Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 102

Ausleger, in einer Brücke mit Schwimmer bestehender Bootsteil an Eingeborenenfahrzeugen. Die aus einem Baumstämme gehöhlten Boote sind für die Hochseeschifffahrt nicht stabil genug, zumal wenn sie noch Segel tragen sollen. Man bringt daher auf der Seite des Einbaums eine federnde, aus Längs- und Querstäben gefertigte horizontale Brücke an, deren eines Ende an dem Einbaume befestigt ist, während das freie Ende durch meist vertikale Stäbe mit einem parallel dem Bootskörper im Wasser liegenden Schwimmer aus leichtem Holze verbunden ist. Der A., der beim Segeln durch die Mannschaft nach Bedarf belastet werden kann, verhindert das Umschlagen des Fahrzeugs, bietet außerdem der Besatzung einen vergrößerten Aufenthaltsort und trägt, da die Brücke eine Art Plattform darstellt, neben Paddeln, Stangen, Waffen usw., vielfach auch die Feuerstelle. Gewöhnlich ist nur ein A. vorhanden, doch kommen von Neuguinea bis Ceylon auch Boote mit jederseits einem A. vor. Das Verbreitungsgebiet ist das der hochseefahrenden Malaien und ihrer Verwandten, der Mikronesier (s.d.), Polynesier (s.d.) und eines großen Teils der Melanesier (s.d.); es reicht von der Osterinsel bis nach Madagaskar und der ostafrikanischen Küste (s. Schiffahrt der Eingeborenen).

Thilenius.