Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 113 f.

Bagamojo, Stadt und Verwaltungsbezirk, ferner ein Apostolisches Vikariat der katholischen Mission in Deutsch- Ostafrika.

1. Die Stadt B. verdankt der Lage gegenüber Sansibar (s.d.), dessen Westküste knapp 40 km entfernt liegt, ihre während der Araberherrschaft recht erhebliche Bedeutung. Die offene Reede, der sehr breite, flache Sandstrand waren dem Verkehr durch die Dhaus (s.d.) eher förderlich. B. war der Ausgangspunkt nach Tabora für die großen Trägerkarawanen, der Sitz bedeutender Inderfirmen. Nachdem 1889 Wissmanntruppe (s.d.) und Marine gemeinsam das bei B. angelegte befestigte Lager des Halbarabers Buschiri (s.d. und Araberaufstand) gestürmt hatten, begann auch intensive Tätigkeit seitens des europäischen Kaufmanns. B. wurde Sitz eines Bezirksamtes. Mit dem Beginn des Baues der von Daressalam ausgehenden Mittellandbahn begann B.s Bedeutung endgültig zu sinken, zugleich die Zahl seiner Bevölkerung, die jetzt noch gegen 5000 beträgt. Immerhin ist B. auch heute noch eine wichtige Handelsstadt; 25 Firmen, darunter zwei große europäische, sind vertreten; 1912 betrugen die Werte der Einfuhr 0,856 Mill. M, die der Ausfuhr 0,315, Summa 1,171 Mill. M (gegen 3,086 im Jahre 1908); die Einfuhr von Textilwaren usw. ergab 0,508, die Ausfuhr von Ölfrüchten 0,192. Der Schiffsverkehr von B. war 1908: 149 einlaufende Dampfer mit 198305 Reg.-t (später rächt mehr gesondert veröffentlicht); dazu kamen 689 einlaufende Dhaus mit 15 369 t Rauminhalt, 1912: 402 mit 8465 t. B. ist Landungsstelle des von Daressalam kommenden Küstenkabels und hat Überlandtelegraph nach N und Post. Die Regenmenge beträgt 1074 mm (15jähr. Mittel). Die älteste Europäerniederlassung in B. ist die 1869 begründete Station der Väter vom Heiligen Geist (s.B., 3. Apostolisches Vikariat).

2. B. ist Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Bezirks, der Udoë (s.d.), das südliche Usigua (s.d.) und das südliche Nguru (s.d.) umfaßt, insgesamt rund 14200 qkm. Die Zahl der farbigen Eingeborenen betrug Anfang 1913: 72800, dazu kamen 1120 nichteinheimische Farbige und 64 Europäer. Das ergibt die Volksdichte 5. Im Bezirk sitzen vier selbständige europäische Pflanzer und einige Pflanzungsgesellschaften. 1908 waren 435 qkm Landes an Weiße verkauft oder verpachtet. 1909/12 verkaufte das Gouvernement 100, verpachtete 5 qkm. Im Besitz europäischer Betriebe waren 1913: 1065 Rinder, 145 Stück Kleinvieh usw., die Eingeborenen besaßen. 7830 Rinder, 17800 Stück Kleinvieh, 326 Esel. Zu B. gehört die Bezirksnebenstelle Sadani (s.d.).

Uhlig.

3. Das Apostolische Vikariat B. Die Mission wurde 1869 gegründet und mit den Vätern vom Hl. Geist (s.d.) besetzt (erst seit 1906 ist sie von Nordsansibar getrennt), um den in Sansibar losgekauften und erwachsenen Sklaven Gelegenheit zur Ansiedlung zu geben. In B. selbst wurden durch dieses Kolonisationssystem gute Erfolge erzielt. Der Aufstand von 1888 (s. Araberaufstand) schadete nicht viel. Die seit 1878 mehr im Innern des Landes betriebene Arbeit an den Eingeborenen hatte jahrelang wenig Erfolge; auch jetzt sind noch viele Schwierigkeiten, besonders die Propaganda des Islam und verschiedene Charakterfehler der Bevölkerung, wie Lüge, Verleumdung, dazu Aberglaube und Polygamie, zu überwinden. Ende 1912 zählte man 14 Hauptstationen (Bagamojo, Mandera, Mhonda, Maskati, Ilonga, Morogoro, Marienfels, Matombo, Lugoba, Kibakwe, Tununguo, Widunda, Ussandawi, Bahi), die von 22 Priestern, 17 Brüdern und 25 Schwestern besetzt sind. 235 Katecheten müssen helfen, die 11462 Schulbesucher zu unterrichten. Die Christenzahl hat 15000 bald erreicht (14522). Der Apostolische Vikar, P. Vogt, residiert in B. Seit 1910 ist vom Vikariat ein neuer Sprengel, Kilimandscharo, abgezweigt worden. Die Grenze von B. ist nunmehr nördlich eine Linie, die zwischen dem 4. und 5. Breitengrad nach Mgera führt und dann dem Msangassifluß folgt. Südlich zieht sich die Grenze zwischen dem 7. und 8. Grad hin und bewegt sich im Westen dann um den 35. Grad. Die Missionsmethode ist entsprechend der Vorgeschichte (ursprünglich meist durch Sklavenloskauf) vorwiegend kolonisierend, daher stark auf die wirtschaftliche Seite gerichtet, während die Schultätigkeit mehr zurücktritt. Für die Schule ist ein kleiner Katechismus und die Nachfolge Christi in das Kiswaheli übersetzt worden. Von materieller Kultur zeugt u. a. die Baumwoll- und Kautschukpflanzung zu Morogoro; auch Viehzucht wird sehr betrieben. Die Schwestern, Töchter Mariens (s.d.) und Schwestern vom kostbaren Blute (s.d.) arbeiten in Erziehung und Krankenpflege. In B. besteht ein Lepraheim mit 100 Kranken; weiter besitzt die Mission noch 28 Kranken- und 25 Waisenhäuser.

Schmidlin.

Literatur zu 3: Echo aus den Missionen der Vater vom hI. Geist, Knechtsteden, fortlaufend, besonders 1911/12, 209 ff. - Schwager, Die Kath. Heidenmission der Gegenwart, Steyl 1906, II, 166 ff. - Mirbt, Mission und Kolonialpolitik, Tübingen 1910, 37 f. - Huch, Bis an die Enden der Erde, Frankenstein 1903, II, 203. - Streit, Missionsatlas, Steyl 1906, 19.