Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 96 f.

Auflassung. Nach § 873 BGB. ist zur Übertragung des Eigentums an einem Grundstücke die Einigung des Berechtigten und des anderen Teiles über den Eintritt der Rechtsänderung und die Eintragung der Rechtsänderung in das Grundbuch erforderlich. Diese Einigung bezeichnet das Gesetz als "Auflassung". Die A. muß bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor dem Grundbuchamt erklärt werden. Eine A., die unter einer Bedingung oder einer Zeitbestimmung erfolgt, ist unwirksam (§ 925 BGB.). In den Schutzgebieten sind die Formen für den Erwerb von Grundeigentum einfacher. Gemäß § 3 der Ksl. V., betr. die Rechte an Grundstücken in den deutschen Schutzgebieten, v. 21. Nov. 1902 (RGBl. S. 283), § 21 KonsGG. bedarf es bei der A. nicht der gleichzeitigen Anwesenheit beider Teile, auch brauchen diese ihre Erklärungen nicht mündlich, vor dem Grundbuchamt abzugeben. Die Auflassungserklärung kann hiernach, wie auch das Obergericht in Windhuk in einem Einzelfalle entschieden hat, sogar vor einem Notar, abgegeben und durch eine notarielle Urkunde nachgewiesen werden. Zur Übertragung des Eigentums an Grundstücken, für welche ein Grundbuchblatt nicht angelegt ist, reicht die Einigung des Veräußerers und des Erwerbers aus, die in öffentlich beglaubigter Form - Beglaubigung durch eine öffentliche Behörde des Schutzgebiets genügt - erklärt werden muß. Auch für diesen Eigentumsübergang gilt, daß er nicht unter einer Bedingung oder einer Zeitbestimmung erfolgen kann (§ 18 d. Ksl. V.).

Gerstmeyer.