Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 122

Bali, Volksstamm und Ort in Kamerun.

1. Die B. bewohnen das B.hochland (s.d.), d.h. den westlichen Stufenabfall des Hochlandes von Südadamaua. Sie gehören zu den Sudannegern und sind von Osten oder Norden eingewandert, gedrängt von mohammedanischen Völkern im Benuegebiet. Die Einwanderung geschah erst vor einem Menschenalter. Die Ureinwohner zogen sich teils in die unwirtlichen Gebirge zurück und blieben unabhängig, z. B. die Bametta (s.d.), teils leben sie als Sklaven und Unterworfene der B. in ihrem alten Stammlande. Von den B. werden sie Banzoa und Batankoan genannt; über ihre Stammesangehörigkeit wissen wir nichts. Die Eroberer haben sich auf den Höhen angesiedelt, die Ortschaften der Ureinwohner liegen in den Tälern. - Die B. beschäftigen sich mit Ackerbau; ihre Felder liegen in den Tälern, oft weit von den Dörfern entfernt, und werden allein von Frauen bestellt. Viehzucht und Handel mit den Bewohnern des Waldlandes ist gering. Sie verstehen es, Kapaunen zu mästen. Die B. sind kräftige, kriegerische Gestalten. Sie tragen zum Teil mohammedanische Tracht. Zahnverstümmelung wird geübt. Mit ihren Nachbarn leben die B. in dauerndem Krieg, Kannibalismus soll vorkommen (s. Androphagen). Mit den Weißen, von denen Zintgraff (s.d.) schon 1889 eine Station in Baliburg gründete, bestand ein gutes Einvernehmen, bis 1893 die Station aufgehoben wurde. Ein paar Proben ihrer Technik geben die Abb. 1 u. 4 der Tafel 86 wieder. Abb. 1 einen der hier wie in anderen Teilen des Graslandes gewerbsmäßig hergestellten Tonpfeifenköpfe, Abb. 4 ein ebenso phantastisch gearbeitetes Ölgefäß aus Ton.

2. B. ist ferner ein großes Dorf von ungefähr 30000 Einwohnern, Hauptstadt des B.landes. Es ist durch eine Straße mit der Banjangbucht sowie mit Bamenda (s.d.) verbunden. B. war von 1889-1898 eine Militärstation. Es befindet sich dort eine Niederlassung der Baseler Missionsgesellschaft (s.d.).

Passarge-Rathjens.