Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 90

Association Internationale Africaine. Diese Vereinigung ist der Ausgangspunkt des späteren Kongostaats. Die Schwierigkeit der Erforschung Afrikas und die großen dadurch verursachten Opfer veranlaßten König Leopold II. von Belgien, den Emile Banning inspiriert hatte, im Sept. 1876 eine Konferenz von Forschern, Gelehrten, Politikern usw. nach Brüssel zusammenzuberufen. Aus Deutschland nahmen Nachtigal (s.d.), Schweinfurth (s.d.), Rohlfs (s.d.), Richthofen (s.d.) daran teil. Es wurde beschlossen, eine Vereinigung mit nationalen Komitees zu gründen, um in Zentralafrika wissenschaftliche Stationen zu gründen, die Forschungsreisen in einen systematischen Zusammenhang zu bringen und den Sklavenhandel zu bekämpfen. Der internationale Charakter verschwand freilich bald, da die meisten nationalen Komitees für ihre eigenen Kolonialbesitzungen arbeiteten. Das deutsche Komitee (Dez. 1876) verschmolz sich schon 1878 mit der älteren Afrikanischen Gesellschaft (von 1873, s.d.). Die bedeutendsten Mittel brachte das belgische Komitee auf, dessen Seele der König war. Auf den Rat Nachtigals wurde beschlossen, von Sansibar (Bagamoyo) aus nach dem Tanganjika vorzugehen, wo 1879 Karema gegründet wurde, und zur Verbindung mit der Küste eine deutsche Station durch v. Schöler in Kakoma, eine französische durch Bloyet in Kondoa (Usagara) errichtet wurde. Folgenreicher war aber, daß auf die erste Nachricht von der Durchquerung Afrikas durch Stanley (s.d.) aus dem belgischen Komitee das Comité d'études du Haut Congo gebildet wurde, das den neuentdeckten Kongoweg, und zwar wesentlich zu Handelszwecken, zu benutzen beschloß und Stanley in seine, d.h. tatsächlich des belgischen Königs Dienste nahm. Stanley erschloß nun von 1879/81 den Zugang zum oberen Kongo und bereitete 1883 durch Abschluß zahlreicher Verträge mit Negerhäuptlingen den späteren Kongostaat vor. Das geschah im Namen der Association Internationale du Haut Congo, die aus dem Comité d'études hervorgegangen war und den Decknamen für den König Leopold II. bildete, der schließlich der alleinige Träger dieser Unternehmungen war, während die A. I. A. stillschweigend verschwand. So war aus dem philanthropisch- wissenschaftlichen ein Handelsunternehmen und aus diesem ein politisches geworden.

Literatur: (Em. Banning), L'association internationale africaine et le comité d'études du Haut Congo 1877-1882. Brüssel 1882. - Descamps, L'Afrique Nouvelle, 1903. - Pierre Kassai, La civilisation africaine 1876-1888. 1888. - Sir Harry Johnston, Grenfell vol. I, 408. - A. J. Wauters, Histoire politique du Congo Belge, 1911.

Rathgen.