Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 115

Bagielli, Name für die Pygmäen Kameruns (s.d.). Diese sind die frühesten Ureinwohner ganz Afrikas und noch jetzt überall als Unterschicht den Sudannegern wie den Bantunegern gegenüber zu erkennen. Es ist sehr wohl möglich, daß sämtliche Zwergstämme Afrikas von den Buschmännern (s.d.) im Süden bis zu dem Zwergstamme im Atlas im Norden, von den Pygmäen am Rudolfsee und in Ostafrika bis zu den B. in Kamerun ursprünglich einem Volk angehörten. Die Sprache der B. ist sehr wenig bekannt, so daß man nicht weiß, ob sie wie die der Buschmänner Schnalzlaute enthält. Sie werden von den Negern mit verschiedenen Namen benannt: in Südkamerun Ebajagga, von den Fang Baijagga, von den Küstenstämmen Bekue oder Akoa, von den Dzimu Babinga, von den Mabea Boguelli oder Bekelle, von den Stämmen im Osten Bakolo usf. Sie sind von kleiner Statur und erreichen im Durchschnitt eine Größe von 1,50 m. Der größte gemessene Mann war 1,64 m hoch. Die Frauen sind noch kleiner, ihre Größe übersteigt vielleicht nicht 1,30-1,40m. Die Körperform ist gedrungen und kräftig, mit hoher, breiter Brust. Die Arme sind auffallend lang, die Schultern nach vorn gedrückt, so daß ihr Gang etwas Schleichendes erhält. Der Kopf ist rund, brachizephal und prognath, die Stirn vortretend und kurz, die Nase flach mit großen Nasenlöchern, die Lippen schmal, die Augen klein und tief, die Ohren groß. Die Behaarung soll nach manchen Berichten viel stärker sein als die der Neger; Behaarung der Gliedmaßen und Brust und sogar ein stattlicher Vollbart soll nicht selten sein. Ihre Hautfarbe ist nicht schwarz, sondern variiert von grau bis gelblich und braun. - Die B. wohnen im Urwaldgebiet, besonders am Randgebirge von Südkamerun, sowie am ganzen Ssanga aufwärts bis Nola, ferner in Spanisch-Guinea, sowie in dem südlich und östlich davon gelegenen deutschen Gebiet. Sie sind wirtschaftlich sehr niedrig stehend, nur Sammler und Jäger. Ihr Jagdwild bildet zur Hauptsache der Elefant, dem sie mit ihren Lanzen zuleibe gehen. Die Ergebnisse ihrer Jagd tauschen sie an die Bantustämme, zu denen sie in einem Abhängigkeitsverhältnisse stehen, gegen pflanzliche Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände ein. Sie leben in kleinen Horden im unzugänglichen Dickicht des Urwaldes, haben keine festen Siedlungen, da sie je nach ihren jagdlichen Interessen oft weit herumwandern müssen. Ihre Hütten errichten sie aus Zweigen und verstecken sie gerne in Felsen, so daß man sie nur schwer findet; selten stehen mehr als 5 oder 6 an einem Ort. Über ihre geistige Kultur ist soviel wie nichts bekannt. Sie sind keine Menschenfresser, sollen sogar große Scheu davor haben, Menschenblut zu vergießen und auch sonst recht friedfertig sein. Ihre Moralität soll ebenfalls ziemlich hochstehen. Tatauierungen sind bei ihnen selten; wo sie vorkommen, wie z.B. bei den Babinga des Ssanga, sind sie linear.

Passarge-Rathjens.