerun, Rizinus in allen tropischen Gebieten. Die seit der Okkupation eingeführten Gewächse bilden Gegenstand geregelter Kulturen, so z. B. die Cinchonen, der Perubalsambaum und der Kampferbaum; ihr Anbau befindet sich aber noch im Versuchsstadium. (S. Aloe, Cinchonen, Erythrophloeum, Johimberinde, Kawa, Katechu, Kamala, Kampfer, Kola, Kolumbowurzel, Koso, Opium, Perubalsam, Rizinus, Strophanthus, Tamarinde.)

Literatur: W. Busse, Heil- und Nutzpflanzen Deutsch-Ostafrikas, Ber. Deutsch. Pharmaz. Gesellsch. 1904 S. 187 ff. - Adlung, Vegetabilische Drogen d. Deutsch. Schutzgeb., Apotheker-Ztg. 1912 Nr. 15/17.

Busse.