Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 91 f.

Atakpame, Ort, Landschaft und Verwaltungsbezirk (Bezirksamt) in Togo.

1. Der Ort A. liegt in einer Einsattelung eines vom Togogebirge in südöstlicher und südlicher Richtung vorstoßenden Bergrückens. Auf einer Anhöhe über dem Ort liegt das 1898 zunächst als Station gegründete Bezirksamt. A. ist der Sitz der Lokalverwaltung des gleichnamigen Verwaltungsbezirkes (Bezirksamts) und eines Regierungsarztes, dem zugleich die Leitung der dortigen Regierungsapotheke obliegt, und einer Post- und Telegraphenanstalt. Mit dem Bezirksamt verbunden ist eine meteorologische Beobachtungsstation höherer Ordnung. In Kamina bei Atakpame befindet sich eine Telefunkenstation. In A. unterhalten die Norddeutsche Missionsgesellschaft (s.d.) und die katholische Steyler Missionsgesellschaft (s.d.) je eine von Europäern besetzte Hauptstation nebst Kirche, die Katholische Mission auch eine Schwesternniederlassung. Zahlreiche europäische Handelshäuser unterhalten in A. Faktoreien zum Teil unter europäischer Leitung. Ferner sind dort 2 Baumwollentkernungsanlagen in Betrieb. Der Endpunkt der am 1. April 1911 dem Verkehr übergebenen Hinterlandbahn Lome-A. lag ungefähr 3 1/2 km östlich vom Ort A. beim Dörfchen Agbonu bei km 163. Die Eisenbahnverbindung zwischen A. und Agbonu ist später gebaut und erst am 2. Mai 1913 eröffnet worden. Die neue Station Atakpame liegt bei km 167. In A. findet alle 5 Tage großer Markt statt, zu dem zahlreiche Eingeborene der Umgegend zusammenströmen. S. Tafel 8. Der Ort A. ist bekannt durch die hübsche und saubere Anlage seiner Straßen, Brücken und öffentlichen Brunnen. S. Tafel 7. Seehöhe des Bezirksamts A. 308 m. Mittlere jährliche Regenmenge 1452 mm (Mittel aus 9 Beobachtungsjahren).

2. Die Landschaft A. wird im Süden vom Chrafluß, im Norden von der Landschaft Kpedji, im Osten vom Monu und im Westen von der Landschaft Akposso begrenzt. Wald ist in der Landschaft A. spärlich und nur in demjenigen westlichen Teil vorhanden, der sich an das Gebirge anlehnt. Der Osten der Landschaft ist typische Baumsteppe. - Die Bevölkerung der Landschaft A. besteht in der Hauptsache aus Jorubaelementen; außerdem sind noch ansässig eine Anzahl Dahoméleute, welche Fo, eine Ewemundart sprechen und eine Anzahl Eweleute, der sog. Wuddustamm. Die Ewesprache wird in der Landschaft A. allenthalben gesprochen und die übrigen Idiome voraussichtlich verdrängen. Die Bevölkerung der Landschaft A. erwies sich den Einwirkungen der Verwaltung, insbesondere jenen, welche die Ausbreitung des Baumwollbaus bezweckten, als sehr zugänglich. 3. Dem Verwaltungsbezirk A. gehören außer der gleichnamigen Landschaft noch an die Landschaften Nuatjä (s.d.), Sagada (s.d.), Akposso (s.d.), Kebu (s.d.), Kpedji (s.d.) und der südlichste Teil von Anjanga (s.d.). - Die Eingeborenenbevölkerung des Bezirks A. wird auf 80000 Köpfe geschätzt; die Bevölkerungsdichte beträgt 5,3 Personen auf das Quadratkilometer. Niederschlagstabelle s. Togo. Westlich von Gl?i ist zur Verhüttung von Chromeisen geeigneter Chromeisenstein festgestellt worden. Bei Agbandi sind mehrere goldführende Quarzgänge gefunden worden.

Literatur: Dr. Koert, Über Goldvorkommen im östlichen Togo, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1910. - Ders., Über Chromeisensteinvorkommen im Atakpame-Bezirk, ABl. Togo 1908. - Fr. Müller, Ein Beitrag zur Kenntnis des Atakpame, Zeitschr. f. afr. u. oc. Spr. 1912. - Ders., Die Religionen Togos in Einzeldarstellungen, Anthropos, Internationale Zeitschr. f. Völker- u. Sprachenkunde 1906. - Ders., Wörterverzeichnis, Atakpame-Deutsch, Zeitschr. f. afr. u. oc. Spr. 1902. - Dr. Asmis, Die Stammesrechte des Bezirks Atakpame, Zeitschrift für vergleich. Rechtswissenschaft, XXV. Band, Stuttgart 1911. - F. Wolf, Totemismus, soziale Gliederung und Rechtspflege bei einigen Stämmen Togos, Anthropos, Internationale Zeitschr. f. Völker- und Sprachenkunde, Bd. VI, Wien 1911. - Ders., Beitrag zur Ethnographie der Fo-Neger in Togo, Anthropos, Internationale Zeitschr. f. Völker- u. Sprachenkunde, Bd. VII, Wien 1912.

v. Zech.