Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 109

Awatime, Landschaft im Verwaltungsbezirk Misahöhe, Südtogo. A. nimmt auf dem zentralen Togogebirge eine ziemlich breite Hochfläche ein, aus der als höchster Berg der Gemi (800 m Seehöhe) emporragt. Während in den Tälern und Schluchten üppige Waldvegetation vorherrscht, weisen die Kämme des Gebirges mehr steppenartigen Charakter auf. Sitz des Oberhäuptlings ist Vhane; der wichtigste Ort ist Amedschovhe (s.d.). Die A.bevölkerung bildet einen der zahlreichen Splitterstämme Süd- und Mitteltogos mit eigner Sprache, welche in eine der bekannten größeren Völkergruppen nach den bisherigen Forschungen nicht eingereiht werden können. Die Sprache der Bewohner der benachbarten Landschaften Njangbó und Tafi stellt nach Funke eine Mundart des A. dar. Die Sprache von Njangbó-Tafi zeigt starke Verwandtschaft mit der Sprache der Bewohner der benachbarten Landschaft Lógba. Man darf die Bevölkerung der Landschaften A., Njangbó, Tafi und Lógba wahrscheinlich als ein ethnologisch zusammengehörige Volksgruppe ansehen, die man zweckmäßig als A.gruppe bezeichnet. Die A.sprache wird voraussichtlich vom Ewe verdrängt werden.

Literatur: J. G. Christaller, Die Volta-Sprachen-Gruppe, Zeitschr. f. afr. Spr. Berl. 1887/88. - Ders., Sprachproben vom Sudan zwischen Asante und Mittel-Niger, Zeitschr. f. afr. Spr. 1889/90. - E. Funke, Versuch einer Grammatik der Avatimessprache, Mitt. d. Orient. Sein. 1910. - Ders., Einiges über Geschichte, religiöse Gebräuche und Anschauungen des Awatimevolkes in Togo, Zeitschr. f. Kolonialsprachen, Jahrg. I, Berl. 1910/11. - Ders., Die Familie im Spiegel der afrikanischen Volksmärchen, Zeitschr. f. Kolonialsprachen, Jahrgang II, Berl. 1911/12. -A. Seidel, Beiträge zur Kenntnis der Sprachen in Togo, Zeitschr. f. afr. u. oc. Spr. 1898. - D. Westermann, Avatime-Fabeln mit Ewe- und deutscher Übersetzung, Zeitschr. f. afr. u. oc. Spr. 1903.

v. Zech.