Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 118

Baiweg, frühere Bezeichnung für den unteren Teil der aus dem Innern von Deutsch-Südwestafrika nach der Küste führenden Hauptverkehrsstraße. Vor dem Jahre 1893 fand überhaupt kein Frachtverkehr außerhalb des Walfischbaigebietes statt. Am meisten begangen wurde die südliche, von Otjimbingwe über Tsaobis links vom Swakop sich hinziehende Route, später aber auch die rechts von dessen Tal auf dem Hochland über Jakalswater und das Khangebiet gerichtete Linie, die allerdings besonders für den Verkehr von Swakopmund in Betracht kam. Im unteren Teil der Namib (s.d.) zog die Hauptlinie über die Wasserstelle von Usab durch die Geröllebenen der Namib und das Dünenland des Kuiseb nach Walfischbai. Von einem eigentlichen Wege konnte früher kaum die Rede sein, sondern nur von einer obendrein höchst beschwerlichen Fahrtrichtung. Namentlich der unterste, dem Meere nächste Teil, der B. im engeren Sinne, der eine Länge von rund 60 km hatte, war nur unter den größten Schwierigkeiten zu passieren. Die für diese Strecke besonders trainierten Ochsengespanne mußten zweimal vierundzwanzig Stunden bei etwas mitgenommenem Steppengrasfutter und nur einmaligem Tränken in Sandfontein bei Walfischbai arbeiten, um den Weg von Usab im Swakoptale bis zu dem englischen Hafen und von dort wieder bis zu der genannten Stelle zurückzulegen. Im ganzen wurden zwischen dieser und der Küste 15 Fahrstunden gerechnet. Mit großen Schwierigkeiten waren für den damaligen Verkehr auch die von Sandfontein nach dem Swakoptale in nordwestlicher Richtung führenden Routen verknüpft. Der ab und zu ebenfalls benutzte Weg im Tale dieses Regenflusses selbst war zwar durch das Vorhandensein vieler Wasserstellen und streckenweise auch guten Futters ausgezeichnet, bot aber auch seinerseits große Unbequemlichkeiten wegen der Notwendigkeit, weite Strecken in dem tiefen Sande des eigentlichen Flußbettes zurückzulegen. Der B. war wegen seiner Lage in einem trockenen Gebiet durch mancherlei Ausnahmebestimmungen von der Besiedelung ausgenommen, auch wurden Verordnungen zur Offenhaltung des Weges erlassen. Zugleich wurde auf längere Strecken hin die Fahrtlinie verbessert und in eine wirkliche Straße verwandelt, so daß der B. Ende 1895, dem immer mehr gesteigerten Verkehr entsprechend, in seinem oberen Teile in einen höheren Ansprüchen gerechten Verkehrsweg umgewandelt war. Mit der Eröffnung der Eisenbahn (s. Eisenbahnen Iva) ist er dann wieder verödet.

Literatur: K. Dove, Südwestafrika. Berl. 1896. - H. v. François, Nama und Damara. Magdebg. - K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch- Südwestafrika. 2. Aufl., Berl. 1904.

Dove.