Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 120 f.

Bakteriologie (s.a. Bakterien), die Lehre von den Bakterien, eine Wissenschaft, die im 17. Jahrhundert mit den primitiven Beobachtungen von Anastasius Kircherus und A. v., Leeuwenhoek begann. Die B. entwickelte sich erst in den letzten Dezennien des 19. Jahrh. rasch zum Segen der ganzen Menschheit, seitdem gewisse Bakterien als die Erreger von infektiösen Krankheiten erkannt worden sind. Die Verbesserung der Untersuchungsmethodik, der optischen Hilfsmittel (Mikroskope), der Untersuchungsmethoden, ferner die Entdeckung der Züchtungsmethoden der einzelnen Bakterien (R. Koch) (s.d.) bewirkten, daß nach den bahnbrechenden Arbeiten von Pasteur, F. Cohn und R. Koch eine Entdeckung der andern folgte. - Im Jahre 1876 hatte R. Koch durch die Entdeckung des Milzbrandbazillus zum erstenmal den ursächlichen Zusammenhang einer Infektionskrankheit mit einer bestimmten Bakterienart sichergestellt. Die Erkenntnis der Bakterien als Krankheitserreger hatte nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch praktischen Wert, indem wir nun neue Mittel und Wege der Krankheitsbehandlung, -verhütung und -bekämpfung kennen lernten. Die heute so wichtige Lehre von der Immunisierung und Schutzimpfung sind Sprößlinge der B. Die schon vorher von Josef Lister (1867) eingeführte Methode der antiseptischen Wundbehandlung nach Entdeckung der keimtötenden Wirkung der Karbolsäure durch Lemaire war ebenfalls eine Konsequenz der Lehre von den Bakterien. Und schließlich ist die gerade in Deutschland so mustergültig geregelte, moderne Seuchenbekämpfung (s. Seuchen) der wichtigste praktische Erfolg, der B. In den Großstädten fast aller Länder existieren heutzutage bakteriologisch-hygienische Institute, deren Hauptaufgabe die Ermittlung und Bekämpfung der pathogenen (krankheitserregenden) Bakterien ist.