Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 101 f.

Auskunftsstellen. Nachdem durch RG. vom 9. Juni 1897 das Auswanderungswesen geregelt war, erfolgte im Jahre 1902 die Errichtung einer "Zentralauskunftsstelle für Auswanderer" in Berlin (jetzt W 35, Am Karlsbad 10). Abweichend von dem Vorgehen der meisten anderen Länder, wurde sie nicht als ein selbständiges staatliches Organ begründet, sondern als eine der Aufsicht des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft (s.d.) unterstehende selbständige Abteilung dieser Gesellschaft angegliedert. Sie untersteht der Oberaufsicht des Reichskanzlers, der auch die Anstellung des Vorstandes durch den Präsidenten der Kolonialgesellschaft sowie die Geschäftsordnung zu genehmigen hat. Die D. Kol.-Ges. bezieht für die Unterhaltung der Auskunftsstelle einen Reichszuschuß von 46000 M. An die Zentr.- Ausk.-Stelle gliedern sich die bei einzelnen Abteilungen der D. Kol.-Ges. errichteten Zweig- A. an, z. Z. gegen 50 (Aufzählung in der KolZtg. 1911 Nr. 8), von denen besonders die in Frankfurt a. M. eine rege Tätigkeit entfaltet. Der Zentr.- Ausk.-Stelle steht ein Beirat zur Seite, in dem die sich mit der Auskunftserteilung befassenden schon länger bestehenden Vereine vertreten sind, so der "Evangel. Hauptverei n für deutsche Ansiedler und Auswanderer", der "St. Rafaels-Verein", die "Deutsch-Südamerikanische Gesellschaft", die "Öffentliche Auskunftsstelle für Auswanderer" in Dresden. - Die Zentralstelle, bei deren Einrichtung das englische und schweizerische Vorbild maßgebend war, erteilt mündlich, schriftlich und durch Veröffentlichungen - zur Ergänzung der schriftlichen oder mündlichen Auskünfte dienen Auskunftshefte, besonders auch für die deutschen Kolonien und bestimmte Gebiete derselben Auskunft, während ihre Zweigstellen sich nach belgischem Muster auf die mündliche Auskunft beschränken und schriftliche Anfragen an die Zentralstelle zur Erledigung abgeben. Die Zahl der erteilten Auskünfte betrug:

Von den 23 125 Auskünften des Jahres 1912/13 (l. April 1911 bis 31. März 1913) waren 19 362 schriftlich, 3763 mündlich. Von den Anfragen betrafen Argentinien 3241, die Vereinigten Staaten 1786, Südbrasilien 2343, Kanada 2057, Australien 1095 und die deutschen Kolonien 13341. Von letzteren bezogen sich auf Südwestafrika 4488, Ostafrika 2768, Kamerun 561, Samoa 384, Deutsch-Neuguinea 246, Kiautschou 234, Togo 186, die Karolinen, Palauinseln, Marianen 23, die Kolonien im allgemeinen 3419, die afrikanischen Kolonien im allgemeinen 818, die Südseeinseln im allgemeinen 214. Von den Anfragen kamen 13 077 aus Preußen, 8152 aus den übrigen Bundesstaaten, 96 aus den deutschen Kolonien, 1.800 aus dem Auslande.

v. König.