Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 89

Askese, in sittlicher Beziehung Übung in der Beherrschung der Begierden und enthaltsame Lebensweise. A. findet sich in den verschiedensten Religionsformen. In den primitiven ist jedoch die Vorstellung von einem Gegensatze zwischen dem reinen Geist und der unreinen Materie, die überwunden werden muß, um etwa die höchste Erkenntnis zu erreichen, nicht vorhanden. Das äußerliche Kennzeichen der A., die Enthaltung von bestimmten sinnlichen Genüssen, ist dagegen bekannt. Der Dugongfischer in Neuguinea, der Elefantenjäger in Afrika enthalten sich bestimmter Speisen und auch des Beischlafs vor Beginn der Jagd; den Knaben, die beschnitten werden sollen, werden nur ganz bestimmte Nahrungsmittel gereicht; auch der Zauberer oder sein Auftraggeber unterliegen Verboten dieser Art. Alle diese der A. äußerlich ähnlichen Bestimmungen sind nur vorübergehend gültig; sie mögen ursprünglich auf zauberischen Vorstellungen beruhen, heute erreichen sie die Einschüchterung des Betroffenen oder zwingen ihn, seine Gedanken dauernd auf die bevorstehenden Vorgänge zu richten, die durch ihre Verbindung mit asketischen Verboten eine besondere Bedeutung und Wichtigkeit erhalten.

Thilenius.