Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 101

Ausgleichsfonds. Seit dem Rechnungsjahre 1909 ist in allen Schutzgebieten, die ihren Verwaltungsbedarf aus den eigenen Einnahmen decken können, also in Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo (hier bereits seit 1908), Deutsch-Südwestafrika und Samoa, mit der Bildung von Ausgleichsfonds begonnen worden. Diese Fonds sollen Vorsorge treffen gegen wirtschaftliche Rückschläge und sonstige Umstände, welche die Deckung des Ausgabenbedarfs durch die eigenen Einnahmen (s.d.) nicht mehr ermöglichen. Es werden daher alljährlich durch die Etats Rücklagen in die Ausgleichsfonds festgesetzt, welche ebenso hoch sind wie die Beträge, um welche der Voranschlag der eigenen Einnahmen die nicht aus Anleihemitteln oder Reichszuschüssen zu deckenden Etatsansätze bei den Ausgaben übersteigt (s. Finanzen). Die bei der Bewirtschaftung des Etats tatsächlich erzielten Überschüsse und Ersparnisse fließen nicht in die Ausgleichsfonds, und hierin besteht einer von den grundlegenden Unterschieden zwischen diesen Fonds und den früheren Reservefonds der Schutzgebiete (s.d.). Die Verfügung über die Ausgleichsfonds erfolgt lediglich durch die Etatsgleichfalls zum Unterschied von den Reservefonds. Die Verwaltung ist daher verpflichtet, die in den Etats bestimmten Rücklagen in die Ausgleichsfonds abzuführen, selbst dann, wenn sich hieraus ein Fehlbetrag ergeben sollte, und sie darf den Ausgleichsfonds nur dann Beträge entnehmen, wenn dies zuvor durch das Etatsgesetz bestimmt worden ist (s. Etats und Etatwesen). Die Ausgleichsfonds werden in Schutzgebietsanleihen (s.d.) angelegt; die Zinsen fließen den Fonds zu. Bisher konnten allen fünf Fonds alljährlich Rücklagen, deren Höhe allerdings stark geschwankt hat, zugeführt werden. Nur für Deutsch-Südwestafrika mußte im Jahre 1913 und für Deutsch- Ostafrika im Jahre 1914 eine Entnahme aus den Ausgleichsfonds vorgesehen werden, weil sonst das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen nicht hergestellt werden konnte. Dies war jedoch in beiden Fällen nicht die Wirkung einer wirtschaftlichen Notlage, sondern beruhte bei Deutsch-Südwestafrika zum Teil, bei Deutsch-Ostafrika ausschließlich darauf, daß zugunsten der Reichsfinanzen mit einer Abbürdung der Schutztruppenkosten begonnen wurde; laufende Einnahmen der Kolonien in entsprechender Höhe waren aber damals noch nicht verfügbar. Die Höhe der Ausgleichsfonds beträgt ohne Berücksichtigung der bisher eingenommenen Zinsen nach den Etatsentwürfen für 1914: in Deutsch- Ostafrika 2,7, in Kamerun 2,2, in Togo 1,6, in Deutsch-Südwestafrika 3,5, in Samoa 0,2 Mill. M.

Volkmann.