Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 116 f.

Baia (Baya) (s. Tafel 10), sehr großer Volksstamm von Sudannegern im Osten von Kamerun. Ihre Masse sitzt auf dem B.hochland (s.d.) und zwar von der Mündung des oberen Djerem in den oberen Sanaga im Westen bis zum oberen Mbali und Bahr Sara im Osten, von Nola am Ssanga im Süden bis zum Mittellauf des Mbere und Baria. Die B. teilen sich in eine ganze Anzahl von Unterstämmen. Die B.-Buri sitzen im Gebiet des Ssanga am Mittellauf, die B.-Baia im Oberlauf des Mambere und Kadei, die B.-Kaia im Hochland von Jade, ferner die B.-Talla östlich von ihnen, nördlich des Oberlaufs des Uam, am Abhang des Plateaus, die B.-Buar südlich des Uam und die B.Mbaka bereits ganz im Tiefland zwischen Uam und Nana-Baria. Diese Stämme sprechen nur drei voneinander wesentlich verschiedene Dialekte: den Dialekt der Buri, den Dialekt von Jade, den die B.-Buar, B.-Kaia und B.-Baia sprechen, und den Dialekt der B.-Talla und B.-Mbaka. Alle Stämme haben aber mit den Laka, Mbey, Sara, Jangere und Mbum eine Beschneidungssprache, das Labi, gemeinsam, das schon zu einer Art Verkehrssprache der Länder zwischen dem mittleren Ssanga und dem Schari geworden, sein soll. - Die B. sind zur Hauptsache Jäger und Ackerbauer. Als Sudanvolk haben sie wohl früher Vieh besessen, haben aber jetzt keinen Viehbestand, wenn sie auch die Worte für Pferd und Rind in ihrer eigenen Sprache besitzen. Auch sind sie nicht Hirseesser, sondern ihre Hauptnahrung ist wie die der südlich von ihnen wohnenden Bantustämme Maniok. Darum bilden sie einen Übergang zwischen den Maniokessern des Waldlandes zu den Hirseessern und Viehzüchtern der Grasländer. Sie sind wie erstere Menschenfresser, da die Manioknahrung nicht genügt und die Hunde, die sie mästen, ihren Fleischbedarf nicht decken. Die B. sind große muskulöse Leute, mit platten Nasen und nicht übermäßig dicken Lippen, von schwarzer bis braunschwarzer Farbe; ihre Kopfform ist überwiegend doliozephal und plathyrhin (s. Tafel 78). Im Süden sollen die B. viel kleiner sein als im Norden, was mit der überwiegenden Hirse- oder Manioknahrung zusammenhängen mag. Außer Maniok bauen die B. noch Batate, Mais, Sesam und wenig Hirse. Eine beliebte Speise sind Termiten. Tatauierungen sind bei ihnen selten, außer daß sie sich 3 leichte Einschnitte im Gesicht machen. Ebenso feilen sie ihre Zähne nicht; dagegen haben sie Zirkumzision. Die Kleidung der Männer besteht in einem Rindenschurz, die der Frau in einer Schnur, von der ein Bündel frischer Blätter herabhängt. Die Männer tragen ferner eine Mütze aus Rindenstoff. Im Norden und im Osten durchbohren die B. sich die Nasenlöcher und tragen darin entweder eine Stachelschweinborste (Talla und Kaia) oder runde weiße Steine oder Holz (Buar). Ihre Haarfrisur tragen sie verschieden, Regel ist ein senkrechter Haarbüschel in der Mitte des Scheitels. Die Frauen tragen eine Unmasse von Messingringen an Armen und Beinen. Die B. besitzen an Waffen große Speere in der Form von Harpunen, ferner Lianenbogen und Pfeile und Wurfmesser und große Rohrschilde. Meist sind ihre Waffen mit einem Pflanzengift vergiftet. Sie besitzen an Musikinstrumenten große Trommeln und kleine Kalebassen, die sie mit Steinen oder Bohnen füllen, ferner Gitarren, Hörner, Pfeifen und Flöten. Tänze werden häufig aufgeführt. - Die B. sind ein unzuverlässiges, lügnerisches und dabei feiges Volk (nach Lenfant). Ihre Moral ist sehr gering. Sie sind Fetischisten, verehren Holzhaufen mit einer Stange, an der ein Gehörn oder ein andrer Gegenstand hängt. Wie schon erwähnt, sind sie Menschenfresser. Kinder werden oft erwürgt, aber meist nur männliche. Die Frauen werden gekauft, jedoch meist gut behandelt. Ihre Toten begraben die B., und zwar in einer seitlichen Nische des Grabes; Häuptlingsgräber werden geschmückt. - Die B. sind geschickte Waffenschmiede, das Eisen gewinnen sie selbst. Sie besitzen auch Tabakpfeifen. - Die Siedelungen der B. sind weitläufig und groß. Ihre Hütten sind rund und haben Kegeldach, das fast bis zur Erde heruntergeht (s. Tafel 10). Im Innern sind Lehmbetten vorhanden. Nach der Schätzung von Lenfant, die aber wohl völlig unzuverlässig ist, haben die B.- Kaia eine Volkszahl von 6000, die B.-Talla 8000, die B.- Mbaka 18000.

Literatur: Lenfant, Découverte des grandes sources. - Clozel, Les Baijas. Paris 1896. Passarge-Rathjens.