Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 125

Bamenda, Volksstamm, Ort und Bezirk in Kamerun.

1. Die B. sitzen im östlichen Teil des Balihochlandes, am Fuße der Mutiberge, die den Nordostteil des B.gebirgs bilden. Sie gehören zu den alteingesessenen Stämmen des Landes, über deren Zugehörigkeit zu den Bantu- oder Sudanvölkern nichts bekannt ist. Sie sind bei der Invasion der Balivölker politisch selbständig geblieben. Sie haben viereckige Giebeldachhütten und große Dörfer, die aus umzäunten Gehöften bestehen. Hauptort ist Bamenda. Die B. treiben Ackerbau und etwas Viehzucht, ihre Rinder erinnern an das hamitische Buckelrind. Einige Belegstücke ihrer im allgemeinen recht hochstehenden Technik geben die Abb. 2, 3, 4 der farbigen Tafel Kamerun wieder: Abb. 2 ein perlumsponnenes Kürbisgefäß, Abb. 3 eines der im ganzen südlichen Grasland gebräuchlichen, mit Tierfiguren verzierten Speisegefäße, Abb. 4 ein wahres Prachtstück von einer Tanzmaske. Daß die an den Schnitzereien stets wiederkehrenden, entweder naturalistisch gehaltenen oder auch stilisiert auftretenden Tierfiguren irgendeine mythologische oder religiöse Bedeutung haben müssen, ist sicher, doch kennt man die nähere Bedeutung noch nicht.

2. B. ist das Hauptdorf des gleichnamigen Volksstammes. Es liegt auf dem Balihochland in einem kesselartigen Tal der Mutiberge in 1559 m Meereshöhe. Seit 1902 ist es deutsche Militärstation. Es zählt ungefähr 30000 Einwohner, hat ein Postamt und mehrere Faktoreien. B. hat eine glückliche Verkehrslage. Nach Westen führt eine Handelsstraße über Bali und die Banjangbucht ins Ossidingetiefland und zur Küste, nach Osten ist das Gebirge im 1800 m hohen Paß nach Babanki-Tungo zu überschreiten, von wo Straßen nach Bamum, Kumbo und Banjo führen. Nach Süden geht es zwischen Bambuto- und Mutibergen nach Dschang. Nach Norden führt die Mijasenke ins Benuegebiet.

3. Der Bezirk B. ist ein Gebiet mit militärischer Verwaltung. Er ist sehr ausgedehnt und umfaßt das Balihochland und das Bamumplateau mit dem Zipfel zwischen Mbam und Wandam, das Kumbohochland und das Tiefland des Donga. Die Bevölkerung ist sehr dicht, im Bezirk wohnen 373000 Menschen. Das Dorf B. ist Militärstation, in Kentu südlich des Donga steht ein Militärposten.

Passarge-Rathjens.