Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 120

Bakterien (s. a. Bakteriologie). 1. Definition. 2. Vermehrung. 3. Einteilung. 4. Untersuchungsmethoden. 5. Differenzierung der Bakterienarten. 6. Krankheitswirkung.

1. Definition. B. sind kleinste einzellige pflanzliche Lebewesen (Protozoen [s.d.] tierische Lebewesen).

2. Die Vermehrung der B. erfolgt durch Spaltung, indem jedesmal aus einer Mutterzelle durch Querteilung 2 Tochterzellen entstehen, daher auch die Bezeichnung Spaltpilze (Schizomyzeten). Manche B. (z.B. Tetanus- und Milzbrandbazillus) bilden Dauerzustände, sog. Sporen, die gegen die verschiedensten äußeren Einflüsse außerordentlich widerstandsfähig sind (so gegen Hitze und Eintrocknen). Andere Benennungen sind noch: Mikroorganismen (= Kleinlebewesen) oder Mikroben.

3. Einteilung. Unter den zahllosenbekannten B.arten unterscheiden wir: harmlose (saprophytische) und krankheitserregende (pathogene) B. Die ersteren finden sich in vielen Arten allüberall verbreitet, die letzteren sind die Ursache von vielen ansteckenden Krankheiten, den sog. Infektionskrankheiten. Dabei hat jede Krankheit ihren eigenen spezifischen Erreger, der also nur die betreffende Krankheit verursachen kann. Je nach der Form kann man nach der Einteilung von F. Cohn (1872) drei große Bakteriengruppen unterscheiden (s. Tafel 17): A. Kugel- B., rundliche B., die sog. Mikrokokken oder kurz Kokken. Hierher gehören z.B. die Eitererreger, sog. Staphylo (d.h. Haufen-) und Strepto- (d.h. Ketten-) Kokken, ferner der Trippererreger (Gonococcus) sowie der Genickstarre- und Maltafiebererreger. - B. Stäbchen-B. (Bazillen, lat. Bacillus), längliche mehr oder weniger gestreckte Gebilde, bei denen der Längsdurchmesser größer ist als der Querdurchmesser; sie haben also zylindrischen Durchmesser. Zu dieser Gruppe gehören z.B. Pestbazillus als Erreger der Pest, Tuberkelbazillus als Erreger der Tuberkulose, Leprabazillus als Erreger der Lepra, Diphtheriebazillus, Typhus- und Dysenteriebazillus, Milzbrandbazillus, Tetanusbazillus, Influenzabazillus u.a. - C. Schrauben-B. (Spirillen), spiralig oder korkzieherartig gewundene Mikroorganismen. Hierher wird z.B. der Choleravibrio (der sog. Kommabazillus) gerechnet (s. Farbige Tafel Tropenkrankheiten II Mg. 11). S.a. die einzelnen Krankheiten.

4. Untersuchungsmethoden. Man erkennt und untersucht die B. mittels des Mikroskopes, entweder - wenn man Bewegung usw. studieren will -lebend, oder im gefärbten Zustande. Die Färbung geschieht in der Weise, daß man das zu untersuchende Material in dünner Schicht auf einem Glasscheibchen, sog. Objektträger oder Deckgläschen ausbreitet, antrocknen läßt, fixiert und dann mit bestimmten Farblösungen imprägniert. Dann sind die B. mikroskopisch leicht zu erkennen.

5. Differenzierung der Bakterienarten. Bei der Unterscheidung von B.arten kommen in Betracht: a) Form und Größe; b) Beweglichkeit und Art der ev. Bewegung und Anordnung der Bewegungsorganellen (sog. Geißeln); c) Art der Färbbarkeit mit gewissen speziellen Färbemethoden; d) Art des Wachstums auf künstlichen Nährböden verschiedener Zusammensetzung; e) Verhalten gegenüber gewissen spezifischen Blutserumbestandteilen, die im Verlaufe von Krankheiten auftreten und nur die jedesmaligen Krankheitserreger beeinflussen (sog. Agglutination, d.i. Zusammenballung). Nicht alle B. haben Eigenbewegung, und die Art derselben ist bei den beweglichen B. auch nicht immer gleich. Sie hängt ab von der Zahl und Anordnung der Bewegungsorganellen, der sog. Geißeln. - Ein jeder Bazillus wächst auf künstlichen festen Nährböden (z.B. Gelatine- und Agarnährböden) zu einer aus unzähligen Bakterien bestehenden, mit bloßen Augen erkennbaren Kolonie aus, an deren charakteristischem Aussehen man häufig die Art erkennen und vermuten kann.

6. Krankheitswirkung. Die pathogene Wirkung der B. geschieht durch das massenhafte Eindringen in die Körpergewebe oder durch Giftwirkung.

Literatur: Kolle-Wassermann, Handbuch der pathogenen Mikroorganismen. G. Fischer, Jena 1912.

Mühlens.