Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 94

Atoxyl, ein der fabrizierenden Firma (Vereinigte Chemische Werke, Aktiengesellschaft, Charlottenburg) geschützter Name für ein organisch- chemisches Arsenpräparat (Mononatriumsalz der Paramidophenylarsinsäure). Das A., das sich seit längerer Zeit bereits in der Therapie der Hautkrankheiten bewährt hatte, empfahl 1905 Thomas von der Liverpooler Tropenmedizinischen Schule auf Grund von Tierversuchen zur Behandlung der Schlafkrankheit (s. d.). Nachdem in einigen Fällen bereits von anderen Autoren über günstige Erfolge mit dem Präparat bei letzterer berichtet war, wandte es die deutsche Schlafkrankheitsexpedition unter Robert Koch (s. d.) zuerst in großem Maßstabe an und erzielte recht gute Erfolge. Das ein weißes Pulver darstellende Mittel löst sich leicht in Wasser und wird in 20proz. Lösung subkutan eingespritzt, und zwar nach Angabe der deutschen Expedition am besten in Mengen von je 0,4-0,5 Atoxyl an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit zehntägiger Pause. Diese Behandlung muß meist mehrere Wochen fortgesetzt werden, ehe eine Pause eintreten darf. Wenn auch die Zahl der mit A. geheilten Fälle relativ klein ist - vielleicht weil die meisten nicht frühzeitig genug zur Behandlung kommen -, so ist es zurzeit doch noch das beste für die Schlafkrankheit angegebene Mittel. Schädliche Nebenwirkungen kommen bei richtiger Behandlung kaum noch vor.

Martin Mayer.